Frei vom Druck, immer gewinnen zu müssen

Kalli Menne und Franz Vetter
Kalli Menne und Franz Vetter
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Vorbereitung auf die kommende Fußball-Saison nimmt langsam Fahrt auf. Auch die A-Kreisliga-Aufsteiger, FSV Helden und SV Rahrbachtal, haben am vergangenen Samstag das Training wieder aufgenommen.

Helden/Rahrbachtal.  . Wir sprachen mit den beidem Trainern Kalli Menne (FSV Helden) und Franz Vetter (SV Rahrbachtal) über ihre Mannschaften, ihre Ziele in der Kreisliga A und Probleme im Fußball im Kreis Olpe.


Sie sind Fußballer durch und durch und haben schon viel erlebt. Was waren die schönsten Momente?
Vetter: Das kann ich so nicht sagen. Alles war schön. Die Aufstiege mit RW Lennestadt von der Bezirks- in die Oberliga waren natürlich toll. Aber genauso ist es jetzt mit den zwei Aufstiegen mit Rahrbachtal. Man kann die früheren und heutigen Zeiten nicht vergleichen
Menne: Auch ich habe mich überall sehr wohl gefühlt und tolle Sachen erlebt, wie die Aufstiege mit Elspe und Hützemert. Ich denke gerne an die Meisterschaft mit Serkenrode 2008 mit dem Relegationsspiel vor 1500 Zuschauern gegen Drolshagen zurück. Da bekomme ich immer noch eine Gänsehaut, auch wenn es mit dem Aufstieg nicht geklappt hat.


Was ist der Unterschied zu Ihrer aktiven und der Trainerzeit?
Vetter: Das kann man nur schwer miteinander vergleichen. Als Trainer erlebt man die Situation vielleicht intensiver, weil man die Verantwortung trägt.
Menne: Das stimmt. Was jetzt gegenüber meinen Anfangsjahren als Trainer vor rund 20 Jahren auch noch dazu kommt, ist der Altersunterschied. Meine Spieler sind fast alle zwischen 18 und 27. Die könnten alle meine Söhne sein. Da muss man sich völlig umstellen.


Ihre Vereine hatten in den vergangenen Jahren auch einige Durststrecken zu durchleben. 2011 stiegen beide ab. Rahrbachtal sogar in die Kreisliga C. Wie haben Sie die Mannschaften wieder flott gekriegt und worauf sind Sie besonders stolz?
Menne: In Helden wurde nach den letzten beiden Jahren Änderungen vollzogen. Dazu gehörte sicher auch der neue Trainer. Es wurde verstärkt auf die Jugend gebaut und zugesehen, dass wir Leute holen, die 100 Prozent zu Helden passen. Wichtig ist auch, dass in der Mannschaft Spieler sind, die das Team antreiben, wenn es mal nicht so läuft. Das ist bei uns Constantin Pantel. Ein Sportsmann durch und durch und ein echtes Vorbild für die Mannschaft. Ein anderes Beispiel ist David Seuthe.
Vetter: Das schafft man nicht allein, nur im Team. Man braucht Spieler, die eine Mannschaft gerade in schwierigen Situationen führen können. Ich nenne da vor allem Kapitän Dominik Apel, Ralf Ochsenfeld. Wir haben jetzt drei Jahre immer um den Aufstieg gespielt. Dass meine Mannschaft dem ewigen Druck des Gewinnen-Müssens Stand gehalten hat, da kann ich nur den Hut vor ziehen. Wichtig sind da aber auch die richtigen Leute im Umfeld wie unser sportlicher Leiter Helmut Weiskirch.


Ganz ehrlich, als Sie Ende 2011 die Anfrage erhielten, Trainer in Rahrbachtal zu werden, was haben Sie da gedacht? Da spielte der Verein ja noch in der Kreisliga C.
Vetter: Bis auf Helmut Weiskirch kannte ich da niemand und Kreisliga C ist natürlich auf den ersten Blick nicht unbedingt der Knaller. Aber dann habe ich mir mal ein paar Spiele angesehen und gemerkt, dass ein großes Potenzial in der Mannschaft vorhanden ist. Deshalb habe ich auch zugesagt, auch in der Kreisliga C zu arbeiten. Ich habe keinen einzigen Tag bereut, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Das sind Aufgaben, die ich gerne mache. Fertige Mannschaften trainieren kann jeder.
Menne: Das ist bei mir genauso. Ich bin dem Vorstand des FSV Helden sehr dankbar, dass er mir letztes Jahr die Chance gegeben hat, für so einen Verein zu arbeiten. Für die Unterstützung des Vorstands, vor allem von Martin Köper und Michael Seidel, und aller Sponsoren, Helfer und Fans möchte ich mich an dieser Stelle einmal herzlich bedanken.


2013/14 haben Sie den Aufstieg in der Relegation gegen den FC Lennestadt knapp verpasst. Was war im vergangenen Jahr, Herr Vetter?
Vetter: Das Eine völlig neue Situation. 2013/14 hatte uns als Aufsteiger keiner auf der Rechnung. Plötzlich standen wir zur Winterpause auf Platz 1. Am Schluss hat es leider nicht geklappt. Ich ärgere, ich immer noch darüber, dass ein Jahr vorher die Tordifferenz als Entscheidungskriterium abgeschafft wurde, dann wären wir schon letztes Jahr aufgestiegen. Spiele werden durch Tore entschieden und das sollte am Ende auch belohnt werden.

