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Michael Allery will andere Wege gehen

17.03.2010 | 20:59 Uhr

Michael Allery, Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses Unna/Hamm, verabschiedet sich nach zwölfjähriger Amtszeit. Unsere Sportredaktion sprach mit dem 39-jährigen Hammer.

Michael Allery, Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses Unna/Hamm, verabschiedet sich nach zwölfjähriger Amtszeit. Unsere Sportredaktion sprach mit dem 39-jährigen Hammer.

Herr Allery, was hat sie veranlasst zu dieser Entscheidung?

Da gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind da Struktur- und Satzungsveränderungen, ausgehend vom Verband herunter auf die Kreise. Durch die Technik wird der persönliche Kontakt weniger. Darauf habe ich eigentlich sehr viel Wert gelegt. Und: Mit Torsten Perschke tritt mein Wunschkandidat meine Nachfolge an. Ich gehe auf keinen Fall in Unfrieden von den Schiedsrichtern, im Gegenteil. Zum anderen ist auch der Zeitpunkt da, andere Aufgaben im Kreisvorstand zu übernehmen.

Und welche?

Der bisherige Kreiskassierer Wolfgang Koppe kandidiert nicht mehr am Freitag beim Kreistag. Da hat mich der Kreisvorsitzende Horst Weischenberg gebeten zu kandidieren.

Ist damit verbunden, dass sie in drei Jahren den Kreisvorsitz übernehmen werden?

Erst einmal macht Horst Weischenberg noch weitere drei Jahre weiter, wenn er beim Kreistag gewählt wird. Was dann kommt, ist noch völlig offen. Ich will aber nicht leugnen, dass mich in drei Jahren für dieses Amt interessieren könnte.

Sie führen in Hamm eine große Firma. Bleibt da denn Zeit für die Kreiskassiererei?

Ich arbeite in einem familieneigenen Betrieb, da kann ich mir zum Glück die Zeit selbst einteilen. Eine große Mehrarbeit sehe ich im Amt des Kreiskassierers nicht, da vonseiten der Verbandes viele Arbeiten, Buchungen mittlerweile übernommen worden sind.

Sie waren zwölf Jahre Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses. Welches Fazit können Sie ziehen?Mir ist es mit meinen Kollegen im Ausschuss gelungen, die drei Schiedsrichter-Untergruppen im Fußballkreis zu einem gefühlten Kreis zu vereinen. Wir haben ein menschlich gutes und harmonisches Miteinander hinbekommen. Von der Leistungsfähigkeit meiner Schirikollegen bin ich überzeugt. Alle Seniorenspiele im Kreis können besetzt werden, ebenso bei der Jugend und bei den Altherren.

»Die Alten pflegen

und aufpassen, dass

die Jungen bei

der Stange bleiben«

Die Führung der drei Gruppen-Obleute Hamm, Unna, Kamen/Bergkamen ist bestens. Mir liegt am Herzen, dass man die Alten pflegt und aufpasst, dass die Jungen bei der Stange bleiben. Ich danke auf diesem Wege auch nochmal meinen Schirikollegen im Ausschuss. Ein Vorsitzender kann nur so gut sein wie sein Ausschuss. Sie haben mir den Rücken frei gehalten. Das habe ich nie vergessen.

Wie sind denn die aktuellen Schiedsrichterzahlen?

Bei meinem Amtsantritt 1998 standen auf der Liste 280 Schiedsrichter. Nach der Bereinigung waren es nur noch 218. Derzeit pfeifen 303 aktive Kollegen, es gibt keine Karteileiche.

Sie waren bei ihrem Amtsantritt 27 Jahre alt. Ein junger Mann für viele ältere Schiedsrichter. Gab es da nicht Widerstände?

Oh ja, da gab es schon Vorbehalte gegen einen 27-Jährigen. Ich darf da in erster Linie dem Ehrenvorsitzenden des Kreises, Reinhard Strüwer, danken, der mir die Chance gegeben hat und mich immer unterstützt hat. Auch Helmut Spänhoff sen., mein väterlicher Freund, war immer hilfreich an meiner Seite. Von ihm habe ich viel gelernt.

Früher war Karl-Heinz Fork ein Bundesliga-Schiedsrichter. Aus den heimischen Reihen hat es hernach niemand mehr bis ganz nach oben geschafft. Gibt es dafür Gründe?

Da führe ich den Jugendwahn, ich nenne es mal so, an. Die Aufsteiger wurden immer jünger. Ich habe das nie für gut geheißen. Man kann sich nicht erlauben, auf Ältere zu verzichten. Ein Beispiel: Frank Perschke ist 47 Jahre alt und muss sich jetzt aus der Westfalenliga verabschieden, obwohl er den Anforderungen noch gewachsen ist. Mit 27 Jahren muss man eigentlich mindestens A-Jugend-Bundesliga pfeifen, um eine Chance zu haben weiter zu steigen.

Wer sind denn im Moment die am höchsten pfeifenden Schiedsrichter im Kreis. ?

Rene Kunsleben ist Assistent in der 1. Bundesliga. Für ihn geht es nicht weiter. Dem Bergkamener Lukas Sauer stehen allerdings noch alle Türen offen. Er hat Talent, hat viel an sich gearbeitet und hat in Reiner Werthmann einen exzellenten Paten an seiner Seite. Lucas pfeift bis zur NRW-Liga, in der A-Junioren-Bundesliga. Für ihn kann es noch weiter nach oben gehen.

Derzeit schreiben die Schiedsrichter in Deutschland nicht gerade positive Schlagzeilen. Färbt sich das nicht auch bis ganz nach unten ab?

Erst habe ich geglaubt, dass diese Schmierenkömödie an uns vorbei geht. Ich habe mich getäuscht, auch wir stecken mittlerweile unten mit im Schlamassel. Das spüren wir in vielen Gesprächen im Kollegenkreis und auch auf den Fußballplätzen. Ich sehe die Aufarbeitung, die auf jeden Fall kommen muss, jetzt auch als eine Chance für einen Neuanfang an. Es müssen allerorten Konsequenzen gezogen werden.

Herr Allery, besten Dank für das Gespräch. ecki

Eckhard Albrecht

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