Bei Sensation in Verl winkt der SpVg Olpe Ex-Bundesligist Arminia Bielefeld

Das letzte Olper Tor im Westfalenpokal erzielte Philipp Bredebach (Bild) zum 3:1-Endstand gegen den SC Hassel.
Das letzte Olper Tor im Westfalenpokal erzielte Philipp Bredebach (Bild) zum 3:1-Endstand gegen den SC Hassel.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, lautet eine beliebte Floskel der Fußball-Branche.

Verl/Olpe..  Jetzt bekommt der Spruch eine zweite Bedeutung. Jedenfalls im Westfalenpokal-Wettbewerb, denn im Viertelfinale lautet die Begegnung: SC Verl gegen SpVg Olpe (Mittwoch, 19.30 Uhr, Tönnies-Arena). Regionalligist gegen Landesligist – und viele Freunde des Ball-Sports fragen sich verwundert: Warum muss der klassentiefere Klub reisen?

Im Allgemeinen wird vermutet, dass der unterklassige Verein Heimrecht genießt. Was den Wettbewerb aufwerten und spannender machen würde. So ist es beispielsweise bei den Pokalspielen auf Kreisebene. Im Westfalenpokal gilt diese Regelung nur in den ersten beiden Runden. Danach wird gespielt wie ausgelost. Pech für die Kleinen, Glück für die Großen.

Dass David dann bei Goliath gewinnt, dürfte wohl zu den absoluten Raritäten zählen. ,,Das Nadelöhr wird noch enger“, bemerkt Ottmar Griffel, Trainer der SpVg Olpe. ,,Es wird seit Jahren so gespielt“, sagt Alfred Link, Staffelleiter der Westfalenliga 2 und Mitglied des westfälischem Verbands-Fußball-Ausschusses (VFA).

Eine überzeugende Erklärung für diese seltsame Regelung gibt es nicht. Und so bleibt allerorten der Verdacht, dass die großen Klubs auf dem Weg in die erste DFB-Hauptrunde, für die sich die beiden westfälischen Finalisten qualifizieren, einen willkommenen Anschub genießen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der SC Verl zu Hause gegen die Spielvereinigung verliert, erscheint jedenfalls geringer, als wenn der Regionalligist in der Kreisstadt antreten müsste. Und: Der finanzielle Aspekt spielt mit, denn für den Einzug in die Hauptrunde ist jedem Klub eine Einnahme von rund 150 000 Euro sicher.

Ottmar Griffel spekuliert mit derartigen Zielen zwar nicht, aber mit Blick auf den Modus meint er: ,,Der Sportcharakter sollte etwas länger gewährleistet sein.“

Im Halbfinale wieder auswärts

Und der Coach zieht eine Parallele zu der Mittwoch-Partie in Verl und dem damit verbundenen Drei-Klassen-Unterschied: ,,Das wäre dasselbe, als wenn der SC Verl bei Bayern München antreten müsste. Dann wäre der Aufschrei riesengroß.“

Für die SpVg Olpe kommt es aufgrund der Bestimmungen knüppeldick. Denn: Sollte der Landesliga-Spitzenreiter tatsächlich in Verl die Sensation schaffen, wartet im Halbfinale der Sieger der Partie 1. FC Kaan-Marienborn gegen Arminia Bielefeld. Wahrscheinlich also die Elf von der Alm. Schlimmer noch: Olpe müsste wieder reisen – zum Tabellenführer der dritten Liga. Unglaublich, aber wahr.

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Deshalb kann die Elf vom Biggesee, die in der Meisterschaft stets in der Favoritenrolle steckt, völlig unbeschwert nach Ostwestfalen reisen. ,,Wir haben nichts zu verlieren und können nur Erfahrungen sammeln“, meint Ottmar Griffel, der mit seiner Mannschaft das Ergebnis im Rahmen halten möchte: ,,Eine Niederlage mit drei, vier Toren Unterschied wäre ein normales Ergebnis.“

Abschlusstraining auf Eis gelegt

Ins Bild der Kontraste passt, dass die Olper am Montag ihr Abschlusstraining absagen mussten. Eine zehn Zentimeter dicke Schneedecke machte am Kreuzberg alle Bemühungen zunichte. ,,Hier ist nichts möglich“, berichtete Ottmar Griffel. Von einer derartigen Witterung blieben die Verler verschont. In Ostwestfalen hatte es lediglich geregnet.

Folge: Um ihrem Hobby nachgehen zu können, müssen viele Olper Akteure einen (halben) Urlaubstag opfern, weil die Abfahrt bereits um 16 Uhr erfolgt. Hoher Aufwand für eine Lehrstunde? Irgendwo lauert ein großer Traum: Sieg beim SC Verl, Sieg bei Arminia Bielefeld, Einzug in die erste DFB-Pokalrunde – und der Pokal hätte eine neue Sensation.