Buz: Weiter Biggesee statt Schwarzes Meer
03.02.2012 | 15:44 Uhr 2012-02-03T15:44:00+0100
Olpe.Die kurze Personalie wirkte wie eine x-beliebige Formsache: Irfan Buz verlängert. Drei Worte, die keiner Interpretation bedürfen. Normalität eben, könnte man meinen.
Wäre da nicht ein türkischer Fußball-Erstligist, der die beschauliche Idylle des Meinerzhageners kräftig durcheinander wirbelte.
Biggesee oder Schwarzes Meer? Was auf den flüchtigen Blick die Vorbereitung auf eine sommerliche Urlaubsreise sein könnte, ist in Wahrheit eine ernsthafte Frage, mit der sich die Familie Buz nächtelang befasste. Es ist erst ein paar Tage her, als der türkischer Klub Samsunspor mit sofortiger Wirkung einen neuen Co-Trainer suchte und Irfan Buz verpflichten wollte.
Ein Hammer! Ein Unding! Buz schossen tausend Dinge durch den Kopf. Blitztransfer in die Türkei? Wechsel vom Amateur- in den Profibereich? Wie reagiert die Familie?
,,Das ist die Chance meines Lebens”, bestätigte der Coach des Westfalenligisten SpVg Olpe damals im Gespräch mit unserer Zeitung.
Schnell wurde dem 44-Jährigen klar, dass es sich hierbei nicht um einen schlechten, südeuropäischen Witz handelt, denn nach dem ersten Gespräch mit einer Verbindungsperson folgten ein paar lange Telefonkontakte mit den Clubverantwortlichen sowie ein 90-Minuten-Austausch mit Trainer Wladimir Petkovic. ,,Das ging Schlag auf Schlag. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah”, berichtet der heftig Umworbene.
Die Intensität und Schnelligkeit des Vereins, der 850 Kilometer östlich von Istanbul an der Schwarzmeerküste beheimatet ist, sprachen für Buz, der ganz oben auf der Wunschliste stand. Gründe: Da ist seine fachliche Qualität, die mittlerweile weit über die NRW-Grenzen hinaus bekannt ist, da ist seine Tätigkeit als Scout für den türkischen Verband mit Vorträgen ist Istanbul und da ist der Coach, der gleich vier Sprachen spricht.
Doch Buz sagte Samsunspor ab. Biggesee statt Schwarzes Meer, entschied er mit seiner Familie. Hauptgrund war der Umstand, dass es bei den Türken in der sportlichen Führung heftigen Streit und lautes Kompetenzgerangel auf höchster Ebene gab. Der Rückzug von Buz erweist sich nun als richtige Maßnahme, denn mittlerweile wurden Trainer und Sportdirektor des Tabellenvorletzten entlassen.
Buz (,,Ich fühle mich in Olpe sehr wohl“) bleibt am Kreuzberg und geht dort in sein viertes Trainerjahr. Dass er auch drei Angebote aus der Westfalenliga ablehnte, passt ins Gesamtbild des technischen Angestellten, für den nie die finanzielle Entschädigung eine Hauptrolle spielte.
,,Wenn ich mich sportlich eine oder zwei Klassen verbessert hätte, wäre ich gegangen”, bekennt der Vater von drei Kindern, der nie einen Hehl daraus machte, dass auch er persönlich sportlich nach oben kommen will. Auch deshalb hat er sich eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag verankern lassen.
Zukunftsmusik. Zunächst zählt nur die Spielvereinigung und die aktuelle Saison. Eine Signalwirkung jedenfalls hatte das Ja-Wort des Trainers bereits, denn bis auf wenige Ausnahmen haben fast alle Spieler ihre Zusage für ein weiteres Jahr gegeben. ,,Wir haben eine extrem junge Mannschaft, die gehalten werden soll”, erklärt Buz und hofft, dass sich der Verein mit Hilfe der neuen Sponsoren künftig punktuell verstärken kann. So jedenfalls haben es die Verantwortlichen vorgesehen, wobei die Jugendarbeit nicht vernachlässigt werden soll.
Viel Arbeit am Kreuzberg, doch wer am Donnerstag das Krafttraining in der Kreissporthalle besuchte, erlebte eine Mannschaft, die ernsthaft arbeitete und mit Freude und Spaß ihrem Hobby nachging. Eine gute Basis für das große Ziel Klassenerhalt, wenngleich wieder einmal in der Rückserie ein großer Kraftakt notwendig sein wird und die Olper als Abstiegskandidat Nummer eins angesehen werden. ,,Mannschaft und Trainer sind eine Einheit”, bringt Buz aber den großen Unterschied zwischen der Spielvereinigung und vielen anderem Teams der Liga auf einen kurzen Nenner. Auch ein Verdienst des Coaches.
Und Buz selbst? Er wird seinen sportlichen Weg gehen, sind sich Kenner der Branche sicher. Irgendwann, wenn mal wieder in Meinerzhagen das Telefon klingelt…
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