Zu wenig Schiedsrichter? Das kann richtig teuer werden
27.07.2012 | 16:32 Uhr 2012-07-27T16:32:00+0200
Kreis Olpe. Idyllischer hätte das Ambiente kaum sein können, doch es wurden eher ungemütliche Themen besprochen im Garten von Klaus Hütte, dem Schiedsrichter-Lehrwart des Kreises Olpe. Im Licht der späten Juli-Sonne ging um den Zweistufenplan im Fußball.
Der war bislang ein Dreistufenplan, und die Namensänderung lässt schon erahnen, dass da eine Verschärfung ins Haus steht. Und in der Tat: So droht Vereinen, die zu wenige Schiedsrichter stellen, nicht nur eine schnellere „Beförderung“ ins höchste Strafmaß. Auch die einzelnen Sanktionen selbst werden empfindlicher.
Erfüllt beispielsweise ein Kreisligaverein das Schiedsrichtersoll nicht, blättert er er 250 Euro hin. Pro Quartal und in der ersten Stufe wohlgemerkt. Erklimmt der Klub im Jahr darauf die zweite Stufe, ist ihm die Ausrichtung von Sportwochen oder Turnieren auf dem Feld und in der Halle untersagt. Ausgenommen sind Jubiläen.
Bis zu 3000 Euro
„Das kommt vom Verband,“ erklärt Schiedsrichter-Obmann Wolfgang Rawe, „es ist also keine Kreis-Angelegenheit.“ Auch der Biggetaler weiß, dass 1000 Euro für einen Kreisligaklub ein Riesen-Batzen sind. Aber ohne Druck geht es offenbar nicht. Immerhin besteht für einen betroffenen Verein ja noch die Möglichkeit, sich freizukaufen. Doch dann wird es richtig teuer. Will ein Klub der Stufe 1 entgehen, bezahlt er das doppelte Ordnungsgeld, bei einer Befreiung von Stufe 2 gar das dreifache. Da sind dann schnell 3000 Euro fällig.
Schiri-Transfermarkt
Weil Not erfinderisch macht, gedeiht unter diesem Damoklesschwert inzwischen ein regelrechter Schiedsrichter-Transfermarkt. Wer nicht genug Unparteiische gemeldet hat, wirbt einem anderen Verein einen ab. Eine „gezielte Verstärkung“ nennt man so etwas offenbar. Rawe: „In der vorletzten Saison hatten wir mehr Schiedsrichterwechsel als Spielerwechsel.“ Inzwischen ist die Zahl auf fünf zurückgegangen.
Auch, weil der Verband in Zusammenarbeit mit den Kreis-Obleuten vorgebeugt hat. Neu ausgebildete Schiedsrichter zählen drei Jahre zum Soll desjenigen Vereins, der ihn zum Anwärterlehrgang angemeldet hat. Sollte ein bereits aktiver Schiedsrichter während der Sperrfrist wechseln, werden die Ordnungsgelder vom neuen Verein übernommen, obwohl der Mann weiter zum alten Verein zählt.
Eine bewährte Methode von Vereinen, dem erhöhten Druck zu entgehen, ist auch die massenhafte Meldung von jungen Leuten zum Anwärterlehrgang. Hauptsache, die Quote stimmt. „Theoretisch kann ein Verein seine ganze B-Jugend als Schiedsrichter-Anwärter melden,“ drückt es Ralf Harnischmacher drastisch aus.
Opa wird zum 13. Mal 80
Nur wird ein Schiedsrichter erst dann zum Vereins-Soll gerechnet, wenn er wenigstens 15 Pflichtspiele pro Saison leitet. Deshalb wird das Schirisoll auch erst nach der Saison abgerechnet.
Der Ausschuss erhofft sich dadurch zudem, dass bei den Schiedsrichtern die Hemmschwelle ansteigt, was Absagen von aufgetragenen Spielen angeht. Rawe: „Dann feiert der Opa des Schiedsrichters eben nicht mehr 13 Mal im Jahr seinen 80. Geburtstag.“
Für den Schiedsrichter-Ausschuss wäre das ein Segen, denn: „Wenn ein Schiedsrichter ein Spiel kurzfristig abgibt, sind das für mich acht, neun Anrufe,“ gibt Ralf Harnischmacher Einblick in die Knochenarbeit der Umbesetzung.
Die gehäufte Meldung von jungen Kameraden hat auch einen Nebeneffekt. Rawe: „Wir sind in Westfalen der Kreis, der mit die meisten Jungschiedsrichter hat.“
Das lindert die Nachwuchssorgen, hat gleichwohl auch zur Folge, dass die Pyramide sich zu Ungunsten der erfahrenen Schiedsrichter verformt. „Von den 100 Schiedsrichtern, die wir in den letzten Jahren ausgebildet haben, war kein einziger für den Seniorenbereich dabei,“ berichtet Lehrwart Klaus Hütte und fügt hinzu: „Unser Problem ist nicht die Anzahl der Schiedsrichter, sondern ihr Alter.“
Unter den aktuell 154 Schiedsrichtern des Kreises Olpe sind nur 67 Senioren. „Und wir müssen Woche für Woche 60 Kameraden im Seniorenbereich einsetzen,“ rechnet Ralf Harnischmacher vor, „jeweils acht in den Kreisligen A und B, plus 14 in den Kreisligen C und etwa 18 in den D-Kreisligen. Dazu müssen wir noch vier bis sechs Bezirksligaspiele besetzen und Gespanne abstellen für Spiele der Landesliga und darüber.“
Bonuszahlung
Daher zeichnet sich ab, dass die D-Kreisligaspiele künftig nicht mehr mit amtlichen Schiedsrichtern besetzt, sondern von Betreuern geleitet werden. Das war zum Ende der letzten Saison von Fall zu Fall schon so gewesen, „und wir sparen dadurch 18 Mann ein,“ ergänzt Ralf Harnischmacher.
Nach so vielen unangenehmen Fakten gibt es doch auch eine gute Nachricht, gewissermaßen das Zuckerbrot. Denn Vereine, die mehr Schiedsrichter stellen als gefordert, erhalten für jeden überzähligen Unparteiischen pro Jahr einen Bonus von 50 Euro.
Weitere Zahlen und Fakten
Auf zwei bemerkenswerte Leistungen ist der Kreis-Schiedsrichter Ausschuss besonders stolz. Konkret: Zwei Aufstiege.
Sandra Föhrdes (Rot-Weiß Lennestadt) pfeift künftig mit erst 19 Jahren in der Herren-Landesliga und ist Assistentin in der 1. Frauen-Bundesliga.
Felix Grünewald (TuS Rhode) ist ebenfalls erst 19 Jahre und darf fortan Spiele der Herren-Landesliga leiten.
Insgesamt stellt der Kreis Olpe 18 überkreislich aktive Schiedsrichter. Im Einzelnen:
4 in der Verbandsliga (Andrea Rath, Regina Heim, Josef Wenzel, Marco Cremer).
4 in der Landesliga (Michael Hahn, Sebastian Langemann, Sandra Föhrdes, Felix Grünewald).
8 in der Bezirksliga (Serap Abdul, Marco Giese, Ugur Ok, Peter Rau, Andreas Rohe, Frank Schmitt, Ahmed Schrage, Sebastian Weber).
Hinzu kommen Detlef Scheppe, der als FIFA-Assistent sowie als Assistent in der Bundesliga tätig ist, und Torben Siewer, Schiedsrichter in der 3. Liga und Assistent in der 2. Bundesliga.
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