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So weit die Füße tragen

21.12.2009 | 09:00 Uhr
So weit die Füße tragen

Kevelaer. Haben Sie schon Vorsätze fürs neue Jahr? Hier haben wir einen – zugegeben: nicht ganz neuen – Vorschlag: Gehen Sie doch mal öfter zu Fuß. So wie Peter Wasser oder Angelika Mölders. Sie laufen - 50, 75, 100 Kilometer. Oder gerne auch 24 Stunden.

Wir wissen, was Sie gerade tun: Sie schütteln mit dem Kopf ob des Wahnsinns. Verständlich. Aber seien Sie beruhigt. Peter Wasser ist ganz menschlich: „Es ist zwischendurch schon eine Quälerei.” Das beweisen nicht zuletzt die Füße, an denen blutige Blasen kleben und die Zehennägel einen bläulichen Schimmer erhalten haben. „Ich bin da zum Glück nicht so empfindlich”, sagt Peter Wasser von der LLG Kevelaer. „Ich bin schon mal hundert Kilometer gelaufen und habe nicht eine Blase gehabt.”

Tatkräftige Hilfe beim Kevelaerer Marathon

Nun gut, Schmerzen sind das eine, Durchhaltevermögen, genügend Puste und der Kampf gegen den inneren Schweinehund das andere. „Klar hat man auch einen Durchhänger”, sagt der Kevelaerer, der mittlerweile 60 bis 65 Ultramarathons und damit hunderte und aberhunderte Kilometer gelaufen ist. Peter Wasser weiß also, wovon er spricht. An einen Lauf erinnert er sich noch besonders gut. 70 Kilometer lief Wasser ohne Probleme. Zeit für einen guten Rat: „Jetzt bloß nicht schneller werden!” Zu spät, an der nächsten Ecke wartete bereits der Mann mit dem Hammer. „Man muss sich darauf einstellen, dass man noch lange läuft”, sagt Peter Wasser schlichtweg. Die folgenden 13 Kilometer zogen sich hin wie Kaugummi. „Später lief's wieder”, erinnert sich der Extremsportler, „und die letzten zehn Kilometer waren die schnellsten des ganzen Laufes.”

Was danach passiert, was passiert, wenn man die Ziellinie überquert, weiß Angelika Mölders. „Beim ersten Mal war ich kurz vorm Heulen”, gesteht sie. „Man realisiert erst ein paar Stunden später, was man geschafft hat. Und dann freut man sich wahnsinnig und ist einfach stolz.” Für den Moment ist die Sehnsucht nach der Grenzerfahrung dann befriedigt. Aber dann kribbelt's schon wieder in den Füßen. „Es ist eine Herausforderung, gewisse Strecken zu bewältigen”, sagt Peter Wasser nüchtern. Die Verbesserung seiner Marathonzeit hat ihm irgendwann nicht mehr das gegeben, was er suchte. Da sei ein Ultralauf eben die logische Konsequenz. Die Wege des Wassers sind eben unergründlich.

Ultramarathonläufer der Langlaufgemeinschaft Kevelaer

Seit ungefähr zehn Jahren ist Peter Wasser Ultraläufer, im Jahr 2007 lief er seinen hundertsten Marathon. Klar, dass das nicht von alleine kommt. Zweimal pro Woche trainiert er mit seinen Sportskollegen von der LLG Kevelaer im und rund ums Hüls-Stadion, dazu geht's entweder auf die Tartanbahn, um seine Schnelligkeit zu verbessern, oder vier, fünf Stunden in den Wald, um seine Ausdauer zu trainieren. Eigentlich, meint Wasser, könne jeder, der laufen kann, einen Ultramarathon absolvieren. Dazu zählt Angelika Mölders ein paar Charaktereigenschaften auf, die bei diesem Extremsport von Vorteil sein können: „Man muss beißen können”, sagt sie, „und man muss sehr diszipliniert und seinem Training treu sein.” Doch auch die 44-jährige Tischlerin ist bereits an ihre Grenzen gestoßen. In diesem Jahr schaffte sie in Köln 170 Kilometer in 26 Stunden und 30 Minuten. „Das war grenzwertig. Aber von solchen Erfahrungen zehrt man”, sagt sie. „Manchmal merkt man jeden Knochen, aber da muss man sich einfach durchquälen und sich positive Gedanken machen.” Das fällt Peter Wasser hingegen bei Stundenläufen etwas schwerer. Er ordnet sich eher in die Kategorie Landschaftsmarathoni ein. 24-Stunden nur in Runden – das hat er bisher nicht unter Wettkampfbedingungen durchgehalten. Ihm schmeckt der Gedanke an einen Transalpinlauf schon eher. Hauptsache lang, Hauptsache extrem.

Weitere Infos zur LLG gibt es unter: www.llg-kevelaer.de

Denise Ludwig

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http://www.derwesten.de/sport/lokalsport/kleve-und-region/so-weit-die-fuesse-tragen-id2296092.html
2009-12-21 09:00
Kleve und Region