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Im Winter häufen sich Verletzungen

19.12.2012 | 20:31 Uhr
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Im Winter häufen sich Verletzungen
Dr. Thorsten Schwarz (l.) und HSV-Cheftrainer Ingo Peter – ein Arzt und ein Coach, dem der HSV vertraut.

Es gibt keine Sportverletzung, die Dr. Thorsten Schwarz nicht schon behandeln musste. Kreuzband, Meniskus, Sprunggelenk, gerissene oder gezerrte Bänder und Muskeln. Die Palette ist groß. Der 44-jährige Sportmediziner „verarztet“ in seiner Praxis Tag für Tag Menschen, die sich beim Sport oder auf andere Weise verletzt haben.

Gerade jetzt, wo die Wintermonate begonnen haben, häufen sich nach seinen Erfahrungen bei Fußballern die Verletzungen. „Da muss auf den Sportplätzen auf gefrorenem, unebenem Boden gekickt werden“, kennt er die Gründe. „Da knickt man schon mal eher um, rutscht weg, landet bei Kopfbällen beispielsweise nicht so sachte auf dem harten Untergrund. Das Grätschen bei Zweikämpfen bei dieser Bodenbeschaffenheit kann folgenschwer sein.

Aber auch der Hallenfußball birgt Gefahren und ist aus medizinischer Sicht „schwerer zu spielen als Fußball draußen. Der stumpfe Boden zum einen, das vermehrte stop und go und die Vielzahl der Zweikämpfe andererseits. Fußball in der Halle ist schneller.“

Ganz wichtig ist für den Doc daher, dass man sich vernünftig warm macht vor dem Spiel, besonders draußen in den Wintermonaten. Thorsten Schwarz: „Bei geringer Temperatur benötigt der Körper nämlich mehr Zeit, um auf die gewünschte Körpertemperatur zu kommen. In der Aufwärmphase wird der Körper auf eine Temperatur von etwa 38,5 bis 39 Grad gebracht.

Auch im Winter trinken

Diese Temperatur ist erforderlich, damit die Durchblutung gesteigert wird, wodurch sich zum einen Kreislauf und Stoffwechsel anregen, zum anderen aber auch die Spannung und Mobilität der Muskeln erhöhen lässt.“ So sei gewährleistet, dass die Sehnen und Bänder an Elastizität gewinnen und beispielsweise Muskelkrämpfen sowie Verletzungen entgegenwirken.

Dass man im Winter weniger trinken müsse, sei laut des Bochumer Sportmediziners ein Aberglaube. „Das Durstgefühl ist im Winter zwar nicht so ausgeprägt wie im Sommer“, sagt er, „aber es muss trotzdem gestillt werden. Durch das Schwitzen verliert auch bei niedrigeren Temperaturen der Körper Flüssigkeit, wobei die Menge je nach Trainingszustand des Fußballers variiert. Diese Flüssigkeit muss dem Körper natürlich in irgendeiner Form wieder zugeführt werden, um leistungsfähig zu bleiben. Am besten mit Elektrolytgetränken.“ Thorsten Schwarz weiß auch, dass „wärmende Mittel zum Einreiben nur bedingt helfen, eher Dehnübungen, lockeres bis intensives Laufen und Intervalle. Eine vernünftig Massage vor dem Anpfiff ist absolut nützlich, ersetzt aber das Aufwärmen nicht.“ Empfehlenswert sei seiner Meinung nach auch atmungsaktive Funktionssportkleidung unter dem Trikot.

Wichtig ist und bleibt ein guter Fitness- und Trainingszustand des Fußballers, eine gute Muskulatur und auch eine gesunde Ernährung. „Nur kein Übergewicht“, warnt Dr. Schwarz, „jedes Gramm zu viel drückt auf die Gelenke und macht anfällig für Gelenksverletzungen.

Verletzung braucht Zeit zu heilen

Mit unzulässigen Mitteln oder Medikamenten den Heilungsprozess des jeweiligen Patienten, Fußballers, zu beeinflussen, lehnt der Mediziner strikt ab. „Für uns existiert ebenso eine Dopingliste und das gebietet unser Ehrenkodex, diese zu beachten.“

Er warnt auch davor, bei Verletzungen zu vorschnell wieder vor den Ball treten zu wollen. Das sei falscher Ehrgeiz. „Jede Verletzung braucht ihre Zeit zu heilen.“ Er weiß aber auch aus Erfahrung, dass Sportler ein ganz anderes Körpergefühl und Schmerzempfinden haben, das beschleunigt die Rehabilitation erheblich. „Wer mit gut trainierter Muskulatur seine Verletzungen kuriert, ist schneller wieder fit“, weiß der Doc.

Gefahren für den Gesundheitszustand der Fußballer bei eisigen Minustemperaturen auf den Sportplätzen sieht Thorsten Schwarz nicht - zumindest, solange der Kicker gesund ist und das Thermometer nicht weniger als 15 Grad Celsius anzeigt. „Denn dann gelingt es dem Körper nicht mehr, die eingeatmete Luft ausreichend zu erwärmen, bis die Lunge sie erreicht.“ Die Folge: Der Reiz auf Bronchien, Schleimhäute und Lungengefäße wächst.

ecki

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