Tortur für Begemann endet nach gut elf Stunden am Römer

Christian Begemann in Frankfurt
Christian Begemann in Frankfurt
Foto: WP
Was wir bereits wissen
„Bege is back.“

Frankfurt..  Der aufmunternde Zuruf eines mit Christian Begemann befreundeten Triathleten beim Ironman European Championship in Frankfurt/Main kurz vor dem Ziel am Römerberg war in jeder Hinsicht ein Beleg, dass der Oldie vom Skiclub Olpe in der Hitzeschlacht im Zentrum Hessens keinen Schaden genommen hat.

Dabei war so ziemlich alles anders als bei seinen vorangegangenen 14 Ironmen, egal ob auf Hawaii, in Brasilien, Florida, Arizona oder auf europäischer Bühne.

Restlos zufrieden

„Es war meine zweitschlechteste Zeit, die ich jemals erreicht habe“, verglich „Bege“ seine 11:16:23 Stunden mit den früheren Zeiten, war aber froh, „dass ich überhaupt gefinisht habe“.

Und damit war er „restlos zufrieden“. Was der 48-Jährige leisten kann (oder konnte), beweisen seine früheren Zeiten: allein bei zehn seiner vierzehn Ironman unterbot er die 10-Stunden-Schallmauer.

Nach fünf Jahren Trainings- und absoluter Wettkampfpause setzte sich Begemann nicht unter Druck, er konnte auf Grund massiver Adduktorenprobleme fünf Monate kaum Lauftraining absolvieren. „Eine Top-Ten-Platzierung unter den 585 gemeldeten Teilnehmern stand daher nicht auf meinem Wunschzettel“, stellte er in Anbetracht dieser Voraussetzungen klar und verwies auch darauf, dass er keinerlei Vorbereitungs- und Testwettkämpfe absolvieren konnte.

Wegen Hitze Abbruch erwogen

Über Mitteleuropa hatte sich eine unglaubliche Hitzeglocke aufgebaut. Probleme im Vorfeld.

So untersagte der Veranstalter bei 27 Grad Wassertemperatur die Nutzung des Neopren-Anzuges. Das Gesundheitsamt in Frankfurt zog sogar einen Rennabbruch in Erwägung. Statt eines normalen Reifendrucks von 8,5 Bar pumpte Begemann nur 7 Bar in seine Reifen. Bei rund 3000 Rädern hielten nicht alle der 6000 Reifen dem Druck stand.

Doch die Hitze hat laut Begemann auch zwei Vorteile: „Man bekommt bei Hitze weniger Nackenschmerzen, wenn man 180 Kilometer in der Aeroposition auf dem Fahrrad hockt, und man kommt mit weniger Pinkelpausen aus.“

Dann kam der Wettkampf am Sonntag. Der Massenstart sehr hektisch bis zur ersten Boje. Nach 1:19 Stunden für die 3,8 Kilometer ging es endlich aufs Rad.

„Nur noch Marathon“

Nach 180 Kilometer kam die zweite Wechselzone vor dem Römer in Sicht. „Nur“ noch der Marathon. Begemann schildert sein Augenmerk auf der ersten von vier Runden auf dem Kurs am Mainufer: „Wie weit sind die Verpflegungsstellen auseinander?, wie viel Athleten liegen bereits in den aufgestellten DRK-Zelten?, wie sehen die nach den Wendepunkten entgegenkommenden Profis aus?, könnte man im Schatten laufen?m geht es bergauf in praller Sonne?“

Gedankenspiele, die darin gipfelten: „Da ich nicht wie einige Profis ein 60-Kilo-Hüpfer mit drei Prozent Körperfett bin, habe ich mir an den Verpflegungsständen etwas mehr Zeit beim Runterkühlen des Körpers genommen, bin stehen geblieben und habe mir jedes Mal Wasser und Eis über Arme, Beine und Kopf gekippt.“ Und er zog auch seinen Hut vor den rund 4000 Helfern,

Als die Tortur nach über elf Stunden mit dem Abbiegen zum Zieleinlauf am Römer beendet war, beherrschte ihn nur noch ein Gedanke: „Was hatte man die letzten Stunden da draußen in der Sonne eigentlich gemacht?“

Auf Spendensuche in den USA

Und schon ging der Blick weiter nach vorne: „Jetzt ein paar Tage auf Dienstreise in die USA. Dort versuche ich zwischen Frankfurt und der Challenge Roth weitere Dollarspenden für unsere Tri-für-3-Aktion zu sammeln. Und dann zurück nach Roth, um die ‚Tri-für-3‘-Kollegen bei ihrem Wettkampf zu unterstützen.“

Christian Begemann hat wieder Blut geleckt: „Es hat so viel Spaß gemacht. Wir werden am kommenden Sonntag die weitere Saisonplanung besprechen und auch das nächste Jahr ins Auge fassen. Ich bin wieder total begeistert. The show must go on.“

Und dazu trug sicher auch die Aktion ‚Tri-für-3‘ bei, bei der Spenden für den Förderverein Josefshaus, den Camino Caritasverband Kreis Olpe und den Deutschen Kinderhospizverein gesammelt wurden und noch werden.