„Sport ist eine Sauerstoffdusche fürs Gehirn“

Maria Scherf aus Uedem, Triathletin mit 54 Jahren, Teilnehmerin beim Triathlon des TV Aldekerk
Maria Scherf aus Uedem, Triathletin mit 54 Jahren, Teilnehmerin beim Triathlon des TV Aldekerk
Foto: privat/sportograf
Interview mit der 54-JährigenTriathletin Maria Scherf des TV Goch, die erst vor gut einem Jahrdie Kombination aus Schwimmen, Radfahren und Laufen für sich entdeckt hat.

Maria Scherf (54) hat erst vor knapp zwei Jahren die Kombination aus Schwimmen, Radfahren und Laufen für sich entdeckt. Als „Spätzünderin“ macht sie anderen Mut, sich an die sportliche Herausforderung heranzuwagen. Morgen Nachmittag geht sie ein weiteres Mal bei einem Volkstriathlon an den Start. Am Eyler See wird diese Veranstaltung zum achten Mal ausgetragen.

Sie sind kurz vor Ihrem 55. Geburtstag zum ersten Mal beim Volkstriathlon in Aldekerk dabei. Der Triathlon ist für Sie gewissermaßen Neuland?

Maria Scherf: Mein erster Triathlon war im vergangenen Jahr in Ratingen über die Sprintdistanz, also 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen. Ich war nicht die einzige in meiner Altersklasse. Wir waren elf Frauen. Ich dachte nicht, dass es so viele positiv Verrückte in meiner Altersklasse gibt.


Wie war der erste Triathlon?

Scherf: Ich habe in meiner Altersklasse gewonnen. Eigentlich komme ich vom Laufen her, habe das aber auch relativ spät für mich entdeckt. Läuferin bin ich erst seit zehn Jahren. Vorher habe ich immer etwas Sport gemacht, Handball, ganz früher Leichtathletik und Turnen mit meinen Kindern. Früher habe ich immer gedacht: Wie kann man nur laufen, das ist doch langweilig?


Wie kam die Wende?

Scherf: Die Kinder wurden älter und selbstständiger, und ich dachte, versuche es doch mal mit dem Laufen. Das Ziel war damals, dass ich den Golddorflauf in Winnekendonk mitmachen wollte. Es ist ganz wichtig, sich ein Ziel zu setzen.


Hat es geklappt?

Scherf: Ich bin mitgelaufen und gleich anschließend nach Hause gefahren. Später kam mein Sohn und hatte meine Urkunde dabei. Ich bin Zweite in meiner Altersklasse geworden. Da dachte ich: Da geht doch was. Das nächste Ziel war dann der erste Marathon. Überall wo meine Kinder waren, ob in London, New York oder Berlin, bin ich dann Marathon gelaufen.


Was macht den Reiz dieser langen Läufe aus?
Scherf: Die Zieleinläufe sind schon sehr emotional. Ich komme immer gut an, nie abgekämpft, sondern mit einem Lächeln. Ich genieße die Atmosphäre, das ist Gänsehaut pur. Das kann man nicht beschreiben, dass muss man selbst einmal erlebt haben.
Gab es überhaupt noch Steigerungen?
Scherf: Nachdem ich erst fünf Jahre allein vor mich hintrainiert hatte, habe ich mich der Langlauf-Gemeinschaft (LLG) Kevelaer angeschlossen. Das gemeinsame Training mit den Männern hat mir noch richtig Geschwindigkeit gebracht. Mein größtes Erlebnis war die Teilnahme am Jungfrau-Marathon unter extremen Bedingungen, viele Höhenmeter und Zielankunft unterhalb der Eiger-Nordwand.


Vom Marathon zum Triathlon, wie kam es dazu?

Scherf: Das kam, als ich meinem Sohn beim Triathlon auf der olympischen Distanz (1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen) vor zwei Jahren in Düsseldorf zugeschaut habe. Als ich ihn im Rheinhafen schwimmen sah und die tolle Atmosphäre erlebt habe, hat es in mir gearbeitet. Auch wenn mein Mann mich zunächst fragte, ob ich immer noch nicht genug habe. Das half nicht, es hatte mich gepackt.


Wie sind Sie an das eigene Triathllon-Unternehmen herangegangen?

Scherf: Im vergangenen Jahr bin ich Mitglied des TV Goch geworden, der zweimal in der Woche Schwimmtraining anbietet. Das Schwimmen war für mich das Schwierigste. Ich hatte nur eine rudimentäre Technik im Kraulen. Aber in der Gruppe ist das super. Wir fahren zum Schwimmbad „Goch Ness“ nach Kessel und bringen das Wasser zum Beben.


Was hat sich ansonsten verändert?

Scherf: Seit Juni 2014 besitze ich ein Rennrad. Die damit erreichte Geschwindigkeit ist toll. Auch Radfahren mit Klickpedalen lässt sich schnell lernen. Außerdem habe ich mir meinen allerersten Neoprenanzug zugelegt.


Wie aufwendig ist das Training?
Scherf: Das Training nimmt schon ein bisschen Zeit in Anspruch. Ein Beispiel dafür, wie für mich eine Sportwoche aussieht, macht das deutlich: Montag ein Halbmarathon, Dienstag Schwimmtraining, Mittwoch Gymnastik mit dem Schwergewicht auf die Rumpfstabilisation, das hilft einem auf den langen Distanzen. Donnerstag Nordic Blading über 20 Kilometer – das ist Inlineskaten mit Langlaufstöcken, Freitag Koppeltraining aus 50 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen und Samstag Schwimmen.


Das ist viel Zeit, oder?
Scherf: Die Zeit, die man in den Sport reinsteckt, kommt einem verhältnismäßig schnell wieder zugute: durch Lebensqualität und Gesundheit. Wenn ich Sport gemacht habe, ist das wie eine Sauerstoffdusche fürs Gehirn. Danach gehe ich viel konzentrierter zurück an meine Arbeit.


Sie sind hauptberuflich zertifizierte Ernährungsberaterin. Wirkt sich das auf den Sport aus?
Scherf: Meine ganzjährig gute Ernährung unterstützt meine Leistung im Training und Wettkampf und unterstützt die Regeneration. Da bin ich mir sicher.


Wie lauten die nächsten Herausforderungen?
Scherf: Jetzt steht der Volkstriathlon in Aldekerk am Eyller See auf dem Programm. Zwei Wochen vorher bin ich beim Triathlon in Bocholt über die Sprintdistanz gestartet. Dort habe ich das erste Mal die Schwimmstrecke in einem See zurückgelegt.


Haben Sie schon mit längeren Triathlon-Distanzen beschäftigt, beispielsweise einen Iron Man?
Scherf: Ich glaube nicht, dass ich unbedingt die 180 Kilometer mit dem Fahrrad bewältigen muss, wie es beim Iron Man gefordert wird. Aber für den olympischen Triathlon in Krefeld bin ich in diesem Jahr auf jeden Fall schon einmal angemeldet.


Der Vorteil Ihres Wechsels vom Marathon zum Triathlon?
Scherf: Es ist viel gelenkschonender. Ich merke, dass es meinem Körper gut tut, gerade das Schwimmen.


Es ist also nie zu spät für den ersten Triathlon?
Scherf :Ja, ich sage, es ist nie zu spät für diesen Sport. Aber ich sage auch, ein bisschen verrückt im positiven Sinne muss man schon sein, um in diesem Alter damit zu beginnen.