Vor der letzten Saison waren wir von fast allen Trainern als Aufstiegskandidat Nummer 1 gehandelt worden. Da war natürlich viel mehr Druck. Dazu kam die Enttäuschung des Nichtaufstiegs. Deshalb sind wir am Anfang nicht so aus den Puschen gekommen, hatten lange Zeit zwischen acht und zehn Punkte Rückstand auf die Aufstiegsplätze. Aber ab Oktober kam der alte Schwung zurück. Spätestens nach dem 2:0-Sieg gegen Helden waren wir wieder oben dran und optimistisch, dass es doch klappen könnte, was ja dann auch geschah.


Und wie war es bei Helden?
Unser Ziel war Platz 5. Aber dann kamen die ersten Erfolge. Nach sechs, sieben Spielen kam der Optimismus, dass man oben mitspielen könnte. Und wenn es richtig läuft, spielt man sich oft in einen Rausch.

Das mit der Tordifferenz sehe ich übrigens genauso wie Franz. Das ist ein Unding. Wenn ein paar Mannschaften das ausnutzen, dürfen die anderen deshalb nicht bestraft werden.


Was sind Ihre Ziele in der nächsten Saison und darüber hinaus?
Menne: Mein Ziel ist ein einstelliger Tabellenplatz. Wir werden gut vorbereitet in die Saison gehen und viel Spaß in der Kreisliga A haben. Wir setzen weiter auf unsere junge Mannschaft. Dazu haben wir zwei externe Spieler geholt, die voll in unser Konzept passen.

Außerdem haben wir noch einige große Talente, wie Marc Eckel. In der Mannschaft steckt großes Potenzial. Wenn sie noch ein paar Jahre zusammen bleibt, können wir noch viel von ihr erwarten.
Vetter: Ein einstelliger Platz ist auch mein Ziel. Wir setzen auf unsere junge, eingespielte Mannschaft. Das ist praktisch der verstärkte C-Liga-Kader der Saison 2012/13. Ich freue mich darauf, dass wir nach drei Jahren, in denen wir immer um den Aufstieg gespielt haben, jetzt nicht mehr den großen Druck haben, jedes Spiel gewinnen zu müssen. Das werde ich genießen.


Wer sind für Sie die Favoriten auf den Meistertitel?
Menne: Ich tippe auf die SG Serkenrode/Fretter und dann auf RW Lennestadt. Vielleicht kann auch Hillmicke ein Wort mitreden.
Vetter: Zu den Favoriten zähle ich Rüblinghausen und Serkenrode/Fretter. Mein Topfavorit aber ist Langenei/Kickenbach. Die haben sich gut verstärkt und vor allem mit Marvin Gouranis einen Top-Torjäger geholt. Meinen Geheimfavoriten nenne ich jetzt lieber nicht, sonst habe ich gleich das Glas Cola im Gesicht… (lacht).


Was ärgert Sie am Fußball im Kreis Olpe generell?
Vetter: Neben der Sache mit der Tordifferenz sind es die ewigen Änderungen. Irgendwann ist das Spiel, das ich aufgrund seiner einfachen Regeln so sehr liebe, nicht mehr meine große Liebe, weil ich es nicht mehr wiedererkenne. Dazu gehören für mich Sachen wie fliegender Wechsel oder ganz aktuell die Einführung des „Norweger-Modells“ 9 gegen 9.

Unter den ständigen Änderungen, wie der Reform der Abseits- und Handspielregel, leiden ja auch die Schiedsrichter. Ich kann Ihnen überhaupt keinen Vorwurf machen, wenn sie nicht mehr durchblicken. Ich könnte es auch nicht.
Menne: Da stimme ich Franz zu. Außerdem ärgere ich mich darüber, dass von oben immer Sachen gemacht werden, ohne mal mit den Trainern zu sprechen, die dann die Suppe auslöffeln müssen. Dazu zähle ich auch die Terminierung der Pokalspiele. Es ist jedes Jahr das Gleiche. Man hat seinen Vorbereitungsplan stehen, und dann muss man die Pokalspiele noch einbauen. Es wäre doch schön, wenn sich die Verantwortlichen mal mit uns Trainern mal zusammen setzen, und über die Probleme diskutieren würden.


Was hat Ihnen der Fußball gebracht?
Vetter: Viele Freundschaften, die seit vielen Jahrzehnten bestehen und unvergessene Erlebnisse.

Damit habe ich auch meine Jungs immer motiviert und gesagt: Von dem, was Ihr geleistet habt, werdet Ihr noch in 20 oder 30 Jahren reden, wenn Ihr Euch irgendwo mal wiederseht. So ein Erfolgserlebnis wie ein Aufstieg schweißt für immer zusammen.
Menne: Das ist bei mir auch so. Ich habe bei allen Vereinen, bei denen ich war, Freunde gewonnen. Auch wenn es bei einigen Stationen mal nicht so rund lief, sind die Freundschaften bis heute bestehen geblieben.