Schlechtes Wetter gibt es nicht

Kevelaer..  Es stürmt draußen und Nieselregen überzieht die Fensterscheibe. Nicht die besten Voraussetzungen, um die Couch gegen einen Aufenthalt an der frischen Luft einzutauschen. Nach Plätzchenessen und Bequemlichkeit der vergangenen Festtage aber vielleicht eine sinnvolle Alternative.

Eins vorweg: Schlechtes Wetter gibt es bei Kursleiter Marcel Ernst nicht. Er bietet beim Kreissportbund ab Mitte Januar „Outdoor-Fitness“ in Kevelaer an. Wer darunter nur ein neumodisches Wort für Laufen an der frischen Luft versteht, liegt falsch. Marcel Ernst verbindet beim Freiluftsport Bewegung unterschiedlichster Art mit nützlichen Informationen rund um das Thema Gesundheit. Geeignet sind die Übungen an der frischen Luft für alle – ob Sportskanonen oder Menschen, die sich eher als „Couch-Potato“ bezeichnen würden. „Es kann jeder mitmachen, ich werde das Training anpassen“, verspricht der Kursleiter. Wer allerdings ein Auspowern bis zur Schnappatmung erwartet, der wird enttäuscht sein. „Es geht darum, bewusst Sport zu machen“, sagt Ernst.

Am besten nicht zu warm anziehen

Um seine Teilnehmer kennenzulernen, erfolgt zunächst ein kleiner, schriftlicher Gesundheitscheck. Der soll informieren, ob ein Teilnehmer etwa Knochen- und Gelenkprobleme hat oder unter hohem Blutdruck leidet. Als nächstes folgt der Kleidungscheck. „Am besten nicht zu warm anziehen“, rät der Kursleiter. Im Winter reichen eine Radlerhose, darüber die Trainingshose, ein oder zwei T-Shirts und eine Trainings- oder Fleecejacke. Nicht vergessen: Atmungsaktive und warme Sportsocken und festes, gutes Schuhwerk, weil der Weg auch schon einmal durch Matsch und Pfützen geht. Schal, Mütze oder Stirnband sind Geschmackssache, aber durchaus hilfreich. Bevor gestartet wird: Ruhepuls messen. Als nächstes schnappt sich Marcel Ernst zwei Springseile. Die Enden halten die Teilnehmer fest und laufen hintereinander her. Das Tempo wird immer wieder variiert. Es gibt eine kleine Einführung in das Lauf-ABC. „Viele wissen gar nicht, wie sie richtig laufen sollen“, erklärt der Übungsleiter. Deswegen gebe es so viele Abbrecher, die nach einigen Lauf-Versuchen über Beschwerden klagen oder einfach keine Lust mehr haben. „Oberkörper gerade und nach vorne fallen lassen und loslaufen“, lautet die Anweisung. Das sieht zunächst merkwürdig aus, sorgt aber schnell für jede Menge Tempo.

Eine Bank erweist sich als unverhofftes Fitnessgerät mitten im Wald. Mit den Händen an der oberen Lehne aufstützen und schon geht es los mit Liegestützen. Beine unter der Lehne einklemmen. Angesagt sind nun Sit-ups gegen Weihnachtsröllchen am Bauch. Zwischendurch erklärt Ernst direkt einmal die Ernährungspyramide. Schokolade und Braten gehören offensichtlich nicht zu den Grundnahrungsmitteln. Außerdem werden beim Sport Endorphine, die tollen Glückshormone, ausgeschüttet. Damit reduziere sich der Bedarf an Schokolade, prophezeit der Kursleiter.

Hopser-Lauf immer noch geeignet

Als nächstes: Eine Runde laufen, erst langsam, dann schnell. Und wieder wird der Puls gemessen. Der liegt bei 180. Das sei viel, sagt Ernst. Es oute die Teilnehmerin aber nicht unbedingt als Nicht-Sportlerin, es spielen viele verschiedene Ursachen eine Rolle.

Zum Ausklang der Hopser-Lauf. Der ist noch aus Kindertagen bekannt. „Und immer noch gut!“, betont der Kursleiter. Denn durch das Mitschwingen der Arme werde die Koordination trainiert. Zeitweilig ist nur ein Bein auf dem Boden, das trainiert den Gleichgewichtssinn.

Wieder beim Auto angekommen, will der Kursleiter wissen, ob es Spaß gemacht hat. Ja, der Weg von der Couch hat sich definitiv gelohnt. Es ist erstaunlich, was der Wald als Fitnessbude so hergibt. Und erst die frische Luft. Um den Trainingserfolg zu unterstützen gibt Kursleiter Marcel Ernst noch „Hausaufgaben“ mit auf den Weg. Sprich, das Auto nicht direkt vor der Supermarkttüre abstellen, sondern ein bisschen weiter weg. Wer im neuen Jahr den inneren Schweinehund bekämpfen möchte, sollte sich an Marcel Ernst wenden – „Outdoor-Fitness“ hält nicht nur fit, sondern macht auch viel Spaß.