HSG mit viel Glück an die Tabellenspitze
14.02.2010 | 22:06 Uhr 2010-02-14T22:06:00+0100
Menden/Verl. Ihnen fehlte die Energie, um in große Freude auszubrechen. Stattdessen lagen sich die Oberliga-Handballer der HSG Menden-Lendringsen nur überglücklich und völlig ausgepumpt in den Armen.
In der vorgezogenen Partie beim TV Verl entführten die Hönnestädter zwar beim 25:24 (15:12) beide Punkte aus Ostwestfalen, hatten aber am Ende mächtig viel Dusel.
„Es war im Vorfeld klar, dass es kein einfaches Spiel werden würde”, sagte ein völlig geschaffte Birgit Albrecht, die erneut den HSG-Cheftrainer Björn Wißuwa vertrat (siehe auch untenstehenden Bericht). „Aber wir haben es in der ersten Halbzeit verpasst, den Sack zuzumachen und haben teilweise völlig den Faden verloren.”
Dabei legte die HSG einen Traumstart hin. 8:0 (!) hieß es nach gut zehn Minuten, Verl gelang erst nach 12:45 Minuten der erste Treffer. Bis dahin hatte der Gast mit toller Abwehrarbeit aufgetrumpft.
Dass die Partie nach dem 9:1 durch Tobias Genau (15.) schleichend in die falsche Richtung lief, hatte seine Gründe in der schwächer werdenden Defensivarbeit (Albrecht: „Es fehlten Körpersprache und Vorwärtsbewegung”) der katastrophalen Chancenverwertung und haarsträubenden Ballverlusten. Philipp Wittke (zweimal), Thiele, Becker und Goeke ließen freistehend erstklassigen Möglichkeiten aus, und so reduzierte sich der Vorsprung über 12:6 (21.) und 15:9 (25.) auf drei Tore zur Halbzeit. „Das war eine Laissez-faire-Einstellung”, schimpfte Teammanager Stephan Giacuzzo.
Und TVV-Youngster Ortjohann ärgerte die Mendener immer wieder mit leichten Treffern. Die kurzfristige Manndeckung war kein probates Mittel. Albrecht: „Das ist auch nicht unser Spiel.”
Auf der Gegenseite schmeckte der HSG die sehr offensive Abwehrarbeit der Gastgeber überhaupt nicht. Zudem ließ man sich durch die Hektik, die die Zuschauer auf der Tribüne und die Unparteiischen mit teilweise nicht nachvollziehbaren Entscheidungen auf beiden Seiten entfachten, anstecken und produzierte im zweiten Durchgang eine erschreckende Quote von leichten Ballverlusten. „Wir haben die Spielrichtung jederzeit bestimmt, aber lange in die falsche Richtung”, sagte Birgit Albrecht. „Wir sind fast an uns selbst gescheitert.”
Gurols vertane Siebenmeterchance nach vier erfolgreichen Versuchen beim 18:16 (39.), Bogdan Wittkes Ballverlust und Kohl schwache Gegenstoß-Einleitung ermöglichten Verl beim 19:19 (46.) erstmals den Ausgleich.
Doch den Gastgebern gelang es zunächst nicht, die Partie zu ihren Gunsten zu drehen, obwohl die HSG weiter völlig neben der Spur lief. In Überzahl vergaben Genau (Siebenmeter) und Thiele (Gegenstoß) eine Zwei-Tore-Führung (52.) und nach Heunemanns Blackout im Angriff besorgte Ortjohann mit seinem zehnten Treffer das 23:24 (57.).
Birgit Albrecht, die vorher schon die Deckung auf 6:0 umgestellt hatte, versuchte dann alles: doppelter Torwartwechsel, Auszeit und beschwörende Anweisungen. Gurol gelang auch per Heber der Ausgleich, Torwart Kohl glänzte nach dem gehaltenen Siebenmeter gegen Baltic (49.) mit seiner zweiten Großtat gegen Ortjohann und Thieles abgefälschter Schuss landete 41 Sekunden vor Schluss glücklich im Tor.
Den Rest überstand die HSG, die damit erneut an der Tabellenspitze steht, dank Verler Unvermögen. „Man muss auch mal Glück haben”, atmete Stephan Giacuuzo auf.
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