Beruf, Familie, Laufen und der MCM

Thomas Schlünder und Hans-Jürgen Kasselmann (beide MCM) im Gespräch mit WP-Sportredakteur Franz Schoo (von links).
Thomas Schlünder und Hans-Jürgen Kasselmann (beide MCM) im Gespräch mit WP-Sportredakteur Franz Schoo (von links).
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Man staunt nur noch und fragt sich: Wie kriegt der Mann das hin? Morgens um 6 Uhr beginnt Thomas Schlünder seine Arbeit – so wie am Donnerstagmorgen, als er sich als erstes um eine Baustelle kümmerte. Gemeinsam mit seinem Bruder Guido betreibt der Lendringser ein Stuckgeschäft, die Arbeitstage sind lang.

Menden..  Um 10 Uhr unterbricht er seinen Job, nimmt sich eine halbe Stunde Zeit, um die WP-Sportredaktion zusammen mit Hans-Jürgen Kasselmann, Vorsitzender des Marathon-Clubs Menden, zu besuchen.

Seit fünf Jahren ist Schlünder beim MCM aktiv. „Gelaufen habe ich eigentlich immer schon“, sagt der 53-Jährige. „Aber lange nur just for fun.“ Erst ein Start seiner Tochter Sabrina bei einem Halbmarathon in Iserlohn brachte ihn dazu, auch beim MCM einzusteigen. „Zuzuschauen, wie meine Tochter nach über 21 Kilometern ins Ziel lief, hat mich irgendwie berührt und zum Training inspiriert. Dass es jetzt so ausartet, hätte ich nie gedacht. Laufen ist für mich wie eine Sucht und ein Ventil nach einem langen Arbeitstag. Das brauche ich einfach.“

Seit Schlünder in der Trainingsgruppe von Stephan Menke (immer dienstags ab 18.30 Uhr im Hucken-ohl-Stadion, neue Interessenten sind willkommen) mitmacht, hat er sich sportlich stark verbessert. Erst kürzlich lief er den Hamburg-Marathon in beachtenswerter Bestzeit (3:27 Stunden).

Für den Verein ist Schlünder einer der wertvollsten Mitarbeiter. Bei Großveranstaltungen wie den Marathon und den Waldlauf kümmert sich Schlünder zusammen mit Stephan Menke, Burkhard Bruchmann, Michael Marutschke und Klaus Hoff um alles, was mit der Strecke zu tun hat. „Thomas weiß, wovon er spricht. Was er bei diesen Events für uns macht, ist Logistik pur“, sagt Hans-Jürgen Kasselmann über Schlünder. „Ohne ihn hätte ich die Organisation nicht weiter gemacht, nicht weitermachen können.“

Zur Mitarbeit ließ der sich nicht lange bitten. „Ich bin sofort eingestiegen, nachdem mich Hans-Jürgen gefragt hat“, berichtet Schlünder. „Und ich mache mit, weil es mit diesen Leuten so gut funktioniert. Man muss einen haben, der das Sagen hat, und viele kleine Häuptlinge.“

Wie so eine Planung aussieht? Kasselmann und Schlünder erklären es am Beispiel des Menden-Marathons am Sonntag, 31. Mai. „Acht Wochen vorher beginnt die harte Planung“, sagt der MCM-Vize. Absprachen mit der Stadt, Streckenposten anrufen, Materialsichtung und Pressearbeit. Und vieles mehr.

In der Woche vor der Veranstaltung tritt Schlünder mit seinem Team auf den Plan. Donnerstags werden die Halteverbotsschilder aufgestellt. Samstags holen er und seine Crew vom Bauhof, aus dem Biebertal und aus dem Huckenohl alle erforderlichen Materialien zum Rathaus, am Veranstaltungstag wird die Strecke in der Stadt und in den Außenbezirken inspiziert und abgesperrt, zudem werden Startbanner und Pylonen aufgehängt beziehungsweise aufgestellt. Hört sich nicht dramatisch an, doch dahinter steckt viel akribische Arbeit und Organisation.

Aber Schlünder setzt noch einen drauf. „Um 9 Uhr stehe ich am Start zum Halbmarathon“, sagt er mit einem Grinsen im Gesicht. Der sportliche Ehrgeiz halt. Oder das Ventil, Stress abzubauen? Wahrscheinlich beides.

Dass die Organisation in den vergangenen Jahren reibungslos klappte, motiviert die MCM-Leute natürlich ungemein. „Aber alles funktioniert nur, wenn die Familie dahintersteht. Das ist das Wichtigste“, sagt Thomas Schlünder.

Aber da ziehen im Hause Schlünder alle mit. Seine Frau Heike hilft an der Kuchentheke. Seine Töchter (Sabrina und Jenny) sowie sein Schwiegersohn Patrick Spanke machen sportlich mit. Der MCM ist ihr zweites Zuhause.

Seine Wünsche für die Zukunft klingen eher bescheiden. „Ich wünsche mir, dass es mit dem Marathon und dem Waldlauf gut weiterläuft und dass wir vielleicht noch ein paar Mitglieder dazu bekommen“, sagt der MCM-ler.

Die müssen ja nicht alle so „verrückt“ sein wie Thomas Schlünder.