Eindrücke, die die Augen öffnen

Olpe..  Es sind einfühlsame Gedanken, die dem Routinier Christian Begemann vom Skiclub Olpe nach dem faszinierenden Erlebnis des Ironmans in Rio de Janeiro durch den Kopf gehen.

Hinter ihm lagen 3,8 Kilometer Freistil gegen meterhohe Wellen im Südatlantik, 180 Kilometer Kampf auf dem Rad bei totaler Schwüle und eine schattenfreie Marathondistanz. Und dann das Resultat: nach 10:21 Stunden am Ziel, ein phantastischer Platz 64 unter über 1500 Finishern - doch die Hawaii-Quali um ganze 81 Sekunden verpasst.

Enttäuschung pur. „Aber egal, es lockte ja noch die Finisherparty und eine Woche Urlaub in Rio, bevor es wieder nach Deutschland gehen sollte“, schilderte Begemann sein vielleicht einprägsamstes Erlebnis seiner insgesamt 14 Eisenmänner.

Unbeantwortete Fragen

Doch die kommenden Erfahrungen sollten viel einprägsamer sein als der Wettkampf. Rio de Janeiro, die Stadt der Widersprüche, wunderschöne Frauen an der Copacabana, alle Menschen freundlich und hilfsbereit, ein schöner Ausblick von hoch oben von der Christus-Statue hinüber zum Zuckerhut oder hinunter auf die Stadt mit ihren Lagunen, Parks, Strandabschnitten und Urwäldern.

Danach die Fahrt vorbei an den Favelas, den zahllosen Elendsvierteln. Taxifahrer, die bei Kindern, die über die Straße liefen, keinerlei Anstalten machten zu bremsen. Kinder, die mit Wellpappe zugedeckt auf der Straße liegen, nur 50 Meter von der Prachtstraße Copacabanas entfernt. Begemann: „Ein kleiner Junge vorm Hotel, der einem mit seiner kalten Hand begrüßt. Wir lagen kurz darauf im Pool unserer Hotel-Dachterrasse im 13. Stock, unter uns die Copacabana, hoch über uns thronte die beleuchtete Christusstatue über der Stadt.

„Wie ungerecht ist die Verteilung auf die Menschen? Keine einzige Frage konnten wir uns beantworten,“ so Begemann.

Von Extremen fasziniert

Christian Begemann war von den Extremen fasziniert und emotionalisiert zugleich. Er ließ die letzten Stunden noch einmal unter einem ganz anderen Blickwinkel Revue passieren. „Während wir mit unseren Triathlonrädern über die schlechten Straßen ballerten, liefen immer wieder wagemutig Kinder auf die Strecke, um die aus den Flaschenhaltern ‘rausgefallenen Pullen aufzuheben.“

In den Tagen von Rio sind Begemann die Augen geöffnet geworden, dass er auf der Sonnenseite des Lebens steht: „Die Erinnerungen an den Brasilien-Trip sind die intensivsten und werden es wohl auch immer bleiben. Als gesunde und fast sorgenfreie Sportler können wir mit unserer Aktion ‚Tri-für-3‘ den Menschen helfen, die nicht einen so guten Start ins Leben oder unerwartet Probleme bekommen haben.“ Und er ergänzt, dass „wir nicht nur Spendenzusagen aus dem Kreis Olpe vorliegen haben, sondern auch aus den benachbarten Kreisen und sogar aus dem Ausland, bisher aus der Schweiz, Österreich und Italien.“

Christian Begemann: vom Fußball-Torwart in der Jugend über Taekwondo (Rot-Schwarz-Gurt 1994) zum internationalen Klasse-Triathleten mit 14 beendeten Ironmen.

Nach Rio schaffte er dann doch noch zwei Mal die Teilnahme für Hawaii. Bei der Mehrzahl seiner Wettkämpfe blieb er unter der magischen Zehn-Stunden-Grenze. Von seinen Erlebnissen weltweit könnte er wohl auch ein Buch füllen wie der zweimalige Hawaii-Triumphator Chris McCormick.