„Rheinwacht 1,5“ – Herbstmeister nach souveräner Hinserie

Bedburg-Hau..  Die Saison begann für die Fußballer von Rheinwacht Erfgen alles andere als gut. Zum Stichtag 1. Juli flatterten so viele Abmeldungen ein, dass Erfgen auf den Startplatz in der Kreisliga A verzichten musste. Dabei hatte Trainer Norman Lousée von mehreren Spielern eine mündliche Zusage für die Saison 2014/15.

Lousée war dementsprechend enttäuscht, ärgerte sich über den Umstand, dass bei vorheriger Ankündigung der Transfers zumindest ein Start in der Kreisliga B möglich gewesen wäre. „Dann hätte man nicht noch ein Jahr in der C-Liga verbringen müssen“, merkte Norman Lousée an. Denn durch das Abmelden der 1. Mannschaft trat der Trainer mit dem Rest seiner Truppe als Rheinwacht Erfgen II in der Kreisliga C, Gruppe 2, an.

Die somit stark verstärkte Rheinwacht-Reserve, sozusagen „Erfgen 1,5“, holte sich zum Jahresende die Herbstmeisterschaft in eindrucksvoller Weise. Mit 14 Siegen in 14 Spielen holten Norman Lousée und seine Mannen die maximal mögliche Ausbeute von 42 Punkten. Lousée verhehlt seine Freude über den Hinrunden-Titel nicht: „Natürlich sind wir zufrieden.“ Auch kritische Stimmen schmälern die Freude über die starke Hinserie nicht. Lousée: „Vereinzelt hat man uns gefragt, was das denn solle, was wir in der C-Liga machen. Wir hätten doch mit dieser Mannschaft in der A-Liga spielen können.“

Aber zum Saisonbeginn konnte noch keiner ahnen, wie gut sich die Mannschaft um das halbe Dutzend aus der alten Kreisliga-A-Truppe mit Spielern der „alten“ Zweiten und fünf A-Jugendlichen präsentieren würde. Heute weiß Trainer Norman Lousée: „Wir haben eine Mannschaft geformt, die mit viel Spaß in jedes Spiel geht. Dass sie als Einheit funktioniert, war keine Selbstverständlichkeit.“

Zwei Spielklassen tiefer als ursprünglich zum Saisonstart geplant geht es naturgemäß anders zu Werke. Aber nicht alles ist für A-Liga-Spieler in der Kreisliga C einfacher, versichert Lousée: „Wir mussten uns an mehrere Dinge gewöhnen. Zunächst einmal daran, dass wir jedes Spiel selbst gestalten mussten. Jeder Gegner stellte sich in die Defensive und wollte Gegentore verhindern – dabei waren wir doch selber auf Konterspiel gepolt.“ Auch das Zweikampfverhalten ist ein anderes, weiß Lousée: „In der C-Liga wird man schneller einmal gefoult, ob absichtlich oder nicht. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Spieler nicht schnell genug sind.“

Insgeheim rechnet Erfgens Trainer in der Rückrunde mit der ersten Niederlage. „Ich sehe in der Liga eine Mannschaft, die uns sicher schlagen kann. Ich werde aber nicht sagen, welche, denn dann werden sich die Spieler zu sehr auf diese Partie fixieren.“

Es gelte, zu jedem Spiel hochkonzentriert zu sein, betont Lousée. „Es gab ein Spiel, mit dem ich nicht vollends zufrieden war. Gegen Asperden wäre es fast zu einem Punktverlust gekommen (Erfgen gewann 2:1, Anm. d. Red.). In der Regel haben wir aber gerade gegen die anderen Aufstiegsaspiranten unsere besten Spiele gezeigt.“ Die Siegesserie soll in der Rückrunde fortgesetzt werden. Dass noch irgendwer den Aufstieg verhindern könnte, glaubt wohl keiner. „Wir sehen die gesamte Saison als Vorbereitung auf die Kreisliga B“, sagt Lousée. „Daher ist es auch schön und wichtig für uns, dass kein Gegner die Spiele gegen uns abschenkt, weil die Gefahr besteht, von uns abgeschossen zu werden.“ Bislang hat mit dem Schlusslicht Grieth nur ein Team auf ein Duell mit „Erfgen 1,5“ verzichtet.

Lousée findet, dass sein aktuelles Team zukunftsfähig ist. „Wir haben einen Altersdurchschnitt von etwas mehr als 20 Jahren. Damit schadet es auch nicht, wenn wir erst in zweieinhalb Jahren in der Kreisliga A spielen.“ Sagt er, wohl wissend, dass dieser Weg noch lang ist.