Nachhilfe bei Josef E. aus H.

Stephan Grühsem ist Aufsichtsrat-Vizechef des VfL Wolfsburg. Nun spielt der VfL derzeit guten Fußball, und die VfL-Geldgeber bauen gute Autos. Unbestritten. Doch in Sachen Fußball-Historie hat sich Herr Grühsem jetzt einen Ausfallschritt geleistet, der eigentlich als verbaler Leistenbruch in besagte Historie eingeht.

Zitat: „Der VfL Wolfsburg hat mehr Tradition als der 1. FC Köln.“

Nun, lieber Herr Grühsem: Wer kannte den VfL Wolfsburg, als ein Hans Schäfer in der Weltmeistermannschaft 1954 über links stürmte und mit Fritz Walter und Helmut Rahn dafür sorgte, dass Deutschland Fußball-Weltmeister wurde?

Wo war der VfL, als uns Wolfgang Weber 1966 im Finale gegen England mit dem 2:2 im Spiel hielt? Wo, als Wolfgang Overath 1970 zum besten Mittelfeldspieler des WM-Turniers gewählt wurde und Karl-Heinz Schnellinger gegen Italien das 1:1 in letzter Minute erzielte.

Welche Rolle spielte der VfL, als Overath an der Seite Beckenbauers und Müllers 1974 die Niederländer im WM-Finale bezwang? Was leistete der VfL, als Toni Schumacher mit glänzenden Paraden unzählige Chancen der Gegner zunichte machte und sein Nachfolger Bodo Illgner an der Seite von Thomas Häßler 1990 den 3. WM-Titel holte?

Lieber Herr Grühsem: Sollte das immer noch nicht reichen, fahren Sie nach Hillmicke ins private Archiv des Fußball-Historikers und Köln-Kenners Josef Engel. Nach spätestens 90 Minuten Spielzeit nehmen Sie ihr unseliges Zitat wieder zurück. Wetten?
Josef Schmidt