Bogenschießen ist jetzt die große Leidenschaft

Einst selbst als engagierter Mambas-Spieler aktiv: Ulf Jantzen gefällt es  inzwischen auf der Zuschauertribüne auch ganz gut.
Einst selbst als engagierter Mambas-Spieler aktiv: Ulf Jantzen gefällt es inzwischen auf der Zuschauertribüne auch ganz gut.
Foto: WP

Menden..  Das unverhoffte Wiedersehen gab es nach vielen Jahren auf der Zuschauertribüne der Zöpnek-Halle. „Na, kennst Du mich noch?“, lautete die Frage an den Chronisten. Doch der wusste mit dem breit grinsenden Vollbartgesicht zunächst nicht viel anzufangen. Als kleine Hilfestellung gab es einen Namen, und dann dämmerte es. Natürlich: Das ist Ulf Jantzen ...

Der gehörte einst beim Mendener SC Mambas zu den Cracks der ersten Stunde. Der Hönnestädter war einer der prägenden Akteure auf dem Spielfeld, als der damals noch junge Verein sich anschickte, die Skaterhockey-Welt zu erobern. „Na ja, Gründungsmitglied bin ich zwar nicht, das waren Leute wie Alexander Buß oder Bernd Scheiler“, erzählt der jetzt 49-Jährige und berichtet, dass er aber dazu gestoßen sei, als die Mambas nicht mehr auf dem Parkplatz eines heimischen Supermarktes der orangenen Kugel hinterher jagten.

Eigentlich kam Jantzen vom Eishockey. „Weil ich seinerzeit aber eine Sperre absitzen musste, hatte ich viel Zeit“, erinnert sich Jantzen an ein Gespräch mit dem damals noch als zweiter MSC-Vorsitzender sehr engagiert mitwirkenden Friedhelm Hinderks. „Der hatte mich gefragt, ob ich mitmachen wolle“, so Jantzen, der damals auch die Bekanntschaft mit den späteren Teamkameraden Christian Reichmann und Markus Hilberg machen konnte. „Durch die bin ich letzten Endes zu den Mambas gekommen.“

Somit steht auch Jantzen für die anfänglichen Erfolge des MSC. Zahleiche Siege, der Zweitliga-Aufstieg mit Verspätung, als man im Jahr zuvor das entscheidende Spiel gegen die Duisburg Ducks verloren hatte – diese Zeit ist unverrückbar mit Ulf Jantzen verbunden.

„Ich habe aber irgendwann aufgehört und wollte dann doch noch einmal aushelfen – das war gar nicht gut für mich“, berichtet Jantzen von schmerzhaften Momenten beim Training, als die Hockey-Laufbahn durch eine schwere Verletzung jäh beendet wurde. Bruch von Wadenbein und Sprunggelenk, ein extrem langwieriger Heilungsprozess mit Reha und Physiotherapie – Skaterhockey ist seit dem passé.

Ungefähr während Jahrtausendwende hat der Hönnestädter ein neues Hobby gefunden. „Ich habe das Bogenschießen für mich entdeckt, seit 1999 oder 2000 fesselt mich dieser Sport – speziell das Jagdbogenschießen.“ Parcours mit Tierattrappen sind nun die Passion des Mediengestalters bei einem großen Mendener Unternehmen. Dessen Söhne Lennart und Jonah haben es in diesem Sport sogar schon zu DM-Silber und -Gold gebracht.

Vor einigen Jahren ist Jantzen unter die Bogenbauer gegangen und betreibt dieses Metier mittlerweile recht professionell. „Ich habe inzwischen auch Kunden aus vielen europäischen Ländern – das, was ich da mache, ist so etwas wie ein zweites Standbein geworden.“

Rückkehr nach vielen Jahren

Und warum nun nach so langer Zeit die Rückkehr in die Zöpnek-Halle? „Ganz einfach, weil mein Jüngster bei den Mambas-Schülern spielt“, lautet die kurze Antwort.

Ulf Jantzen hat jedoch nicht nur die Rückkehr an die ehemalige Wirkungsstätte gefallen. Er genoss am Rande der Mambas-Partie gegen die Hannover Hurricanez (16:11) auch das Wiedersehen mit den einstigen Teamkameraden Toni Fonso, nun im zweiten Jahr Trainer der MSC-Ersten, und dem zum sportlichen Leiter aufgestiegenen Torwartroutinier Alexander Buß. Auch mit dem ebenfalls anwesenden Carsten Lang, dem jetzigen Bundestrainer, hatte sich Jantzen gern und vor allem intensiv unterhalten.

Natürlich kam dabei die Frage nach einem möglichen Comeback – in einer Altherren-Truppe, deren Mitglieder nur noch zum Spaß Hockey spielen möchten. „Ich weiß es nicht“, sagt Jantzen und schiebt sogleich hinterher: „Lust hätte ich schon. Zumal ich all’ meine Sachen noch habe.“ Die seien zwar sehr alt und gehören eigentlich in ein Museum. „Aber die sind noch da.“ Jantzen überlegt, ob er sich wirklich wieder der großen Verletzungsgefahr aussetzen möchte – wie vor einigen Jahren, als er es mal bei den Fußball-Altherren der DJK Bösperde versuchte und sich sogleich wieder einige Knochenbrüche einhandelte.

„Damals habe ich zu mir gesagt: Lange bin ich ohne große Verletzungen durchgekommen. Aber jetzt häufen die sich – es ist besser, dass ich aufhöre.“ Seitdem ist Zuschauen angesagt, und an den sportlichen Ruhestand hat sich Ulf Jantzen längst gewöhnt. Außerdem gibt es ja noch das Bogenschießen. „Und das macht mir richtig viel Spaß.“