Schiedsrichter sind Mangelware

Was wir bereits wissen
Im Kreis Kleve fehlen wie überall auch Unparteiische. Besonders prekär ist die Lage im Gelderland. Die Vereine überlegen, wie die Situation verbessert werden kann

Kreis Kleve. Es war ein Thema, das den Verantwortlichen im Fußballkreis Kleve/Geldern so wichtig ist, dass es auf der jüngsten Kreistagung zum Thema wurde. Im Beisein der Spitze des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) wurde deutlich, dass im Fußballkreis Kleve/Geldern ein Mangel an Schiedsrichtern herrscht. Das ist in anderen Gebieten des FVN nicht anders. Im Gelderland ist die Lage aber besonders prekär. 42 Unparteiische werden in den Vereinen von Weeze bis Herongen zuwenig gestellt. Nur drei Vereine erfüllen ihr Soll, sogar mit einem Überschuss an Unparteiischen.

Was die Lage im Gelderland so dramatisch macht: Es gibt große Nachwuchssorgen, die Holger Tripp, Vorsitzender des Kreisfußballausschusses, auf den Punkt bringt: „Auf der Kreistagung ist im Beisein der Verbandsspitze über den dramatischen Schiedsrichtermangel berichtet worden. Beim wenig später stattfinden Schiri-Lehrgang haben sich ganze zehn Leute eingefunden. Keiner kam aus dem Gelderland.“

Böse formuliert ließe sich daraus schließen, dass es den meisten Vereinen völlig egal ist, dass der Schiri-Nachwuchs ausstirbt. Das wäre aber nichtmal die halbe Wahrheit. „Wir fragen im Verein, ob sich nicht jemand vorstellen könne, Schiedsrichter zu werden“, sagt Heinz Trienekens, Fußballobmann der Sportfreunde Broekhuysen, „aber auch wenn wir noch häufiger nachfragen würden, lautet die Antwort in den meisten Fällen schon jetzt: ,Ich bin doch nicht verrückt.’’ Und so wie in Broekhuysen geht es auch anderen Vereinen. Kern des Problems, glaubt Trienekens, ist das negative Bild, das von Schiedsrichtern erzeugt würde. „Es fängt doch in der Bundesliga an. In mehreren Video-Sequenzen werden die Entscheidungen der Schiedsrichter auseinander genommen, statt zu akzeptieren, dass ein Schiri genauso wie ein Fußballer nunmal Fehler macht.“ Die Zunahme an Übergriffen auf Schiedsrichter passen für Trienekens ins Bild: „Selbst in Jugendspielen wird man als Unparteiischer doch fast schon regelmäßig erniedrigt.“

Schmackhaft machen

Trienekens’ Idee: „Es gibt ohne Zweifel auch gute Seiten am Schiedsrichter-Dasein. Ich fände es nicht schlecht, wenn prominente oder erfahrene Schiris in Vereine gingen, um dort Nachwuchsleuten den Job des Schiris schmackhaft zu machen.“

Ralf Hermens vom Kevelaerer SV nennt eine weitere Möglichkeit, für Schiedsrichter zu werben: „Wir streben an, in Schulen für das Amt eines Jungschiedsrichters zu werben.“ Der KSV ist einer der wenigen Vereine, die ihr Schiedsrichter-Soll übererfüllen und statt einer Strafe eine Belobigung erhalten. 60 Euro gibt es vom FVN dafür, dass der KSV vier Schiedsrichter mehr für den Spielbetrieb abstellt als er muss. „Von solch einer Belobigung wird man nicht reich“, sagt Hermens schmunzelnd, „aber sie ist für uns ja auch nicht der Ansporn, Schiedsrichter zu stellen.“

Beim KSV hat man das Glück, dass altgediente Schiris junge Nachwuchskräfte an die Hand nehmen können und es somit nicht an Vorbildern mangelt, ebenso wenig an Gleichgesinnten, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Wir haben mit Fritz Heckens und Jakob Jeuken zwei Schiedsrichter, die wegen ihres Alters nicht mehr selber pfeifen, aber für die jungen Kollegen sehr wichtig sind“, sagt Ralf Hermens. Dazu kommt, dass die acht Schiedsrichter des KSV, glaubt man Fußball-Seniorenobmann Jean Kamps, bestens in das Vereinsleben integriert sind: „Es mag Vereine geben, in denen die Schiedsrichter ein Grüppchen sind, das irgendwie nebenher läuft. Aber bei uns sind die Unparteiischen auch Teil unserer Mannschaften. Es geht doch beispielsweise auf einer Adventsfeier nicht, die Schiris nicht einzuladen.“

Strafe zahlen

In manchen Vereinen sind die Unparteiischen aber Einzelkämpfer, die durchaus auch im Klub den Rückhalt vermissen, den sie für ihre Tätigkeit bräuchten. Und sogar selbst für ihre Ausrüstung aufkommen müssen. „Das wäre bei uns undenkbar“, sagt KSV-Mann Ralf Hermens.

Er sieht die etwa 800 Euro, die der Verein für die Materialien der acht Schiedsrichter aufwenden muss, gut investiert. Auch Broekhuysens Fußballobmann Heinz Trienekens verspricht: „Ich würde lieber 600 Euro in die Arbeit von vereinseigenen Schiedsrichtern investieren, als sie als Strafe an den Verband zu zahlen.“