Unbekannter dringt ins dfb.net ein

Langenei/Helden..  Am Ende musste die Kreisspruchkammer (KSK) Olpe den Täter freisprechen. Weil er nicht zu ermitteln war. Und weil er sein Vergehen aus dem Nichts heraus begangen hatte.

Es ist ein Fall, wie ihn die heimische Kammer noch nie auf den Tisch gehabt hat. Es ging um einen Eingriff in die geschlossene Internet-Plattform „dfb.net“. Über die werden unter anderem Spielberichte und amtliche Vorgänge versendet. Dinge, die nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt sind.

Es geschah beim Freundschaftsspiel zwischen dem FC Langenei/Kickenbach und dem FSV Helden am 26. Februar. Da hatte Schiedsrichter Marco Jung in der 26. Minute einem Langenei/Kickenbacher mit der Trikotnummer 10 die Rote Karte gezeigt. Diesen Feldverweis trug der Unparteiische auch pflichtgemäß in den elektronischen Spielbericht ein.

Nicht anwesend, trotzdem Rot

Als der Bericht bei der spielleitenden Stelle eintraf, war der Name des rotgestraften Spielers aus der Mannschaftsaufstellung verschwunden und damit auch dessen Platzverweis. Stattdessen war hinter der Nummer 10 ein Spieler aufgeführt, der nicht nur nicht am Spiel teilgenommen hatte, sondern gar nicht auf der Sportanlage anwesend war.

Wäre die Sache nicht aufgeflogen, wäre der falsche Spieler gesperrt worden. Denn der Schiedsrichter vermerkt nicht den Spielernamen unter der Rubrik „Feldverweis“, sondern nur dessen Nummer.

„Da muss sich einer mit der Zugangskennung des Schiedsrichters eingeloggt haben,“ so die Vermutung von Andreas Hesse, dem Vorsitzenden der Kreisspruchkammer. „Um 20.52 Uhr“ sei dies geschen, so Hesse weiter. Zumindest dieses lasse sich anhand des Verlaufsprotokolls nachvollziehen.

Doch wer in den geschützten Bereich eingedrungen ist, war nicht mehr zu ermitteln. „Der FC Langenei/Kickenbach hat alles abgestritten, der Schiedsrichter ebenfalls,“ berichtete Hesse. Daher gelten beide Seiten als unschuldig.

Es sei „nicht ausgeschlossen, dass sich ein Dritter Zugang verschafft hat,“ vermutet der KSK-Vorsitzende. Und das könne der große Unbekannte von jedem Punkt der Welt aus getan haben. Ob er in Langenei war, in Tokio oder Honolulu. Voraussetzung ist nur ein mobiles, internetfähiges Gerät.

Benutzt hat der Täter übrigens das Log-in des Schiedsrichters. Andreas Hesse: „Das Passwort war auch recht simpel. Es war sein Geburtsdatum.“ Dem Referee wurde dann auch geraten, sich ein neues Passwort zuzulegen.