Die erste Instanz in der Walram-Halle

„Heimspiel“ gefällig: An Dirk Wiggeshoff (links) und Hubertus Allhoff kommt im Walram niemand vorbei.
„Heimspiel“ gefällig: An Dirk Wiggeshoff (links) und Hubertus Allhoff kommt im Walram niemand vorbei.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Dieses Duo erledigt an Heimspieltagen der HSG Menden-Lendringsen den vielleicht verantwortungsvollsten Job. Hubertus Allhoff und Dirk Wiggeshoff wachen im Foyer der Walram-Halle über die Eintrittskasse – und sind somit im Eingangsbereich des Handball-Tempels quasi die erste Instanz.

Menden..  „Dass wir samstags hier stehen und Eintrittskarten verkaufen, ist ja nicht unsere einzige Aufgabe – das geht ja noch weiter“, sagt der 47-jährige Hubertus Allhoff und erzählt, dass er und Dirk Wiggeshoff (42) zudem für wichtige Dinge wie das Abrechnen mit den angesetzten Schiedsrichtern zuständig seien.

Hinzu kommen der Ergebnisdienst für das offizielle Internetportal „SIS-Handball“ sowie das Abschicken aller Spielberichte an die zuständigen Staffelleiter. „Dass wir auch das machen, sieht nun mal nicht jeder. Uns kennt man halt nur als die Leute von der Hallenkasse.“

Kurzer Blick auf die Anzeigetafel

Beim verabredeten Termin mit der WP zeichnen Allhoff und Wiggeshoff in groben Zügen den zeitlichen Ablauf ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit beim heimischen Branchenführer auf. So trifft man sich an Heimspieltagen in der Regel gegen 16 Uhr. Aufbau und Einrichten des Kassentisches, der Verkauf der ersten Karten – die Aufgabenverteilung bleibt im Grunde genommen gleich, im Laufe der Jahre hat man sich halt eine gewisse Routine angeeignet.

„Ein wirklich interessanter Job“, wirft Dirk Wiggeshoff ein und meint damit vor allen Dingen die vielen kleinen Gespräche mit den eintreffenden Handball-Freunden. Nur: Von den Spielen selbst bekomme man nicht viel mit. „Wir können höchstens mal die zweite Halbzeit des Männerspiels sehen, vorher zuschauen ist leider nicht drin – da bleibt höchstens zwischendurch ein kurzer Blick aufs Spielfeld und auf die Anzeigetafel“, so Wiggeshoff.

Hubertus Allhoff stellt aber fest, dass man durchaus hören könne, wie ein Spiel läuft. „Der Geräuschpegel, die Stimmung in der Halle, Zwischenrufe und Applaus, Begeisterung oder Verärgerung – das alles bleibt einem nicht verborgen. Außerdem gibt es immer wieder Leute, die sich im Foyer etwas zu trinken besorgen oder die Toilette aufsuchen. „Meistens erzählen die dann, wie’s steht.“

Seit fünf Jahren dabei

Die beiden Hallenkassierer sind seit rund fünf Jahren für die HSG aktiv – und sie blicken dabei auf keineswegs unübliche Funktionärskarrieren zurück. „Unsere Kinder spielen mit großer Freude Handball – da ist man als Vater natürlich dabei“, berichtet Allhoff, er lässt aber auf Nachfrage durchblicken, dass er mit diesem Sport eigentlich wenig zu tun habe. „Früher einmal, aber das gilt schon lange nicht mehr“, macht der Angestellte der Stadt Menden deutlich, dass er sich stattdessen dem Kickboxen verschrieben habe und seit geraumer Zeit als Trainer im Lendringser Fitness-Center unterrichten würde.

Dirk Wiggeshoff, im beruflichen Leben Schreiner, war einst ein ehrgeiziger Leichtathlet, spezialisiert auf lange Stecken – die Tür zum Handball wurde auch bei ihm erst durch den Nachwuchs geöffnet.

Wenn man sich beim Verein der Kinder wohl fühlt, ist es folgerichtig, dass man auch schon mal nachfragt, ob man irgendwo helfen und mit anpacken könne. „Vielleicht beim Stühle rücken oder so…“, merkt Allhoff augenzwinkernd an.

Dass daraus mehr wurde, war einem Gespräch mit dem schon damals im Frauen- und Jugendbereich sehr engagierten HSG-Funktionär Raimund Giacuzzo geschuldet. „Der hat uns angesprochen und gefragt, ob wir nicht den langjährigen Hallenkassierer Heinz Mertens etwas entlasten könnten“, erzählen Allhoff und Wiggeshoff von ihren Anfangstagen, als sie zunächst die Spiele der zweiten Mannschaften übernahmen.

Entspanntere Wochenenden

Später waren es die Erstvertretungen sowie die Bundesliga-A-Jungen der HSG. Und angesichts gestiegener Zuschauerzahlen wurden die Aufgaben an der Walram-Kasse immer verantwortungsvoller. „Aufgrund des lange gültigen Ansetzungsmodus‘ mit einem wöchentlichen Wechsel von Damen- und Herrenspielen war jeder Samstag verplant“, sagt Hubertus Allhoff.

Mittlerweile jedoch sei es entspannter geworden, dank der für die laufende Saison gültigen Festlegung der Heimpartien auf einen gemeinsamen Tag im zweiwöchigen Rhythmus würde der Dienst an der Hallenkasse deutlich angenehmer sein. „Unsere Familien freuen sich, denn wir haben somit viel mehr Zeit für andere Aktivitäten.“

Ansturm beim Soest-Spiel

Gar nicht entspannt war der zurückliegende Heimspieltag mit dem Derby der Oberliga-Damen gegen den TV Schwitten und dem Spiel der Herren gegen Altenhagen/Heepen. „Da war es richtig voll – vor allen Dingen bei den Damen“, berichten Allhoff und Wiggeshoff. Und von einem Extra-Einsatz, um genügend Zwei-Euro-Münzen zu besorgen. Viele Fans wollten nur die Damen sehen – und die bekamen beim Verlassen der Halle Geld zurück.

Weitaus stressiger muss es dagegen vor fast genau einem Jahr beim Herren-Spitzenspiel gegen den späteren Oberliga-Meister Soester TV gewesen sein. „Da war die Halle ausverkauft, mit diesem Ansturm hatten wir nicht gerechnet – auch weil viele auswärtige Leute diese Partie sehen wollten.“

Solche Spiele bleiben haften. Und sie tragen dazu bei, dass für Allhoff und Wiggeshoff der Job in der Walram-Halle nicht langweilig wird. „Es macht halt großen Spaß, und wir würden es gern noch eine ganze Weile weitermachen“, sagen die Beiden unisono. „Wenn wir denn wiedergewählt werden …“