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"Mut für die waghalsigen Sprünge"

09.01.2008 | 21:06 Uhr

Die deutsche Eiskunstlauf-Szene hat wieder eine Art "Wunderkind" - und das kommt aus Holzwickede. Isabel Drescher ist 13 Jahre jung und ließ bei den Deutschen Meisterschaften die ohne Ausnahme ältere Konkurrenz hinter sich. ...

... Der Silbermedaille bei den "Deutschen" könnten noch viele weitere folgen. Von Bernd Peters Sie redet nicht viel und wenn, dann flüstert sie nur. "Ein richtiges Interview hatte ich eigentlich noch nie", sagt das Ausnahmetalent unter den deutschen Eiskunstläuferinnen vor dem Gespräch mit unserer Zeitung scheu. "Aber es ist ganz nett", lächelt sie dann kurz auf.

Auf dem Eis dagegen explodiert Isabel Drescher. "Ich habe noch nie eine Sportlerin in ihrem Alter solche Sprünge vollführen sehen", sagt ihre Trainerin Andrea Dieck über die 13-jährige Holzwickeder Schülerin. Tatsächlich ist es vor allem die Höhe ihrer Sprünge, die die Hoffnungen auf eine neue deutsche Weltklasse-Athletin nähren. Keine andere Teilnehmerin wagte sich bei den Deutschen Meisterschaften am vergangenen Wochenende in Dresden an den schwierigen doppelten Dreifach-Toelopp.

Drescher gelang dieser als Einziger. Und damit hören die Superlative bei der jungen Holzwickederin noch lange nicht auf. Vor allem war sie die mit Abstand jüngste Starterin in Dresden. Etwas belustigt, aber auch respektvoll titelte eine große Boulevardzeitung danach mit dem "Zahnspangen-Alarm bei der Deutschen". Schließlich ist auch die neue Deutsche Meisterin Sarah Hecken aus Mannheim mit 17 Jahren noch sehr jung für die "Meisterklasse". Die beiden Ausnahmetalente liefen der ausnahmslos älteren und erfahreneren Konkurrenz in Dresden ohne größere Mühe davon.

"Schon als ich sie zum ersten Mal laufen sah, habe ich einen Unterschied zu allen anderen Läuferinnen erkannt", sagt Dieck, die Drescher seit fünf Jahren beim TSC Eintracht in Dortmund betreut. "Sie hat einfach keine Angst und den nötigen Mut für die waghalsigen Sprünge. Wenn sie dabei hinfällt, steht sie einfach wieder auf."

Zwei Jahre beim Königsborner SV trainiert

Begonnen hat die noch junge Karriere Isabels indes ganz harmlos. Mit fünf Jahren ging sie mit ihren Eltern Eislaufen. "Das hat mir soviel Spaß gemacht, das wollte ich öfter machen." Nach gut zwei Jahren beim Königsborner SV war aber schnell klar: Ein "Neuling", also die niedrigste Einstufung der Eiskunstläuferinnen, bleibt dieses Kind nicht lange. Der Wechsel nach Dortmund war schnell beschlossene Sache - und die Dreschers mutierten zur "Sportfamilie". "Wir stricken eigentlich unser ganzes Leben um das Training unserer Kinder herum", sagt Mutter Traude Drescher. Sohn Joshua (12) betreibt leidenschaftlich Leichtathletik, im Stabhochsprung springt auch er schon in respektable Höhen.

Sechsmal die Woche trainiert Isabel im "Eissportzentrum Westfalenhallen", jeweils zwei Stunden lang. Ihr Alltag besteht "nur" aus Schule, Hausaufgaben und dem Eiskunstlauf. "Das ist aber okay", sagt die 13-Jährige und man merkt trotz zaghafter Stimme, dass Spaß am Sport und kein krankhafter Ehrgeiz dahinter steckt. "Sie möchte das so und deshalb stehen wir dahinter", sagt auch ihre Mutter. "Ist doch besser, als wenn die Kinder vorm Fernseher oder Computer hocken, oder ?"

Möglicherweise wird man Isabel bald häufiger in der Flimmerkiste sehen als davor. Auch wenn sie derzeit noch zu jung ist, um für die Welt- oder Europameisterschaften in der "Meisterklasse" startberechtigt zu sein. "Das ist ganz gut so, damit sie noch nicht total gepusht wird", sagt ihre Trainerin Dieck. "Sie soll konzentriert weiterarbeiten und sich nicht berauschen lassen."

Ende des Jahres wird Isabel Drescher 14 und darf bei den großen internationalen Turnieren aufs Eis. Dann könnte Deutschland vielleicht wieder seine erfolgreiche "Eisprinzessin" bekommen. Die Biomechanikerin Dr. Karin Knoll von der Universität Leipzig untersuchte die Chancen dafür in Dresden bereits wissenschaftlich genau - und bescheinigte der 13-Jährigen aus Holzwickede in einigen Jahren die Fähigkeit für Vierfach-Toeloops oder auch Dreifach-Achsel. Schon der Gedanke daran lässt Isabels Augen leuchten. "Sowas gibt es im Mädchen-Bereich eigentlich gar nicht", sagt ihre Trainerin.

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