Beim „Champions-League-Finale“ in Spanien hält die SG Wenden den Ball flach

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Was wir bereits wissen
Guadelajara ein klangvoller Name, der bei der älteren Generation Erinnerungen wach werden lässt an mitreißende Spiele bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko.

Wenden/Guadelajara..  Die Crossläufer der SG Wenden zieht es aber weniger in die Millionenstadt im westlichen Hochland des alten Aztekenstaates. Ihr Ziel ist vielmehr die gleichnamige Stadt nordöstlich von Madrid, mit rund 84 000 Einwohnern nur „unwesentlich“ kleiner als ihr Namensvetter. Und gegen das runde Leder treten sie ebenfalls nicht.

Aber sie treten in die großen Fußstapfen des renommierten VfB LC Friedrichshafen, wenn sie am Sonntag beim Europacup Cross Country (ECCC) für Vereinsmannschaften auf unzählige internationale Spitzenläufer aus ganz Europa treffen. Mit dem Start in Spanien hat die Läufergarde um Vereins- und Landestrainer Egon Bröcher einen weiteren Meilenstein in der Vereinsgeschichte gesetzt.

150 Läufer aus 21 Nationen am Start

Etwa 150 Läufer aus 21 Nationen Europas haben sich die Fahrkarte als nationaler Vereins-Crossmeister 2014 verdient. Die Konkurrenz ist riesig. Die Iberer aus Spanien und Portugal zählen zu den Favoriten, aber auch die klassischen Crossnationen wie England, die Niederlande oder Belgien führt Tim Arne Sidenstein als Favoriten auf „Platz 15 bis 19“ schätzt Egon Bröcher die mögliche Rangfolge ein, dem auch Sidenstein beipflichtet: „Unteres Mittelfeld.“

Rückblick. Der VfB LC Friedrichshafen wurde 2012 und 2013 Deutscher Meister im Vereinscross und machte sich daraufhin auf die Reise, um sich mit der europäischen Elite zu messen. Platz 16 (2013) und dann Platz 14 (2014) sprang für die Läufer vom Bodensee heraus. So gesehen ist die nüchterne Vereinsprognose gerechtfertigt. „Unsere Stärke ist die große Ausgeglichenheit“, weiß SG-Abteilungsleiter Kunibert Rademacher und hofft natürlich insgeheim, die Bodensee-Läufer zu übertreffen.

Bröcher hat Qual der Wahl

Einen absoluten Top-Läufer wie Friedrichshafen mit Richard Ringer, dem mehrfachen Deutschen Meister und EM-Vierten über 5000 Meter vom Vorjahr in Zürich, können die „Roten“ aus Wenden (noch?) nicht vorweisen. Aber dass sie vor allem in den langen Strecken in der Breite besser aufgestellt sind als der Club vom Schwäbischen Meer im Vorjahr, belegt ein Blick in die DLV-Bestenliste 2014. In der 10-Kilometer-Mannschaftswertung liegen zwei Teams von Egon Bröcher mit Platz 1 und 12 vor dem besten Trio aus der Zeppelinstadt (Rang 16). Und auf Platz 22 folgt noch Wenden 3.

Bei dieser Ausgeglichenheit bedeutet das fast zwangsläufig, dass Cheftrainer Bröcher die Qual der Wahl hat beim „Champions-League-Finale“ der europäischen Crosselite. Sieben Athleten werden den Flug nach Madrid am Freitag antreten. Auf den starken Ejob Solomoun muss der „Chef“ allerdings verzichten. „Am Samstag wird locker gelaufen, vor allem wollen wir die 10 Kilometer-Strecke kennenlernen“, so Bröcher, „und dann wird entschieden, welche sechs Athleten ich ins Rennen schicke.“

Start um 12.20 Uhr

Auch über die Strecke hat sich Bröcher schon informiert: „Am östlichen Stadtrand ist ein großes Sportzentrum mit Stadion und einem Park in unmittelbarer Nähe. Dort ist die Strecke abgesteckt. Ich glaube, es ist eine sehr schnelle Strecke. Pro Runde sind nur sechs Höhenmeter zu bewältigen, aber durch viele enge Kurven gibt es viele Richtungs- und somit auch viele Tempowechsel. Wahrscheinlich gibt es dann noch Strohballen oder andere Hindernisse, das müssen wir uns vor Ort noch genau anschauen. Der Start erfolgt aus vorher ausgelosten Boxen.“

Die Konkurrenz ist übermächtig. Auch wenn für jeden Verein nur ein Ausländer startberechtigt ist, dann sind dennoch sehr viele Läufer mit afrikanischen Wurzeln am Start. Aber Bange machen gilt nicht. Wenn am Sonntag um 12.20 Uhr in Guadelajara der Startschuss fällt, heißt es im fernen Wenden „Daumen drücken“ für den nationalen Vertreter im Konzert der europäischen Vereinselite – wenn „Profis gegen Amateure“ laufen, wie es Alexander Henne formulierte.