Erst angezählt, dann eindeutig auf Titelkurs

Kerem Atik (SV Menden/links) holte sich in einem sehr engagiert geführten Kampf gegen Marek Radziewicz (BC Paderborn) die Westfalenmeisterschaft.
Kerem Atik (SV Menden/links) holte sich in einem sehr engagiert geführten Kampf gegen Marek Radziewicz (BC Paderborn) die Westfalenmeisterschaft.
Foto: sportpresse-reker.de, Dietmar Reker, www.sportpresse-reker.de
Die große Anspannung löste sich erst beim Verlassen des Rings. Kerem Atik hatte wenige Minuten zuvor das westfälische Schwergewichtsfinale in der Männer-B-Klasse gewonnen und die Siegerehrung mit sehr gefasster Miene über sich ergehen lassen. Die ersten Gratulationen jedoch zauberten ein breites Grinsen auf Gesicht des frischgebackenen Titelträgers.

Schwitten..  Der 31-Jährige Türke aus den Reihen des SV Menden hatte sich die vielen Glückwünsche, Umarmungen und auch Fotowünsche von den zahlreichen Freunden und Bekannten redlich verdient. Denn der in Iserlohn wohnhafte Boxer konnte seinen Rivalen Marek Radziewicz aus Paderborn in einem beherzt geführten Fight nach Punkten bezwingen und erntete dabei für jede gelungene Aktion tosenden Applaus.

Es war der fünfte von insgesamt nur neun Finalkämpfen in der gut besuchten Schwittener Mehrzweckhalle. Und es passte, dass danach eine kleine Pause vom Geschehen im Ring eingelegt wurde. Kerem Atik hatte also viel Zeit, um diese schönen Momente im Kreise seiner Fans zu genießen – zwischen all’ den anderen Kämpfen wären solche Szenen angesichts einer streng festgelegten Programmfolge nicht möglich gewesen.

„Ganz ehrlich? Ich weiß von meinem Kampf gar nichts mehr – ich hatte einen Filmriss“, sagte Kerem Atik später, für eine Analyse musste er sich seinen Kampf zunächst von seinen Trainern erzählen lassen. „Das war einfach nur schön“, nickte zum Beispiel SVM-Coach Roman Patschkowski, der seinen Schützling zusammen mit SVM-Trainer-Ikone Willi Hömberg bestens vorbereitet hatte.

Patschkowski war richtig stolz, und er machte sich auch überhaupt keine Mühe, seine Freude über diesen Sieg zu verbergen. Dabei hatte es ihm besonders imponiert, wie Kerem Atik gleich zu Beginn den heftigen Hieb seines Kontrahenten und das Anzählen wegstecken konnte. „Es war klasse, dass er sich nicht aufgegeben hat – Kerem hat sich super in diesen Kampf hinein gekämpft.“ Der verdiente Lohn für das beherzte wie schlagkräftige Auftreten war der Gewinn der Westfalenmeisterschaft. „Er hat alles umgesetzt, was wir in den vielen harten Trainingseinheiten erarbeitet haben – taktisch und kämpferisch.“

Starker Auftritt bleibt ohne Lohn

Einen tollen Kampf lieferte auch Margarete Töws. Die 28-Jährige war die zweite Lokalmatadorin aus den Reihen von Ausrichter SV Menden, und sie trat in der Klasse bis 64 Kilogramm als Titelträgerin der zurückliegenden zwei Jahre an. Leider sollte ihr starkes Auftreten gegen Jennifer Pottmeyer (Viktoria Dortmund) nicht von Erfolg gekrönt sein – die Punktrichter sahen nicht Margarete Töws, sondern ihre Rivalin als Siegerin. Das Ergebnis wurde daher von gellenden Pfiffe begleitet.

„Ein Skandalurteil, eine völlige Fehlentscheidung“, schimpfte zum Beispiel SVM-Trainer Willi Hömberg. Auch er befand, dass sein Schützling schon aufgrund einer klugen Kampfeinteilung auf der Siegerstraße war. Dieser Eindruck wurde durch einige feine Trefferfolgen gestützt – allerdings blieb von offizieller Seite die Bestätigung aus.

Margarete Töws hingegen blieb gefasst und akzeptierte diese Niederlage sportlich fair. „Von der Schlagfolge her habe ich mich vorn gesehen – ich habe sehr wohl gewusst, wo ich meine Gegnerin getroffen habe und wann ich getroffen wurde“, sagte sie enttäuscht.

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