Purer Leistungsgedanke raubt Sandra Klein den Spaß

Sandra Klein von der SG Wenden
Sandra Klein von der SG Wenden
Foto: WP
Es wurde ruhig um Sandra Klein von der SG Wenden.

Wenden..  Die Frau mit dem großen Kämpferherzen, die die Strecken ab 10 Kilometer bis hin zum Marathon unter ihre Laufschuhe nimmt, hat drei Gänge zurückgeschaltet. „Ich habe meine Karriere noch nicht beendet. Aber es steht im Raum, von größeren Wettkämpfen Abstand zu nehmen“, so ihre Äußerungen zur derzeitigen Situation.

Instabiles Fußgelenk

Ein „instabiles Fußgelenk“ hat ihr massiv zu schaffen gemacht. An ein systematisches Training, vor allem Tempoläufe, war nicht zu denken. Also Pause. „Ich habe die Zeit walten lassen.“ Die Physiotherapeutin therapiert sich selbst. Aber Ausgleichstraining kommt für sie kaum infrage: „Radfahren mag ich nicht.“ Durch langsame, vorsichtige Läufe glaubt sie, die Probleme in den Griff zu bekommen.

Beim ersten großen Auftritt im roten Trikot konnte, besser musste sie gleich ihre Nehmer- und Kämpferqualitäten unter Beweis stellen. Halbmarathon-DM 2013 in Refrath. Gerangel und (unbeabsichtigte) Tritte, Sturz auf den Asphalt, blutige Blessuren an Ferse, Hüfte und Ellenbogen – doch kein Grund zur Aufgabe. Am Ende war es ein überraschender, nie erwarteter siebter Platz unter Deutschlands Elite. Ein klasse Einstand im und für den neuen Verein.

Es folgte bei den Deutschen Meisterschaften 2013 in München über die klassisch-antike Distanz ein sensationeller 3. Platz. Und den wiederholte sie im Folgejahr an gleicher Stätte.

Atypische Karriere

Rückblick. Die Karriere der mittlerweile 40-jährigen Ausdauerspezialistin verlief ziemlich atypisch. Keine auffallenden Zeiten im Jugendalter beim TV Eckmannshausen, fast zehn Jahre Pause. Ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin hatte absolute Priorität, dann kamen Mann und drei Kinder. Auch da stellte nicht sich die Frage nach den Prioritäten. Die Gene der Ausdauer schlummerten vor sich hin.

Aber es grummelte in ihr, irgendetwas fehlte dann doch. Sie ging in die Siegerländer Wälder, sie trainierte nach eigenem Plan. Sie spürte, dass sie mit den etablierten Konkurrentinnen der Region gut mithalten konnte.

Auch Egon Bröcher, Trainer der SG Wenden und zugleich Landestrainer „Langstrecke“, wurde aufmerksam, hatte schon längere Zeit ein Auge auf sie geworfen. Besondere Überzeugungsarbeit mit der bis dato Vereinslosen war nicht erforderlich.

Ende 2012 war es so weit. Beim traditionellen Südsauerlandlauf wurde Sandra Klein als neuer SG-Zugang vorgestellt. Mit dem aufstrebenden Tim Arne Sidenstein stand sie gemeinsam auf dem Siegerpodest. Plötzlich war die zierliche, sympathische Athletin auch in den Fokus der Region gerückt – der Name „SG Wenden“ bürgt schließlich für Qualität. Und dazu hat jetzt auch die in Siegen wohnhafte Athletin gut zwei Jahre lang beitragen.

Was kommt nach der Verletzungspause? „Ich will wieder einsteigen, aber nach meinen eigenen Vorstellungen. Ich bin kein Herdentier, mehr Einzelkämpfer.“ Sie lässt sich nicht gängeln, will nicht deutschlandweit alle Wettkämpfe bestreiten. „Der pure Leistungsgedanke nimmt mir den Spaß.“

Die Familie, der Mann, die Kinder, der Beruf. All das unter einen Hut zu bringen ist schwierig. Die Übungseinheiten, wie schon zuvor, mehr autodidaktisch. Für Egon Bröcher kein Problem: „Wir diskutieren, aber ich will den mündigen Athleten.“ Und Bröcher fährt fort: „Sandra wird mit zunehmenden Alter immer besser.“ Und er verweist auf Paula Radcliffe (Weltrekordhalterin im Marathonlauf), die nach der Geburt ihres ersten Kindes fast nahtlos an ihre große Zeit anknüpfen konnte.

Bröcher betrachtet es als Kompliment an eine Mutter, die erst nach der Geburt ihrer drei Kinder zu großer Form auflief und der Frauenmannschaft der SG Wenden einen kräftigen Schub nach vorne verlieh. Allein dafür gebührt Sandra Klein großer Respekt.