Mit dem FC Bayern in Doha

Foto: Firo
Was wir bereits wissen
Durch eine Aktion bekam Kleves RP-Sportmitarbeiter Tobias Budde die Chance, mehr als eine Woche mit dem FC Bayern in die Wüste zum Trainingslager zu fliegen. Ein Erfahrungsbericht.

Kleve/Doha..  Es ist der 23. Dezember 2014. Früher Nachmittag. Vorweihnachtliches Entspannen mit ein paar Freunden. Als ich die Rückreise antreten und ins Auto einsteigen will, bimmelt mein Telefon. „Herr Budde, Sie haben’s geschafft! Sie fliegen mit dem FC Bayern ins Trainingscamp nach Katar.“ Mein Mund bleibt offen stehen, ich kann es gar nicht glauben.

Rückblick: Der „Kicker“ und Volkswagen schreiben ein Gewinnspiel aus, bei dem man als Fan-Reporter mit dem FCB oder Ligakonkurrent Wolfsburg mitfliegen darf. Teilnehmer sollen ein Video drehen, in dem sie darstellen, warum gerade sie dafür geeignet sind. Einsendeschluss ist der 22. Dezember. Der Tag, an dem ich teilgenommen habe. Auf den letzten Drücker noch schnell ein Clip mit Hilfe der „Selfie-Kamera“ meines Smartphones erstellt, abgeschickt – und hoffen.

Rund 24 Stunden später dann der Anruf. Kann es ein schöneres Geschenk geben? Vermutlich nicht. Am 9. Januar ging es dann los. Vorfreude war im Gepäck, aber auch Ungewissheit. Vorweg: Alle Erwartungen wurden weit übertroffen. Mit den Bayern-Stars im selben Flugzeug hob ich ab in Richtung des Persischen Golfs. Der Flug ins Glück. In Katar angekommen, bezog ich mein Zimmer, Luxusausstattung. Ich residierte förmlich königlich, speiste majestätisch, wohnte im selben Gebäude wie die Delegation des deutschen Rekordmeisters.

Doch habe ich die Reise ja nicht gewonnen, um mir die Sonne auf mein Haupt scheinen zu lassen. Nein, es sollte gearbeitet werden. Und ich wollte arbeiten. Unbedingt. Mein tägliches Brot waren die zwei Trainingseinheiten der Münchner sowie eine Presserunde mit ein oder zwei Gesprächspartnern. Das Geschehene wurde dann in Text-, Bild- oder Videoformat verarbeitet, wobei ich besonders am letzteren Gefallen fand. Unterstützt wurde ich von je einem Kollegen des Kicker sowie von VW und teilte mir die anfallenden Aufgaben mit Lukas, einem weiteren Gewinner des Fan-Reporter-Jobs.

Unterhaltung mit WM-Held

Der Fokus lag aber bei der Themenauswahl insbesondere auf Geschichten und Personen abseits des Rasens. Verrückte Fans, ein Winzer in der Allianz-Arena, Gespräche mit den Kovac-Brüdern Niko und Robert ebenso wie mit Bayerns Pressechef Markus Hörwick. Obendrein durfte ich Teil einer anlaufenden Werbekampagne von Volkswagen sein, die sich vorrangig mit dem Thema Musik und Fußball beschäftigt. Passend zu den aktuellen Modellen „Club & Lounge“. Hierzu wurde die geballte Fußball-Prominenz beispielsweise zu ihren Lieblingsliedern, dem Kabinen-DJ oder dem Geschmack der Kollegen befragt.

Ich führte in diesem Rahmen Interviews mit David Alaba, Claudio Pizarro, Bastian Schweinsteiger, Dante und Robert Lewandowski. Besonderes Praliné: eine abwechslungsreiche Unterhaltung mit einem gut aufgelegten Mario Götze, Deutschlands WM-Held, der auch nach dem Training auf mich zukam und sich nach meinem Wohlbefinden erkundigte. Von Hochnäsigkeit bei keinem Spieler eine Spur. Flachsen mit „Schweini“ im Aufzug, der von meiner Bayern-Handyhülle sehr angetan war. Necken und lachen mit Thomas Müller, der mir zurief: „Kannst du deine Fragen mal ein bisschen leiser stellen?“. Und Smalltalk mit Flügelflitzer Arjen Robben – wie es sich gehört, natürlich in meinem besten gebrochenen Schul-Niederländisch. Er scheint sich aber gefreut zu haben, denn im Süden Deutschlands wird es wohl doch eher eine Rarität sein. Ich war und bin nach wie vor beeindruckt von der Echtheit und Natürlichkeit dieser Fußballer.

Am Flughafen in Riad, Saudi-Arabien, wo der FC Bayern am vergangenen Samstag noch ein Testspiel gegen Al-Hilal bestritt, durchblätterte ich zusammen mit Trainer Pep Guardiola ein Buch über die Weltmeisterschaft in Brasilien. Ebenfalls ein Schmankerl: In einer wahnsinnig futuristischen Halle konnte ich das Handball-WM-Spiel zwischen Deutschland und Polen live aus der VIP-Lounge verfolgen – mit Matthias Sammer, Manuel Neuer und Co. Da ich diese Sportart selber ausübe, hat es schon in den Händen gekribbelt.

Fan-Euphorie in der Wüste

In einem unglaublich gastfreundlichen, aber mir bis dato unbekannten Land konnte ich viele nette Kontakte knüpfen, erlebte Fan-Euphorie mitten in der Wüste und hatte Einblicke hinter die Kulissen von Deutschlands bestem Fußballverein. Egal, ob man Bayern-Fan ist oder nicht: Dort arbeiten nur Profis – auf und neben dem Platz. Das muss man einfach anerkennen. Der materielle Gewinn dieses Traum-Trips war hoch, aber das Ausmaß des ideellen Wertes ist gar nicht in Worte zu fassen. Mein gelebter Traum in Doha.