"Wenn das funktioniert, müssen wir es machen"
18.02.2010 | 22:35 Uhr 2010-02-18T22:35:00+0100Lünen. Zahlreiche Vereins- und Stadtvertreter waren der Einladung der Sportverwaltung gefolgt, um sich über das „BgA-Modell” zu informieren, welches der Stadt helfen soll Geld im Sportbereich einzusparen.
„Ich bin mir sicher, dass sie nicht alles mitgenommen haben. Ich hoffe aber das gröbste”, sagte Referent Manfred Schmidt vom Landessportbund NRW nach seinem Vortrag. Nach 90 Minuten wurde allen noch einmal klar, dass deutsches Steuerrecht alles andere als einfach ist – doch Schmidt präsentierte sich als Fachman par excellence und transportierte den Grundgedanken und das Prinzip der BgA äußerst verständlich. Schmidt weiß wovon er redet, sein Konzept der BgA läuft in Recklinghausen seit 1976 erfolgreich für alle Beteiligten. In Zeiten der drohenden Nothaushalte und Sparzwänge der Kommunen ist sein Wissen in ganz NRW gefragt. „Ich habe eigentlich gedacht, dass es alle Städte so machen. Momentan ist das natürlich sehr gefragt”, so Schmidt. Dass dieses System insgesamt etwas komplizierter ist, kam auch durch, Schmidt sicherte aber Unterstützung für die Vereine zu. Details des Konzepts wurden mit der Stadtverwaltung schon im Vorfeld abgesprochen.
Einfach erklärt läuft der BgA so: Je mehr die Stadt durch Vorsteuereinbehalte und die Nutzungsgebühren einspart, desto mehr Geld wäre im Stadtsäckel, um Sportvereine zu fördern und Sportstätten zu erhalten. So kämen die Kosten für die geringen Hallennutzungsgebühren auf lange Sicht den Vereinen wieder zugute. Diese Nutzungsgebühren müsste die Stadt von allen Vereinen verlangen - dies wäre Grundvoraussetzung der BgA.
Die eingefangenen Stimmen waren nach dem Vortrag positiv: „Wenn das funktioniert, müssen wir das machen”, sprach Andreas Mildner, Vorsitzender des SV Brambauer Klartext nach dem Vortrag. Christian Zapp, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, nickte zustimmend. Siegfried Störmer, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Sport, ist zuversichtlich: „Ein vielversprechendes Projekt, auch nach zahlreichen Diskussionen sehe ich keinen Pferdefuß.” Detlev Eppmann, Geschäftsführer der Fußballer des BV Lünen war etwas zurückhaltender, aber dennoch optimistisch: „Ich sehe da Potential. Intern müssen wir das noch im Verein besprechen.”
„Ohne den BgA können wir zum Beispiel die drei Kunstrasenplätze gar nicht bauen”, hebt Burkhard Körbl vom Sportamt die Notwendigkeit des BgA-Modells nicht nur in Bezug auf Fußballplätze hervor. „Wir wollen die Gebühren moderat gestalten, die Vereine so wenig wie möglich belasten. Wir wollen das Thema transparent diskutieren und die Vereine mit einbeziehen und das Modell nicht einfach überstülpen”, betonte Kultur- und Sportdezernent Horst Müller-Baß.
Info:
In einem Betrieb gewerblicher Art (BgA) würden alle städtischen Sportanlagen zentral erfasst und geführt. Diese Aufgabe käme der Stadtverwaltung zu.
Über den BgA würden sämtliche Kosten für Instandhaltung, Reparaturen, Anschaffungen oder Sanierungen abgewickelt. Der Vorteil: So ein BgA darf die Vorsteuer von 19 % einbehalten, was ein erhebliches Sparpotenzial bedeuten würde.
Auf der anderen Seite müsste ein Betrieb gewerblicher Art zunächst einmal finanziell gefüttert und ans Laufen gebracht werden, also Einnahmen erzielen. Über Nutzungsgebühren für die Vereine käme man bei diesem Modell nicht herum.
0mitdiskutieren