Siewer legt ein furioses Tempo hin

Thorben Siewer  (rechts) im Gespräch mit seinem Assistenten Marco Cremer
Thorben Siewer (rechts) im Gespräch mit seinem Assistenten Marco Cremer
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Mit 17 Jahren leitete er schon Seniorenspiele mit Ausnahmegenehmigung, mit 20 war er der jüngste Regionalliga-Schiedsrichter Deutschlands.

Schreibershof..  Und auch sein Aufstieg zum Unparteiischen der 2. Bundesliga mit nur 27 Jahren (wir berichteten) passt zum Tempo, das Thorben Siewer vom FC Schreibershof in seiner Karriere bisher hingelegt hat.

„Das ist ein guter Zeitpunkt,“ sagt er selbst. Zumal in der Bundesliga ein Generationenwechsel anstehe. Doch zunächst steht die Premieren-Saison an. Und da wird er in der 1. Bundesliga als so genannter „Springer“ eingesetzt, assistiert also immer in einem anderen Team. In der 2. Liga ist er in einem festen Gespann.

Positive Anspannung

Siewer kommt mit der Erfahrung von unter anderem 41 Drittliga-Spielen „oben“ an. Zuletzt pfiff er die Partie Holstein Kiel gegen die Stuttgarter Kickers. Das Top-Duell des letzten Spieltages, in dem der Nord-Klub die Relegationsspiele zwar sicher hatte. Trotzdem - oder deshalb - waren 10 000 Fans da.

Eine Kulisse, die Thorben Siewer bisher nicht häufig erlebt hat, die aber - um ein mehrfaches größer - demnächst der Normalfall wird. „Acht Spiele in der 2. Liga sind die Regel. Zwei bis drei als Assistent plus einige als 4. Mann in der Bundesliga“, seien es erfahrungsgemäß, sagt er. Dazu Einsätze in der 3. und der Regionalliga.

Lampenfieber hat Siewer nicht vor großen Spielen. „Eine positive Anspannung schon“, ergänzt er, „denn das ist doch schon mehr als ein Hobby.“ Es geht um viel. Die öffentliche Wahrnehmung seines Tuns ist riesig. Gegen die Torlinien-Technologie hat er daher nichts einzuwenden. Siewer: „Eine Fehlerquelle fällt da schon mal weg.“

In den Riesen-Arenen des Ruhrgebiets wird er nicht aktiv sein: Dortmund und Gelsenkirchen gehören zu Westfalen, und im eigenen Verband werden Schiedsrichter im Profifußball nicht eingesetzt. In Köln, Düsseldorf oder Mönchengladbach „darf“ er, sie liegen ebenso außerhalb Westfalens wie München oder Hamburg. Ist ja auch nicht zu verachten.

Ob Thorben Siewer das in seinen kühnsten Träumen geahnt hat? Damals, als alles anfing? Es war an einem Tag im Jahr 2003, da sah er, fußballverrückt wie er ist, an einem Tag drei Spiele seines FC Schreibershof hintereinander. Die Dritte, Zweite und Erste. Just an diesem Tag - der Verein suchte Schiedsrichter - sprach ihn der FC-Vorsitzende Klaus-Michael Becker an. Siewer sagte zu und legte am 21. Mai 2003 seine Prüfung ab.

Diese „Sache“ kostet ein Jahr

Zunächst fuhr er zweigleisig. Spielte und pfiff. „Irgendwann musste ich mich dann entscheiden,“ erinnert er sich, „fußballerisch hätte es nicht für Höheres gereicht.“ An der Pfeife aber sehr wohl, wie man heute weiß. Dass Thorben Siewer mit 27 Jahren dieses Level erreicht hat, ist umso beachtlicher, da ihm ja ein Jahr fehlt. Es war „die Sache“ Ende 2009. Da tauchte sein Name im Zusammenhang mit dem Wettskandal in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft auf. „Unterm Strich eine wertvolle Erfahrung. Die hat mich ein Stück weit reifen lassen,“ blickt er zurück.

Doch es hing schon am seidenen Faden. Die Aussage eines Hauptangeklagten („Siewer? Kenne ich nicht“) war die Wende. Da stand hundertprozentig fest: Siewer war in dieser Affäre völlig außen vor. Der DFB hob die „Schutzsperre“ gegen ihn auf. Präsident Zwanziger rehabilitierte ihn öffentlich.

Siewer hat nicht vergessen, wer sich in dieser Zeit für ihn eingesetzt hat. Sehr stark war dies der Kreisvorstand und der Schiedsrichter-Ausschuss des Kreises Olpe.

Deshalb, und weil er bodenständig geblieben ist, hält er auch heute noch regelmäßigen Kontakt zu Wolfgang Rawe und Co. „Er ist vom Wesen her ein Top-Typ,“ sagt Kreis-Obmann Rawe.

Rawe ist überzeugt: „Thorben Siewers Weg ist noch lange nicht zu Ende.“