Peter Hattig: Es bleibt die kritische Distanz zum Handball

Peter Hattig wurde Deutscher Meister vor 30 000 Zuschauern.
Peter Hattig wurde Deutscher Meister vor 30 000 Zuschauern.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Peter Hattig war ein erfolgreicher Handball-Nationalspieler und über Jahre eine Größe im Meisterteam des TuS Wellinghofen. Heute hat der in Kirchhundem wohnende Hattig mit dem Handball nicht mehr viel tun.

Kirchhundem..  „Die Spiele der Bundesliga, sowie der Nationalmannschaft verfolge ich nur noch punktuell vor dem Fernseher.“ So wie die Weltmeisterschaft in Katar.

„Natürlich hat der Wüstenstaat mit viel Geld fast alles möglich gemacht“, bemerkte Peter Hattig, „es war schon sensationell, wie die Gastgeber mit ihrer zusammengekauften Truppe aufgetreten sind“.

Da kommen dem früheren Wellinghofener Erinnerungen an seine aktive Zeit: „Spitzenhandball ist als attraktiver, dynamischer Kampfsport ein Zuschauermagnet. Aber er hat sich enorm professioniert und kapitalisiert. Sprung- und Wurfkraft, Schnelligkeit und das Zusammenspiel in allen Bereichen ist unüberbietbar“, bilanzierte Peter Hattig.

Hattig erfüllte seine Aufgabe sauber, fair und geschickt. Gefürchtet waren Hattigs so genannten „Rückhänder“ - eine Spezialität, die sonst keiner beherrschte. Geschicklichkeit, Fairness und sauberes Verhalten haben ihn durch sein berufliches und privates Verhalten begleitet. „ Sport ist Integration“, bemerkt der Pädagoge im Rückblick, „Sport war in meinem Leben immer eine tragende Säule.“

TV-Kommentator beim WM-Titel ‘78

Peter Hattigs Karriere begann, als er 1961 vom PSV Dortmund zum TuS Wellinghofen wechselte. Sein Bruder Fritz hatte maßgeblichen Anteil an seiner sportlichen Entwicklung. Er kommentierte 1978 den WM-Sieg von Deutschland original im ZDF. Bruder Michael war ein gefürchteter Torjäger bei Phönix Essen und TSV Rintheim in der Bundesliga. Gegen Nationalspieler Herbert Lübking und dessen Grün-Weiß Dankersen gewann der Dortmunder 1964 vor 30 000 begeisterten Zuschauern seine erste deutsche Meisterschaft.

Vor 30 000 Zuschauern

Hattig gehörte zu jenen Spielern, die bei der letzten Feldhandball -Weltmeisterschaft 1996 im österreichischen Linz das Finale gegen die DDR mit einem 16:16 den Titel sicherte. So haben sie sich den Titel des „Ewigen Weltmeisters“ gesichert. Dieses Spiel wurde vom späteren ZDF-Talkmeister und Handball-Fachmann Wim Thoelke in voller Länge übertragen. Im gleichen Jahr wurden die Ballwerfer mit dem silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet, das Innenminister Lücke überreichte.

Peter Hattig hatte zusammen mit der deutschen Nationalmannschaft großen Anteil daran, das der Handball 1972 in das Programm der olympischen Spiele aufgenommen wurde. Auf Veranlassung des damaligen NOK-Präsidenten Willi Daume wurde 1966 vor IOC-Mitgliedern ein Handball-Demonstrationsspiel absolviert. „Es wurde vor 11000 Zuschauern im Palais de Sport in Madrid ausgetragen und wir wurden begeistert gefeiert“, blickt Hattig stolz zurück.

Zielstrebig

1971 im Alter von 32 Jahren, beendete Peter Hattig seine sportliche Laufbahn. Der heute 78-Jährige widmete sich verstärkt seinem Beruf. Zielstrebig wie auf dem Parkett ging er auch hier zu Werke. Nach seinem Studium in den Vereinigten Staaten setzte er sein Studium im Münster fort. Sozialwissenschaften, Germanistik und Geschichte waren seine Fächer. Er begleitete die Position eines Studiendirektors am Städtischen Gymnasium in Lennestadt.

Soziale Projekte hat Peter Hattig während seiner beruflichen Tätigkeit regelmäßig mit getragen. So auch das Projekt der Straßenkinder in Nova Iguacu in Brasilien, das er mit dem Städtischen Gymnasium realisierte.

Beim Abschied aus seinem Berufsleben organisierte er ein Benefizspiel gegen ehemalige Nationalspieler. Bernd Munk oder auch Heiner Möller machten gerne mit. „ Das Sponsoring spielt eine immer größere Rolle“. Geblieben ist eine kritische Distanz. „In der heutigen Zeit“, so der frühere Pädagoge, „stimmt einiges nicht mehr - vor allem die inflationäre Toreflut.“ Aber dennoch Peter Hattig ist ein gradliniger Typ mit Ecken und Kanten geblieben.