Handball-Bezirksligen fallen weg

Auch der RSVE Siegen II, hier mit Ric Fedec im Spiel gegen Bösperde, könnte von der Strukturreform betroffen sein.
Auch der RSVE Siegen II, hier mit Ric Fedec im Spiel gegen Bösperde, könnte von der Strukturreform betroffen sein.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der heimische Fußball hat sie schon hinter sich, der Handball-Verband Westfalen stellt gerade die Weichen: für eine Strukturreform, die ab der Saison 2016/17 greifen soll und den Spielbetrieb entscheidend verändern wird.

Siegerland..  Konkrete Auswirkungen hat die geplante Reform vor allem für die Bezirksligen, die wegfallen sollen. Damit dürften auch die Tage der Klassenzugehörigkeit des RSVE Siegen II und des TuS Ferndorf III, die Bezirksligisten aus dem Siegerland im Männerbereich, gezählt sein - falls sie die Klasse nicht nach oben oder unten verlassen sollten.

Kernpunkt der Strukturreform ist der Wegfall der Bezirke und Bezirksligen. Das Konzept des Handball-Verbandes Westfalen (HVW) sieht vor, dass die Bezirke Nord und Süd aufgelöst werden. Der bisherige dreistufige Spielbetrieb (HVW, Bezirke und Handballkreise) wird nach dem Willen des Verbandes auf nur noch zwei Ebenen reduziert.

Kommt die „Kopf-Liga“?

Weiterhin ist geplant, dass die bisher vom Bezirk Süd organisierten sechs Bezirksligen im Männer- und Frauenbereich mit 41 bzw. 34 Mannschaften in die jeweiligen Kreise überführt werden. Das wäre in dieser Region der Kreis Lenne-Sieg. Für die Landesligen übernimmt dann ab Sommer 2016 der Verband die Verantwortung.

Anstelle der bisherigen Bezirksligen soll jeder Kreis eine „Kopf-Liga“ mit den stärksten Teams bilden. Das könnte eine Kreis-Oberliga sein. Es gibt aber auch Überlegungen, dass die Kreise in eigener Regie eine überkreisliche Spielklasse schaffen; vorausgesetzt, sie können das finanziell und organisatorisch stemmen.

„Im Ausblick auf das neue Jahr erwartet uns eine Menge Arbeit. Das neue Reizwort heißt: Strukturreform“, schreibt der im Sommer ausscheidende Vorsitzende des Handballkreises Lenne-Sieg, Fritz Korte (Eiserfeld), in seinem letzten Weihnachtsgruß in dieser Funktion an die heimischen Vereine. Korte weiter: „Hier geht es um die Abschaffung der Bezirke. Unter anderem sollen die Spielleitungen der Bezirksligen in die Kreise übergehen. Der übrige Spielbetrieb soll vom Handballverband Westfalen geleitet werden.“ Das Thema „Strukturreform“ steht auch auf der Tagesordnung einer Vereinsvertreter-Sitzung des Handballkreises Lenne-Sieg am 30. Januar im Kolpinghaus Olpe.

„Das ist ein ganz heißes Eisen“, weiß Klaus Kraß. Der 52-jährige aus Würdinghausen verfolgt die Diskussion schon lange. „Der Bezirk Süd könnte mit dem Ist-Zustand leben“, ist der Trainer der SG Attendorn-Ennest überzeugt. „Wir haben bei uns noch nicht so große Probleme.“ Deshalb warnt er auch vor einem Schnellschuss. So müsse die Auf- und Abstiegsregelung „vernünftig geregelt werden“. Den Vorteil der Reform sieht Kraß in der Stärkung der Handballkreise und attraktiven Lokalduellen.

Auch ohne die Veränderungen im Spielbetrieb könnte es für den Würdinghauser ein spannendes Jahr 2015 werden, denn Kraß wird als Nachfolger für den ausscheidenden Kreisvorsitzenden Fritz Korte gehandelt. Ausschließen will der 52-Jährige eine Kandidatur nicht: „Warten wir erst einmal ab, bis es so weit ist.“ Der Amtsinhaber jedenfalls hält Kraß für einen geeigneten Kandidaten, wie er unserer Zeitung am Rande des Verbandsliga-Spiels seines Vereins RSVE Siegen am letzten Samstag gegen die PSV Recklinghausen verriet.

Angst vor einer möglichen Dreifach-Belastung als Trainer, Schiedsrichter und Kreisvorsitzender hat Kraß nicht: „Das kann man machen, wenn man ein bisschen bekloppt ist.“ Und im besten Sinne ein Handball-Verrückter ist er ja in jedem Fall.