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Die Laufschuhe bleiben im Schrank

11.01.2012 | 16:23 Uhr
Die Laufschuhe bleiben im Schrank
LSV-Trainer Christian Hampel arbeitet auch in der Wintervorbereitung nur auf dem Platz.

Lünen. Kaum ist der Stadtmeistertitel für den BV Brambauer unter dem Hallendach eingefahren, bittet Coach Marcus Reis seine Schützlinge bereits zum ersten Training der Rückrunde auf den Platz. Schon am Freitag beginnt für den BVB damit die Operation Klassenerhalt in der Westfalenliga.

„Bis jetzt liegt ja kein Schnee, also sehe ich keinen Unterschied zur Sommervorbereitung“, scherzt Marcus Reis. Auf dem Platz wird aber zumindest seinen Spielern das Lachen wohl bald vergehen, kündigt der Coach doch harte Arbeit an: „Wir behalten den Rhythmus aus der Endphase der Hinrunde einfach bei, werden also vier Mal trainieren und am Wochenende ein Spiel machen.“

Waldläufe wird es nicht geben. „Wir machen alle Laufbelastungen auf dem Platz in Spielformen und mit Ball“, verrät der Linienchef. Musste Reis im Sommer noch über zehn neue Spieler integrieren, sind es jetzt nur vier Neue: „Da können wir gruppentaktisch viel besser im Detail arbeiten, an der Umschaltbewegung, Laufwegen und auch den Standards, die immer wichtiger werden, feilen.“

Auf David Krück, Marcel Marino, Ricardo Neumann und Robert Brochtrup, die vier neuen Gesichter, wartet zudem noch etwas Theorie. „Sie bekommen von mir in schriftlich Form unser Profil für ihre Position, eine Systembeschreibung und müssen auch die einheitlichen Kommandos lernen“, sagt Reis und hofft Freitag auch jemanden begrüßen zu können, der all diese Dinge schon lange kennt: „Elvedin Joldic will nach seinem Kreuzbandriss zumindest schon wieder ins lockere Lauftraining einsteigen.“

Ähnlich wichtig ist die Vorbereitung auch für den Lüner SV sowie bei Westfalia Wethmar und dem VfB Lünen. Zwar stehen diese Teams am anderen Ende der Tabelle als der BV Brambauer. Doch auch für sie geht es in der Rückrunde um alles, könnte schließlich der Sprung in die nächst höhere Klasse gelingen.

Lüner SV

Dennoch unterscheiden sich bei Bezirksligist Lüner SV, der am 17. Januar wieder loslegt, die Einheiten in der Wintervorbereitung gar nicht großartig von denen im Rest des Jahres. „Unser Training ist nämlich immer recht anstrengend, deshalb hatten wir zuletzt auch eine so gute Physis“, sagt Coach Christian Hampel und verzichtet daher auch gänzlich auf Wald- oder Kanalläufe und holt stattdessen lieber sofort das runde Leder aus dem Ballschrank.

„Wir beginnen gleich mit Spielformen und koordinativen Übungen. Darin kann ich nämlich zahlreiche konditionelle Elemente ‘verstecken’, bin aber deutlich näher am richtigen Spiel dran und die Jungs merken oft erst am nächsten Tag, was sie wirklich geleistet haben“, so Hampel.

Froh ist der Übungsleiter über die deutlich verbesserte Konkurrenzsituation, denn Dienstag steigen auch die Langzeitverletzten Fatih Bas, Daniel Klaschik und Kim Sehrbrock ins Mannschaftstraining ein, so dass Hampel erstmals in dieser Saison alle Aktiven des Kaders auf dem Trainingsplatz erwartet. „Damir wird das Training noch intensiver“, glaubt Hampel. Keine Rolle spielt übrigens mehr Osman Kumac. „Er ist nur noch Spieler der B-Liga-Zweiten“, erklärt der Coach.

Ein Freund fast unzähliger Testspiele ist Hampel nicht: „Wir spielen einmal pro Woche. Das reicht mir. Dafür trainiere ich aber manchmal fast zweieinhalb Stunden, da kann ich dann mehr mit dem Team machen.“

Der Ball steht im Mittelpunkt: Thomas Sajonz und Westfalia Wethmar bestreiten gleich 14 Testspiele.Westfalia Wethmar

Auf intensive Einheiten setzt auch Wethmars Spielertrainer Alexander Lüggert, aber eben auch auf einen Testspiel-Marathon. „Das beste Training ist für mich immer noch das Spiel. All die Handlungsabläufe und auch die Belastung kann man im Training nie komplett nachstellen“, sagt der 30-Jährige und hat deshalb bereits 14 Spiele, teils zwei davon auch an einem Tag, festgemacht.

In den Einheiten vor und nach den Testkicks will Lüggert dann intensiv auf noch vorhandene Probleme oder Schwachstellen eingehen. „Das haben wir aber in der Hinrunde schon so gemacht“, sagt der Coach und hält es da ähnlich wie LSVer Hampel: „Die Intensität muss in jedem Training hoch sein, sonst fallen die Jungs irgendwann in ein Loch.“ Auch abseits des Platzes hat Lüggert einiges vor und will mit seinem Team einen Fitnesskurs absolvieren oder einen Kampfsporttrainer einladen.

Starten wollen die Grün-Weißen wieder am 29. Januar. Dann werden auch zahlreiche A-Junioren-Spieler dabei sein. „Wir haben in der Winterpause gleich acht Youngster hochgeschrieben, damit sie bei uns schon mal ein wenig reinschnuppern können“, sagt Lüggert, „und bei diesen vielen Spielen werden sie natürlich auch ihre Einsatzzeiten erhalten“.

VfB Lünen

„Normalerweise halte ich die Vorbereitung im Winter immer kürzer als im Sommer. Wegen der langen Pause sind es diesmal aber auch sechs Wochen“, sagt Coach Andreas Roch, der seine Jungs erstmals am 7. Februar wieder auf den Platz bittet und dann bis zu fünf Einheiten wöchentlich auf seinem Trainingsplan notiert hat.

Dabei arbeiten die Süder im konditionellen Bereich nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. „Seit zwei Jahren halte ich mich an eine Studie, die die Uni Bochum in Zusammenarbeit mit dem VfL entwickelt hat. Da baue ich immer einen Parcours auf dem Platz auf, denn die Spieler in einem bestimmten Zeitintervall mit hoher Intensität und vielen verschiedenen Bewegungen absolvieren müssen“, verrät Roch. Es folgen verschiedenste Spielformen und Passübungen.

Für die Testspiele hat sich der VfB vor allem höherklassige Gegner wie die Bezirksligisten BSV Schüren oder SuS Kaiserau ausgesucht. „Von diesen Mannschaften können wir immer noch etwas lernen“, so der Coach. Nichts mehr lernen wollte offenbar Anatoli Weissbrodt, hat sich der Routinier in der Winterpause doch völlig überraschend abgemeldet.

„Darüber bin ich auch menschlich ein wenig enttäuscht, hatte er darüber doch mit mir im Vorfeld nie gesprochen, obwohl er ein ganz wichtiger Mann war“, wurde auch Roch von diesem Abgang kalt erwischt.

Markus Wilczek

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