„Einer im Vorstand muss den Hut aufhaben“

Wiebke Schandelle und Wlfried Schauerte.
Wiebke Schandelle und Wlfried Schauerte.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Interview mit Wilfried Schauerte, 1. Vorsitzender des Kreissportbundes (KSB) Olpe, und Wiebke Schandelle, Breitensportkoordinatorin beim KSB.

Kreis Olpe.. Der Mindestlohn ist das große Thema dieser Zeit. Inwieweit ist aus Ihrer Sicht der Sport betroffen?

Wiebke Schandelle: Diejenigen, die im Rahmen der Steuerfreipauschale arbeiten, fallen schon mal raus. Die zählen als Ehrenamtliche und bekommen eine Aufwandsentschädigung. Die Übungsleiter, etwa im Reha-und Präventionssport, kriegen bis zu 20 Euro, die liegen eh über dem Mindestlohn oder sind selbstständig.

Wilfried Schauerte: Die FSJ’ler, die Buftis, fallen ebenfalls da heraus.

Welche Vereine müssen aufpassen?

Wiebke Schandelle: Schwerpunktmäßig trifft es Vereine, die etwa einen Platzwart oder einen höherklassigen Trainer unterhalten. Das ist im Breitensport weniger der Fall.
Wilfried Schauerte: Die werden dann über Nebenkosten abgerechnet. Wenn Du keinen hast, der steuerlich fit ist, kannst Du als Verein richtig reinfallen.

Gibt der KSB Hilfestellung?

Wiebke Schandelle: Ja, über das VIBSS, das Vereinsinformations-, Beratungs- und Schulungssystem. Wir haben ein Moderatoren-Team, auf das wir zurückgreifen, zum Beispiel zum Steuerrecht, zur 8,50-Euro-Geschichte. Infos gibt es auf unserer Homepage.

Das Angebot kann jede Verein in Anspruch nehmen?

Wilfried Schauerte: Ja. Kostenlos.
Wiebke Schandelle: Der Verein kann zu uns kommen mit Problemen wie Vorstands-Problemen, Vereins-Zusammenschlüssen, Auflösungen...Wir gehen da auch zu Vorstandssitzungen.

Konkret?

Wiebke Schandelle: Ein Beispiel ist der SV Würdinghausen. Dem haben wir geholfen. Die Grundschule sollte geschlossen werden, dadurch fehlte ihnen der Turnboden. Wir haben dann eine Jugendabteilung und eine Seniorenabteilung aufgebaut, einen kinderfreundlichen Verein draus gemacht. Das Ende vom Lied war, dass der Turnboden nicht geschlossen wurde.

Unter Auftragsmangel wird VIBSS nicht leiden. Probleme gibt es genug...

Wilfried Schauerte: Es gibt immer mehr Vereine, die ohne kompletten Vorstand da stehen. Rot-Weiß Hünsborn, das keinen 1. Vorsitzenden gefunden hat, ist bei weitem kein Einzelfall. Auch gibt es Vorsitzende, die nach zwei, drei Jahren erkennen: Dass ist für mich zu viel.

Wiebke Schandelle: Das ist auch ein Problem der Aufgabenverteilung. Ist erstmal jemand zum 1. Vorsitzenden gewählt, dann deckt er nach weit verbreiteter Ansicht alles ab.

Wie soll es funktionieren?
Wiebke Schandelle:

Der Vorsitzende bekommt nicht die besondere Aufgabe. Er sollte den Verein nach Außen vertreten. Intern muss er von seinen Mitarbeitern und Ressorts das einfordern, für was sie beauftragt sind.

Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Wiebke Schandelle: Jeder spricht erstmal den Vorsitzenden an.

...auch das Finanzamt...

Wiebke Schandelle: Der Steuerbescheid geht immer an den 1. Vorsitzenden. Der haftet gegenüber dem Finanzamt.
Wilfried Schauerte: Glaub’ mal ja, dass bei RW Hünsborn viele gefragt worden sind, und Rudi Halbe (Präsidiumsmitglied, d.R.) aufgeklärt hat, was auf den Kandidaten zukommt.

Etliche Vereine sind dazu übergegangen, Gremien zu bilden, statt der klassischen Vorstände. Eine gute Entwicklung?

Wiebke Schandelle: Ich denke, nein. Einer im Vorstand muss den Hut aufhaben.
Wilfried Schauerte: Ohne den klassischen 1. Vorsitzenden geht es meiner Meinung nach nicht, einer muss die Richtung vorgeben. Ich war zehn Jahren 1. Vorsitzender bei den Sportfreunden Dünschede.

...in Dünschede existiert ein solches Vorstandsgremium...

Dünschede hat vier Leute, die machen das sehr gut, das läuft da harmonisch.

Wie löst man den Mangel an Vorstandsleuten in den Vereinen?

Wiebke Schandelle: Einige Vereine nehmen die Möglichkeit wahr, Buftis einzustellen, die arbeiten 30 Stunden pro Woche und erledigen viele Verwaltungsarbeiten und sind in der Trainingspraxis einsetzbar. Wir hatten und haben beim Kreissportbund ebenfalls Buftis, zurzeit Christoph Brüser. Für den 1. September suchen wir einen Neuen. Übrigens: Im Lebenslauf macht sich ein Bufti-Jahr sehr gut.