In neun Tagen von Dresden nach Plattling

Ein besonders Erlebnis am Drei-Länder-Eck: Die Grenze nach Tschechien haben Rolf Gronke (von links), Tom Kuschel und Henry Wibberg natürlich überschritten.
Ein besonders Erlebnis am Drei-Länder-Eck: Die Grenze nach Tschechien haben Rolf Gronke (von links), Tom Kuschel und Henry Wibberg natürlich überschritten.
Foto: WP

Menden..  Diese Ausdauersportler haben keine Angst vor extremen Herausforderungen. Rolf Grondke, Henry Wibbert und Tom Kuschel waren einst für den Marathon-Club Menden aktiv. Rennen auf der klassischen Distanz über 41,195 Kilometer garnieren ebenso die jeweiligen Bilanzen wie auch Läufe im Ultrabereich. Diesmal jedoch stellten sich die Drei einem Abenteuer mit absolut anstrengendem Potenzial.

„Irgendwann im letzten Jahr hatten wir die wilde Idee, von Dresden nach Plattling in Niederbayern zu laufen – und das haben wir jetzt gemacht“, sagt Rolf Grondke. Er berichtet aber von Umständen, die das Trio an die Grenzen der Belastbarkeit bringen sollten. Diese rund 470 Kilometer mit Start in der sächsischen Landeshauptstadt wurden an neun Tagen absolviert – ohne Begleitung und nur mit dem ausgestattet, was in den Laufrucksack passte. „Keiner von uns hatte jemals einen so langen Lauf gemacht, schon gar nicht mit Gepäck.“

Intensive Vorbereitung

Natürlich habe man vorher einiges ausprobiert und getestet. Und natürlich wurden die Drei bei so mancher Marathon-Veranstaltung belächelt, wenn sie schwer beladen an der Startlinie standen. „Aber diese Strapazen haben sich gelohnt“, erzählt Grondke stolz – eine gute Vorbereitung ist halt auch bei solch einem Vorhaben die halbe Miete.

Uns so setzten sich Grondke, Wibberg und Kuschel sich nach einer langen Vorbereitung, der Planung und viel Training früh morgens in den Zug nach Dresden. „Dort haben wir den Nachmittag noch wie normale Touristen verbracht, aber am nächsten Morgen ging es dann los.“ Grondke berichtet vom Start an der Cityherberge, jeder mit an die 15 Kilogramm Gewicht auf den Schultern. Es ging aus Dresden und dem Elbtal hinaus nach Westen über viele Höhen und Täler. „Weil aber Samstag war, hatten wir in kleinen Ortschaften nicht oft Gelegenheit, unsere Trinkflaschen aufzufüllen – das war bei über 30 Grad schon ein Problem.“

Später gab es ein Gewitter, und die völlig durchnässten „Abenteurer“ dachten schon an einen Etappenabbruch. Aber sie bissen sich durch und erreichten nach 58 Kilometern das Tagesziel in Hainichen. Duschen, Kleidung waschen für den nächsten Tag, der Besuch einer Gaststätte – dieser Abend war kurz, schließlich ging es am nächsten Morgen wieder auf die Piste.

Geburtshaus von Karl May

Diesmal warteten 52 Kilometer bis nach Lichtenstein mit einer Mittagsrast in Chemnitz. „In Hohenstein-Ernstthal konnten wir das Geburtshaus von Karl May sehen“, schilderte Grondke Stationen einer Etappe, die auch am Sachsenring vorbei führte. Am Zielort wiederholte sich dann das bereits bewährte Ritual nach vollbrachter Leistung. „Duschen, die Wäsche reinigen, danach kurz noch etwas essen und trinken gehen.“

Der nächste Tag bescherte eine 60-Kilometer-Tour via Zwickau, Goldene Höhe, Elstertal (mit der größten Backsteinbrücke der Welt), Mylau und Pöhler Stausee nach Plauen. Tag vier führte über die Weiße Elster, die Berge des Osterzgebirges und kleine Städte durch viel Wald und Natur. Mittags erreichten die Drei die ehemalige innerdeutsche Grenze zwischen Sachsen und Bayern, später standen sie am Dreiländereck mit Tschechien. „Das war ein Höhepunkt unseres Abenteuers. Wir sind dann noch ein Stück nach Tschechien ‘rein gelaufen – einfach um mal da gewesen zu sein“, so Grondke, der mit seinen Kameraden nach 47 Tageskilometern dann Selb erreichte.

Persönliche Grenzen

Weiter ging es über 49 Kilometer nach Windischeschenbach (Grondke: „Das lässt sich nach dem zweiten Bier einfacher aussprechen ...“), die weiteren Etappen führten nach Schwarzenfeld (56 Kilometer), Regensburg (48 Kilometer), Straubing (47 Kilometer) und schließlich zum Zielort Plattling an der Isar.

„Das waren neun extrem anstrengende Tage. Jeder von uns hat dabei seine Grenzen ausgelotet“, lautet Grondkes Fazit. Natürlich ist er stolz darauf, mit seinen Freunden so viel erlebt, gesehen, erfahren und auch gelitten zu haben. „Persönlich, aber auch als Team – ich kann im Nachhinein einfach nur sagen, dass sich dieses Abenteuer für Jeden von uns wirklich gelohnt hat.“