Bei Kleinkes laufen die Fäden zusammen

Das Ehepaar Gerhard und Marlies Kleinke mit Tochter Susanne und den Enkelkindern Benedikt und Julius.
Das Ehepaar Gerhard und Marlies Kleinke mit Tochter Susanne und den Enkelkindern Benedikt und Julius.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Gerhard Kleinke hatte es geahnt. Seine Ehefrau Marlies war sichtlich überrascht und wollte am Samstagmorgen so früh „eigentlich gar nicht“ in die Rundturnhalle kommen. Dann hätte sie aber eine ganz persönliche Ehrung verpasst.

Attendorn..  Denn der TV Attendorn zeichnete mit dem Ehepaar Kleinke zwei Personen aus, ohne die es das Internationale Tischtennis-Neujahrsturnier in dieser Größenordnung nicht geben würde.

„Kein Mensch hätte 1985 dran gedacht, dass dieses Turnier 30 Jahre hintereinander durchgeführt und irgendwann einmal über drei Tage laufen würde“, erinnerte TVA-Vorsitzender Andreas Ufer an die Anfänge vor 30 Jahren.

Telefon klingelt pausenlos

Untrennbar verbunden mit der Geschichte eines der größten Tischtennisturniere in Nordrhein-Westfalen ist das Ehepaar Gerhard und Marlies Kleinke. „Ihr habt das Turnier mit aus der Taufe gehoben und seid in jedem Jahr dabei gewesen“, dankte Ufer den Kleinkes für so viel „Herzblut und Engagement“.

„Das war für mich die schwerste Übung in 30 Jahren“, lachte Gerhard Kleinke, als der offizielle Ehrungsteil vorbei war. „Ich halte mich viel lieber im Hintergrund“, sagte Ehefrau Marlies in gewohnter Bescheidenheit. Das Paar, das sich natürlich beim Tischtennis kennen gelernt und das „Tischtennis-Gen“ an die Kinder und Enkel weitergeben hat, war beim Neujahrsturnier von Anfang an dabei.

Spätestens vor dem zweiten Turnier 1986 liefen in der Wohnung der Kleinkes die Fäden zusammen. Weil die Anmeldungen viele Jahre per Telefon erfolgten – an das Internet dachte da noch niemand – klingelte es auch in der Weihnachtszeit pausenlos. Bis zu 1200 Ausschreibungen und Einladungen mussten verschickt werden. „Dann saßen bei uns sechs bis sieben Jugendliche. Einer klebte, einer stempelte, einer faltete. Auch alle Sachpreise wurden bei uns eingelagert. Aber das haben wir immer gerne gemacht“, sagt Marlies Kleinke.

Bis heute stapeln sich die Sachpreise und Pokale bei den Kleinkes zuhause. „Das ist unsere Aufgabe“, zeigte Gerhard Kleinke mit ein bisschen Stolz am Samstag auf den großen Tisch hinter sich mit den vielen Preisen in der Rundturnhalle. Am liebsten hätte sich der Hansestädter, der seit 60 Jahren Tischtennis spielt, nach der offiziellen Ehrung mit seiner Ehefrau vor diesem Hintergrund ablichten lassen. Aber dann ließ er sich vom Fotografen doch zu einem Bild hinter einer Tischtennisplatte überreden: zusammen mit Tochter Susanne und den Enkeln Julius und Benedikt.

Der 14-jährige Julius spielt bei den Schülern des TV Attendorn. Der jüngere Benedikt „sucht noch seinen Weg“, schmunzelte Mutter Susanne Rohrmann, seit vielen Jahren eine erfolgreiche Tischtennisspielerin und am Sonntag Siegerin der Damen-A-Klasse.

Eigentlich hätte für Gerhard Kleinke auch „mein langjähriger Weggefährte“ Roland Eggers mit aufs offizielle Ehrungsfoto gehört. Der Turnierleiter ist seit 29 Jahren dabei. Aber Eggers wusste: Diese Minuten gehören dem Ehepaar Kleinke.

Hallenwart verschläft

Erlebt haben die Kleinkes in den letzten 30 Jahren eine Menge. Da wurde ein Senioren-Weltmeister beim Neujahrsturnier disqualifiziert, weil er mit einem verbotenen Belag auf dem Schläger gespielt hatte. Einmal kamen die Organisatoren und Helfer morgens nicht in die Halle, weil der Hallenwart verschlafen hatte. Nicht vergessen hat Gerhard Kleinke auch den Eisregen vor einigen Jahren, als viele gemeldete Teilnehmer nicht kommen konnten. „Früher mussten wir die Tischtennisplatten aus Dortmund oder Essen holen. Da haben wir immer gezittert, dass der Lkw mit den Platten rechtzeitig ankommen würde. Das war schon ein Risiko. Heute gehören alle Platten dem Verein“, blickt Gerhard Kleinke zurück. An einen prominenten Spieler erinnert sich der langjährige Abteilungsleiter besonders gerne: an den Chinesen Chen Zhibin. „Der ist sieben Jahre gekommen und hat sieben Mal gewonnen“, spricht Kleinke mit Hochachtung von diesem „vorbildlichen Sportler“.

„Es war eine schöne Zeit“, hat Marlies Kleinke nichts bereut. Dabei hat sie in den letzten 30 Jahren so manche Stunde in einem „Kabäuschen“ in der Rundturnhalle verbracht und mit viel Geduld und Akribie Urkunden geschrieben. Abertausende von Urkunden.

Wird man die Kleinkes auch beim 31. Neujahrsturnier als Helfer sehen? „Das hängt viel von der Gesundheit ab“, sagt die Attendornerin. Beide gehen auf die 80 zu. Wenn man das Ehepaar Kleinke so vor sich hat, will man es nicht glauben.