„Unser Nachwuchskonzept greift”
27.05.2009 | 22:00 Uhr 2009-05-27T22:00:00+0200Seit 2005 ist Heiko Rahn Fußball-Schiedsrichter-Obmann der Kameradschaft Kamen/Bergkamen. Im Gespräch mit unserer Sportredaktion erzählt Rahn, was er neben den Schiedsrichteransetzungen noch alles macht.
Herr Rahn, was macht ein Schiedsrichter-Obmann?
Heiko Rahn: Zu meinen Aufgaben zählen die Schiedsrichteransetzungen für die Partien auf Kreisebene, die in unserem Einzugsbereich stattfinden, das heißt in Kamen, Bergkamen und Niederaden.
Das ist sicher eine Menge Arbeit. Wann werden die Schiris für die Partien angesetzt?
Das geschieht jeweils vor Beginn der Hin- bzw. Rückrunde. Je nach Qualität des Spiels wird der Schiedsrichter zugeteilt. Das ist schon sehr zeitintensiv. Allein für die Ansetzungen für den Meisterschaftsbetrieb geht je ein Wochenende flöten. Woche für Woche werden dann die Ansetzungen für außerplanmäßige Begegnungen gemacht. Testspiele, AH-spiele, Turniere usw.
Den einen Schiedsrichter sieht man häufig, andere eher selten auf dem Sportplatz. Wie ist das geregelt?
Jeder aktiv geführte Schiri hat sich zu einer Mindestanzahl von Spielen verpflichtet. Das sind zwei pro Monat. Rentner, die mehr Zeit haben und Leistungsklasse-Schiris, also die aufsteigen wollen, pfeifen deutlich mehr Spiele.
Stichwort ältere Schiedsrichter. Die Kritik an den Schiris hat in den letzten Jahren zugenommen. Insbesondere die älteren Vertreter werden teils heftig kritisiert.
Zu Beginn meiner Amtszeit haben wir in unserer Kameradschaft mehr ältere als junge Schiedsrichter gehabt. Wir hatten ein akutes Nachwuchsproblem. Deshalb haben wir ein Konzept entwickelt, um Jugendliche zu begeistern. Wir haben Aktionen in Schulen gemacht und in Vereinen Schiedsrichtersprecher installiert. So haben wir das Nachwuchskonzept auf eine breite Basis gestellt.
Hat das Konzept gegriffen?
Von unseren 89 aktiven Schiedsrichtern sind mittlerweile 42 unter 30 Jahre alt. Das kann sich sehen lassen. Die Qualität der jungen Schiedsrichter ist so hoch, dass sie mit 19/20 Jahren schon Bezirksliga pfeifen.
Bei so viel Nachwuchs haben doch sicher einige arrivierte Schiedsrichter die Nase gerümpft, oder?
Am Anfang war die Skepsis unter den Etablierten groß. Sicher hatten auch einige Angst, dass sie nicht mehr genügend Spiele bekommen. Doch da haben wir Überzeugungsarbeit geleistet. Jetzt haben wir eine tolle Mischung. Die Älteren unterstützen die Jüngeren mit ihrer Erfahrung. Die Schiedsrichter merken, bei uns wird was getan.
Sie haben gemeinsam mit ihrem Team ein Patensystem für neue Schiedsrichter eingeführt. Wie funktioniert das?
Das Patensystem leitet Schirisprecher Martin Siegel. Er organisiert Begleitung für Schiris, die ihre ersten Spiele pfeifen. Auf einem Patenbogen wird vermerkt, was schon gut ist und was noch verbessert werden muss. Der Schiri kann sich auf die Partie konzentrieren und wird nicht abgelenkt.
Müssen sich die Schiedsrichter eigentlich fit halten?
Es gibt eine Vorgabe des Verbandes, sich auf Kreisebene jährlich einem Test zu unterziehen. Es geht um Theorie und Praxis. Jeder, der älter als 50 ist, muss aber nicht mehr laufen.
Bekommen Sie Rückmeldungen über die Auftritte ihrer Schiedsrichter?
In Form von Anrufen sehr selten. Da ich aber oft auf den Sportplätzen unterwegs bin, bekomme ich schon Rückmeldungen. Da wird man gut informiert.
Herr Rahn, brechen Sie doch zum Abschluss unseres Gesprächs mal eine Lanze für die Schiedsrichter!
Wir gehen davon aus, dass jeder Schiedsrichter nach bestem Gewissen pfeift. Jeder entscheidet so, wie er die Situation gesehen hat. Jeder kann auch mal daneben liegen. Fehler macht jeder. Wenn es etwas zu besprechen gibt, kann man das auch dann tun, wenn man sich wieder beruhigt hat. MF
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