„Frommes Lamm“ im Vergleich zum Vater

Kirchhundem..  Martin und Marco Holterhoff gehören seit Jahr und Tag zum „Inventar“ des FC Kirchhundem.

Vater Martin war in den siebziger und achtziger Jahren Dreh- und Angelpunkt im Sturmzentrum und fast alle Höhen und Tiefen des FC Kirchhundem mitgemacht. Sein Sohn Marco ist aktueller Spielführer beim FC Kirchhundem und Träger der Nummer 10. Wir sprachen mit den beiden.

Vater-Sohn-Verhältnis

Martin: Seit Marco vier Jahre ist, fahre ich ihm immer hinterher. Ein ehrlicher und offener Meinungsaustausch ist mir besonders wichtig. Es ist auch die Grundlage für Gespräche, wenn es mal kritisch ist.
Marco: Es gibt schon verschiedene Auffassungen zum Spiel von früher und von heute. Heute ist das Spiel schneller als zu den aktiven Zeiten meines Vaters. Unterschiedliche Meinungen, auch wenn sie unangenehm sind, bringen einen nach vorne.

Vorbild

Marco: Im Jugendbereich war mein Vorbild der Franzose Zinedine Zidane und heute der Dortmunder Marco Reus. Es ist schon beeindruckend, wie er sich nach den vielen Verletzungen und dem Verpassen der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien immer heran gekämpft hat.
Martin: Ein Vorbild für mich gab es in dem Sinne keines. Gefallen ha mir die Spielweise von Johan Cruyff in seiner besten Zeit. Genial war er vor allem bei der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. Er war ein richtiger Anführer.

Trainer

Marco: Boris Jonjic hat mich im ersten Jahr bei den Senioren gefordert aber auch gefördert. Mir wurde die nötige Zeit der Entwicklung gegeben. Boris wollte aber auch schon, dass ich den Takt vorgebe. Er war ein Spielertrainer, immer anspielbar.
Martin: Manfred Fiebig, mit dem wir 1976 in die Bezirksliga aufgestiegen sind. Er war wie eine Vaterfigur für die gesamte Mannschaft, er hat sie geprägt. Horst Weiß hat dann die Arbeit von Manfred Fiebig weitergeführt. Wir hatten zu dieser Zeit eine junge Mannschaft.

Spielführer

Marco: Das Amt ist eine große Verantwortung. Man kümmert sich um viele Dinge im Hintergrund und hat einen ständigen Meinungsaustausch mit den Trainer. Wenn es nicht so richtig läuft, ist man gefordert. Es ist wichtig, dass man das Votum der Mannschaft, aber auch das Vertrauen des Trainers hat, um in schwierigen Situationen adäquat reagieren zu können.
Martin: In meiner aktiven Zeit waren es Spieler wie Elmar Grotmann, Robert Schöttes, Paul Jürgens und Peter Lönze. die Anspruch wegen Alters auf dieses Amt hatten. Somit kein Thema für mich.

Rote Karten

Marco: Meine schlimmste rote Karte habe in Oberschledorn bekommen. Ich hatte einen totalen Blackout. Es lief im Spiel nicht viel zusammen. So etwas passiert mir nicht mehr.
Martin: Ich habe zwei Rote Karten bekommen. Eine im Jugendbereich und eine im Seniorenbereich. Ich habe durch meine Spielweise als Mittelstürmer immer eingesteckt und ausgeteilt. Mein Sohn ist im Vergleich ein frommes Lamm.

Kameradschaft

Martin: Kameradschaft wurde zu meiner Zeit in der dritten Halbzeit groß geschrieben. Jeden Sonntag. Wir von der Meistermannschaft von 1976 treffen uns auch nach über 40 Jahren noch immer mit fünf bis sechs Paaren zu Geburtstagen und zum Silvester feiern.
Marco: Zu Beginn meiner Seniorenzeit habe ich noch eine gute Kameradschaft mit erlebt. Rouven Ottmann und Ralf Behle legten immer großen Wert darauf.

In der heutigen Zeit ist nichts mehr wie früher. Die Zeiten haben sich geändert, aber trotzdem gibt es noch bei uns in der Mannschaft eine dritte Halbzeit in abgespeckter Form.

Sponsoren

Martin: Damals wie heute Walter Mennekes. Spieler wie Hugo und Thomas Schmidt und Hubert Graf aus Heinsberg, Manfred Richter und Michael Färber aus Rahrbach und Jochen Mennekes aus Hofolpe waren Spieler, die wegen der sportlichen Perspektive zu uns gekommen sind. Sie haben uns sportlich weitergebracht. Alles charakterlich einwandfreie Leute.
Marco: Ohne die Unterstützung von Walter Mennekes gäbe es in Kirchhundem keine Bezirksliga.

Bernward Müller

Martin: Bernward Müller ist der Vater des FC Kirchhundem. Wer seit vierzig Jahren den Verein führt, hat Lob und Anerkennung verdient.
Marco: Bernward Müller ist immer mir Leib und Seele dabei. Er lebt für den Fußball des FC Kirchhundem.

Landesliga

Martin: In meiner aktiven Zeit gab es Angebote vom FC Lennestadt und von der Spielvereinigung Olpe. Die Wechsel ist auf Grund meiner beruflichen Tätigkeit gescheitert, denn ein kontinuierliches Training wäre nicht möglich gewesen. Die Landesliga war auf jeden Fall ein Ziel, und ich hätte es mir auch zugetraut.
Marco: Ich traue es mir auch zu, in der Landesliga zuspielen, gerne mit dem FC Kirchhundem. Vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt, auch bei einem anderen Klub.

Familie

Martin: Ohne Familie wäre es im Fußball nicht gegangen. Wenn meine Frau nicht mitgezogen hätte, wäre eine andere Sportart übrig geblieben. Sie immer mitgefahren.
Marco: Meine Eltern haben mich immer unterstützt. Mein Vater hat sich eingesetzt, dass ich mal eine Woche nach Duisburg oder Kaiserau konnte. Ohne meinen Vater hätte es keinen Fußball gegeben. Er hat nie Druck aufgebaut.