„Wenn, dann das volle Programm“

Kreis Olpe/Siegen..  Wer bis jetzt noch nicht dort war, der sollte dies bis Samstag nachholen. Denn schon morgen wird es Geschichte sein, das 3. NRW-Turnfest in Siegen. Um sich diese Atmosphäre zu geben, lohnt eine Fahrt in den Nachbarkreis.

„Turnfeste sind immer cool,“ fasst Max Barth, Trainer beim TV Olpe, eine Beschreibung des Ganzen in vier Worte. Er muss es wissen. Denn der 53-Jährige blickt auf eine reichhaltige Turnfest-Erfahrung zurück. Sticker an seiner Kappe geben Zeugnis von Ereignissen, die noch weitaus gigantischer waren als das in Siegen. Deutsche Turnfeste zum Beispiel. In Leipzig war die zwölffache Zahl an Menschen versammelt. „90 000,“ sagt Barth. In Siegen sind 7000 bis 8000 unterwegs. Immerhin.

Was aber alle Turnfeste gemeinsam haben, ist „die Mischung aus Sport und Geselligkeit,“ wie Florian Kaiser, Turner des TV Langenei/Kickenbach, es ausdrückte. Dazu gehört auch, vor Ort zu übernachten. Die Olper und die Langenei/Kickenbacher taten es, obwohl ihre Anreise, verglichen mit der anderer Turnfest-Gäste, ein Katzensprung ist.

„Wenn, dann das volle Programm,“ sagt Max Barth. Er nächtigt, wie fast alle Teilnehmer, in einer Schulklasse. „Geht. Wenn man die richtige Matratze hat,“ erklärt er. Auch bei der Wahl der Unterlage kommt dem Olper eine langjährige Erfahrung zugute. Das Domizil in Siegen ist okay. Da hat er schon anderes erlebt. In Leipzig musste er, um sein Haupt betten zu können, eine Stunde bis Halle/Saale fahren.

Die Chance, jemand Bestimmtes in diesem Gewirr von Sportlern zu treffen ist minimal. Max Barth ist ein solcher Glücksfall. Er vertreibt sich auf der Wiese vor der Siegerlandhalle im Schatten der Bäume die Zeit mit einem Spiel, das dem Volleyball ähnelt, nur dass hier statt eines Balles ein Ring über die Leine gebracht werden muss.

Michael Wormuth, Andre Kellershoff und Simon Rosenthal, die drei Olper zwischen 15 und 17 Jahren, starteten beim Wahlwettkampf. Tags zuvor nahm Max Barth an einer Fortbildung teil. „Ich muss mein eigenes Ausscheiden vorbereiten,“ sagt er schmunzelnd, „in 20 Jahren werde ich 74. Ich weiß nicht, ob ich das dann noch machen will.“

Lob für die Organisation

Vier Vereine aus dem Kreis Olpe waren mit 92 Aktiven in Siegen vertreten. Sagt die Meldeliste. TV Langenei/Kickenbach, TV Olpe, TV Grevenbrück und TV Kirchhundem. 36 bot Langenei/Kickenbach auf und war damit teilnehmerstärkste OE-Delegation.

Und auch eine ambitionierte, denn er lief in der Realschule „Am Schießberg“ mit vier seiner Verbandsliga-Turner auf: Daniel Kaiser, Florian Kaiser, Jannik Wüllner und Bastian Krämer. Anders als in ihrer Liga sieht das Turnfest keine Mannschaftswertung vor, hier gibt es nur Einzelwettkämpfe.

Denen blickte das Quartett, das aus Saalhausen, Meggen und Rinsecke kommt, optimistisch entgegen. Beim Hessischen Landesturnfest wurde Florian Kaiser Zweiter. „Gut, da ist die Konkurrenz nicht so groß wie in NRW.“

Die Langenei/Kickenbacher fühlten sich wohl in Siegen, waren begeistert von der grandiosen Eröffnungsfeier und lobten die Organisation, den Bustransfer innerhalb des Festes, das sich ja über das ganze Stadtgebiet erstreckt.

Schade fand Jannik Wüllner, dass sich sein Wettkampf zeitlich mit dem Turnfestlauf überschnitt. „Da hätte ich gern teilgenommen,“ gab er zu, „aber der Wettkampf geht vor. Über den kann ich mich für den Deutschland-Cup qualifizieren.“

Das wollen auch Corinna Quast und Lisa-Maria Trapp vom TV Olpe. Die beiden Sportlerinnen, trainiert von Carmen Seyfert, treten erst am heutigen Samstag in Aktion. Sie sind die erfahrensten unter den 16 Turnmädchen, die der TVO in Siegen aufbietet. Dennoch ist ein Turnfest etwas Besonderes. Während sie in der Oberliga vor etwa 50 Leuten ihre Übungen vorführen, sind es hier auch mal dreistellige Zuschauerzahlen.

Das Herzstück des Turnfestes ist die Siegerlandhalle. Hier läuft alles zusammen, hier gibt es die geballte Info-Ladung. Hier ist auch die Turnfest-Akademie, die Fortbildungen anbietet für Trainer und Übungsleiter.

Beim Treffen mit Wiebke Schandelle, Geschäftsführerindes Kreissportbundes Olpe, wird deutlich, dass der Kreis Olpe in Siegen bei weitem nicht „nur“ mit Aktiven vertreten ist. „Übungsleiter aus elf verschiedenen Vereinen“ habe sie gesichtet, berichtete sie und fügte hinzu: „In der offiziellen Meldeliste tauchen auch nicht die vielen Kinder auf, die beim Bühnenprogramm mitgemacht haben.“