„Wir können uns keine Schiedsrichter aus den Rippen schneiden“

Schiedsrichter Christian Schäffer mit Trainer Jürgen Winkel vom FC Lennestadt.
Schiedsrichter Christian Schäffer mit Trainer Jürgen Winkel vom FC Lennestadt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Fußball im Kreis Olpe hat ein „Sonntagsproblem“.

Kreis Olpe..  Der Grund: Es sind kaum noch Schiedsrichter bereit, am Sonntagmorgen Jugendspiele zu pfeifen, wenn sie am Nachmittag im Seniorenbereich als Unparteiischer oder selbst als Spieler gefordert sind.

Die Konsequenz: In einigen Junioren- und Seniorenklassen werden keine amtlichen Schiedsrichter mehr angesetzt. Hier müssen sich die Mannschaften untereinander einigen, wer als „Neutraler“ die Begegnungen leitet. Dabei stehen die Verantwortlichen der beteiligten Mannschaften unter Zugzwang. Können sich die Betroffenen nicht auf eine Person festlegen – der Gast hat das Vorschlagsrecht – und fällt die Partie aus, sind die Punkte für beide Seiten weg.

Vor zwei Wochen musste in der Kreisliga D und bei den Frauen eine Reihe von Meisterschaftsspielen ohne amtliche Schiedsrichter auskommen. Dabei sollte es nicht bleiben. So wurden am Sonntag, 10. Mai, in allen B-Juniorenklassen auf Kreisebene keine offiziellen Unparteiischen angesetzt.

Sogar Auswahlturnier ohne Referee

„Der Schiedsrichter-Vereinigung stehen für diese Spiele keine Sportkameraden zur Verfügung“, teilte Raimund Nöker den betroffenen Vereinen diese Entscheidung mit. „Das kommt leider Gottes öfter vor. Aber diese Woche hat es uns richtig erwischt“, berichtete der Vorsitzende des Kreis-Jugend-Ausschusses (KJA). „Das ist eine absolute Katastrophe. Aber wir müssen schweren Herzens damit leben“, ist Nöker dieser Schritt nicht leicht gefallen.

Selbst für ein Mädchen-Auswahlturnier in Heggen konnten keine amtlichen Referees angesetzt werden. Aber der Oedinger hatte keine andere Wahl. „Die Schiedsrichter-Vereinigung macht sich das nicht einfach und muss die Spiele von oben nach unten bedienen. Was nicht geht, geht nicht. Wir können uns keine Schiedsrichter aus den Rippen schneiden“, weiß Raimund Nöker.

„In der Hinserie waren einige Sportkameraden noch bereit, am Sonntagmorgen zu pfeifen und nachmittags zu spielen“, berichtet Ralf Harnischmacher vom Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss (KSA). Diese Doppelbelastung will aber kaum noch ein Referee auf sich nehmen. Dafür hat Harnischmacher Verständnis.

Kein Verständnis zeigt der stellvertretende Vorsitzende des KSA für die Forderungen einiger Vereine, dass Schiedsrichter zwei Spiele am Tag leiten sollen. Als Ralf Harnischmacher daraufhin vorschlug, dann könnten auch Mannschaften zwei Spiele absolvieren – eins vormittags, das andere am Nachmittag – erhielt er „keine Antwort“.

Genug Schiedsrichter auf dem Papier

Auf dem Papier gibt es im Fußballkreis Olpe genug Schiedsrichter. Aber sonntags wird es grundsätzlich eng. Das liegt auch an der Altersstruktur des SR-Nachwuchses.

„Im letzten Anwärterlehrgang war ein Schiedsrichter über 18 Jahre dabei, aber der steht sonntags nicht zur Verfügung. Für den neuen Lehrgang im Herbst haben sich bislang nur C- und B-Jugendliche angemeldet. Die spielen zum Teil selbst“, erläutert Harnischmacher.

Und wenn dann an einem Spieltag gleich mehrere höherklassige Begegnungen - nicht nur im Seniorenbereich - von den Olper Schiedsrichterkollegen zu besetzen sind, dann wird es ganz eng. So wird es nicht zum letzten Mal der Fall gewesen sein, dass in ganzen Juniorenklassen amtliche Referees fehlen. Von der Kreisliga D ganz abgesehen.