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"Schiri sind lieber sonntags im Einsatz"

17.02.2010 | 18:30 Uhr

Auf den Wettskandal folgt nun die Affäre um die angebliche sexuelle Belästigung von FIFA-Schiedsrichter Michael Kempter durch DFB-Beobachter Manfred Amerell: Der Ruf unserer Fußball-Schiedsrichter scheint derzeit gehörigen Schaden zu nehmen.

Unsere Sportredaktion sprach aus diesem Anlass mit dem scheidenden Vorsitzenden des Schiedsrichter-Ausschusses Unna/Hamm, Michael Allery, über die aktuellen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf unseren heimischen Kreis.

Sportredaktion: Herr Allery, die vielen Spielabsagen sorgen derzeit für eine Menge Unmut bei Spielern, Funktionären und Fans. Wie sieht es bei den Schiedsrichtern aus? Sind die Referees froh, dass sie bei der Kälte nicht vor die Tür müssen?

Michael Allery: Alles andere als das. Nach der langen Winterpause sind auch die Schiedsrichter wieder heiß auf die Spiele, wollen raus auf das Spielfeld. Denen geht es wie den Spielern. Es ist eine unbefriedigende Situation für alle.

Nun stehen zahlreiche Nachholspiele an, von denen einige wohl auch unter der Woche stattfinden werden. Für die Mannschaften ein erhöhter Aufwand und neben der Arbeit eine hohe Belastung. Pfeifen die Schiedsrichter nicht auch lieber am Wochenende?

Natürlich. Die Schiris haben dasselbe Problem wie auch die Spieler. Auch sie müssen arbeiten und dann vielleicht Mittwochabends noch eine weite Strecke fahren, um irgendwo eine Partie zu leiten. Das ist Stress. Auch die Schiedsrichter sind lieber am Sonntag im Einsatz.

Nach dem Hoyzer-Skandal traf den Fußball Ende letzten Jahres ein neuer Wettskandal in dessen Zuge beispielsweise Cetin Sevinc aus Waltrop vom DFB gesperrt wurde. Nun die Affäre um Manfred Amerell und Michael Kempter. Leidet der Ruf der Schiedsrichter darunter?

Allgemein würde ich sagen, dass sich diese Vorkommnisse nicht auf unseren Bereich auswirken. Allerdings wird so etwas natürlich auf die Gesamtheit der Schiedsrichter übertragen, trifft den Einzelnen, der am Wochenende in der Kreis- oder Bezirksliga pfeift, auf diesem Weg dann doch.

Die Schiedsrichter auf den Plätzen wurden in den letzten Jahren immer jünger und viele Referees müssen sich oft vorhalten lassen, dass sie selbst nie gegen das Leder getreten haben. Wie gehen Sie damit um?

»Junge Schiedsrichter

pfeifen strikter

und geradliniger«

Ich gebe Ihnen ein Gegenbeispiel: Torsten Baetzel hat selbst bis zur zweiten Liga gespielt und hat es dann als Schiedsrichter noch in den Leistungsbereich geschafft. Er hat bei den Spielern ein anderes Standing als viele seiner Kollegen, das ist nicht zu bezweifeln. Allerdings legen Schiris, die selbst lange und auch höherklassig gekickt haben, den Ermessensspielraum sehr weit, manchmal vielleicht sogar zu weit aus. Junge Schiedsrichter, die ihren Aufstieg im Blick haben, pfeifen strikter und geradliniger.

Wie ist es um die Zukunft unserer Schiedsrichter im heimischen Kreis bestellt?

Wir sind im Kreis gut aufgestellt und in der glücklichen Lage, über 302 aktive und 30 passive Schiedsrichter zu verfügen. Wir sind von der Kreisliga bis hoch zur Bundesliga vertreten, allerdings könnten es nach oben hin in der Leistungsklasse ein paar heimische Vertreter mehr sein.

Herr Allery, wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen in der Zukunft in Ihrer neuen Funktion als Kreiskassierer alles Gute. TSK

Sebastian Krug

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