Vom Sportmuffel zum Ironman

Was wir bereits wissen
Jürgen Recha war ein übergewichtiger Mann. Heute ist der gebürtige Reeser ein angesehener Sportler, der mehrere Triathlons und Marathons bestritten hat.

Kleve. Vor zehn Jahren war Jürgen Recha ein ganz anderer Mensch. Bis die Aussage eines Arztes den damals stark übergewichtigen Mann änderte. Er reduzierte drastisch sein Gewicht – und wurde Sportler. Nicht irgendeiner, nein. Im Jahr 2011 absolvierte Recha den berühmten Ironman in Frankfurt. Zuvor hatte er schon an unheimlich vielen Triathlon- und Marathonwettbewerben teilgenommen. Seine Lebensgeschichte schrieb er in dem Buch „Kämpfe für dein Ziel – Vom BMI 34,7 zum IRONMAN“ nieder, das er jetzt auch den Schwanenstädtern im Rahmen der Jubiläumswoche des Klever Laufladens Bunert vorstellte.

In geselliger Runde, zu der auch einer seiner Söhne gehörte, las er Passagen aus seinem Werk vor und untermauerte es mit Bildern von ihm aus den vergangenen Jahren sowie weiteren Erzählungen. Damals sei er ein „Morgen-wird-alles-besser-Typ“ gewesen. „Morgen fang ich an“ habe er immer gesagt und seinen Anfang mit dem Lauftraining so immer weiter hinaus geschoben. „Es sollte ja der perfekte Tag sein, um mit dem Laufen zu beginnen“, so Recha. Nur sei dieser eben nie gekommen – trotz der immer neuesten Laufsachen, die er sich extra gekauft hatte.

Im Jahr 2005 bekam er stressbedingt einen Tinnitus und wurde auch körperlich immer schwächer. „Ich war schwach, demotiviert und hatte nachts Atemaussetzer“, beschrieb Recha seine gesundheitlichen Symptome. Diese wurden von Tag zu Tag schlimmer, bis es eines Tages nicht mehr ging und er ins Krankenhaus kam.

Der behandelnde Arzt sagte ihm: „Genießen Sie die Zeit mit Ihrer Familie. Die wird nicht mehr lange andauern, denn Sie werden nicht mehr lange leben.“ Die Worte hatten bei Recha großen Eindruck hinterlassen. So jung und sich schon aufs Sterben vorbereiten – nein, das wollte er nicht. Recha erzählt mit ernster Stimme von dieser Zeit. Es war seine letzte Chance. So jedenfalls begriff er es.

Recha änderte sein Leben, begann sich für eine bewusstere Ernährung zu interessieren und zu laufen. Dazu schloss sich der gebürtige Reeser dem Lauftreff in Haldern an. „Das kann ich auch nur jedem empfehlen. Alleine machst du das einfach nicht, man braucht, um durchzuhalten, eine Gruppe“, so Recha. In drei Monaten nahm er unglaubliche 25 Kilo ab. Schnell konnte er statt der anfangs nur 500 Meter mehrere Kilometer laufen. „Gesund war das nicht. Das sollte man auch nicht nachmachen“, warnte der 48-jährige sein Publikum, das ihn trotzdem dafür sehr bewunderte. Für ihn war es eben der richtige Weg. Denn halbe Sachen macht Jürgen Recha nicht.

Als ihm ein Laufkollege vorschlug, am Bocholter Triathlon teilzunehmen, wollte er nicht einfach auf der Volksdistanz starten. Er wählte sofort die olympische Distanz und bereitete sich ein halbes Jahr lang auf diesen für ihn sportlich großen Tag vor.

„Da wollte ich einfach mit Leuten starten, die ebenfalls hart trainiert haben“, begründete er diese Entscheidung. Er schaffte sein Vorhaben im Jahr 2008, ehe er drei Jahre später die wohl härteste Tortur im Sport meisterte: den Ironman in Frankfurt. „Dream it – do it“ (zu deutsch: Träum es – mach es), habe er sich in der Vorbereitung immer gesagt und es anschließend auch konsequent durchgezogen. „Ich wollte es vor allem denen zeigen, die gesagt haben, dass ich es eh nicht schaffe“, erklärte Recha. Dabei seien diese Menschen wichtig gewesen. Denn sie waren sein größter Ansporn auf dem nicht immer einfachen Weg weg vom Sportmuffel und hin zum Ironman.