Merkur vergessen – Anlagen  verkommen

Nicht nur die Halle auf dem Gelände des VfL Merkur ist in einem erbärmlichen Zustand. Auch der Platz weist erhebliche Mängel auf. Nach Regenschauern ist die Laufbahn oft überschwemmt und nicht nutzbar
Nicht nur die Halle auf dem Gelände des VfL Merkur ist in einem erbärmlichen Zustand. Auch der Platz weist erhebliche Mängel auf. Nach Regenschauern ist die Laufbahn oft überschwemmt und nicht nutzbar
Was wir bereits wissen
Seit sieben Jahren wird über den Umzug des größten Klever Sportvereins von der Flutstraße zum Hoffmann-Stadion diskutiert. Bislang ohne konkretes Ergebnis. Klubs sehen erheblichen Sanierungsbedarf

Kleve. Die Turnhalle des VfL Merkur Kleve an der Flutstraße hat viel Charme und wenig Dämmung. Eigentlich so gut wie gar keine. Der Bau stammt aus den 50er Jahren. Im Juni wird der 1895 gegründete Verein 120 Jahre alt. Mit 1050 Mitgliedern ist der VfL Merkur der größte Sportverein der Stadt.

Die Anlage der Merkurianer in der Unterstadt ist in einem miserablen Zustand. Die Aschenbahn, auf der einst bedeutende Sportfeste ausgerichtet wurden, genügt den heutigen Ansprüchen nicht. Selbst bei geringem Niederschlag müssen Trainingseinheiten in die Halle verlegt werden. „Was wir unseren Mitgliedern an Sportstätten anbieten müssen, ist nicht zeitgemäß“, sagt Dietmar Eisel, 1. Vorsitzender.

Die Turnhalle verschlingt jährlich 10 000 Euro Energiekosten. Anträge bei der Stadt für Sanierungsarbeiten wurden regelmäßig mit dem Hinweis „lohnt nicht mehr“ abgelehnt. Grund dafür, so Eisel, sei der geplante Umzug des Vereins von der Flutstraße in die Oberstadt zum Gustav-Hoffmann-Stadion. Doch wird seit knapp sieben Jahren über die Verlagerung diskutiert und noch ist kein Umzugskarton gepackt.

Angebot für Hochschulsport

Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer hatte im November 2012 verkündet, dass zwei Millionen Euro für den Turnhallenbau im Haushalt der Stadt Kleve eingeplant sind. Baubeginn werde 2013 sein, die Halle solle 2014 fertig werden, so Rauer vor zweieinhalb Jahren.

In der jüngsten Ratssitzung wies die Verwaltung darauf hin, dass man die Vorstellungen des Vereins in die Planungen einarbeiten wolle.

Dietmar Eisel überrascht die Aussage. er erklärt Anfang der Woche: „Wir haben zum letzten Mal vor einem halben Jahr miteinander gesprochen.“ Planungen kennt Eisel nicht. „Uns liegt nichts vor. Wir sind bitter enttäuscht, wie man mit uns umgeht. Das Vorgehen der Verwaltung ist desillusionierend. Wir haben vor drei Jahren auf unserer Mitgliederversammlung über den Umzug abgestimmt. Passiert ist so gut wie nichts“, sagt der Vorsitzende am Dienstag. Eisel betont, dass der VfL Merkur auch im Hinblick auf die Hochschule eine wichtige Funktion inne habe und sagt: „Wir bieten extra Hochschulsport an. Eine Aufgabe, die wir übernommen haben, auch wenn’s nicht zwangsläufig unser Job ist.“

Die Verwaltung hatte in der Ratssitzung am 29. April ausgeführt, man befände sich in Abstimmung mit dem Verein. Zu dem Zeitpunkt, so betont Eisel, lag dem Verein nichts vor. Erst am 6. Mai traf ein Umschlag aus dem Rathaus auf der VfL-Geschäftsstelle ein.

Da für den Verein nicht abzusehen ist, wann oder vielleicht sogar ob der Umzug stattfindet, hat man wieder einen Antrag auf Sanierung der Merkur-Turnhalle gestellt. Doch ist der VfL Merkur längst nicht der einzige Sportverein, der den Zustand seiner Anlagen bemängelt.

Beim SV Siegfried Materborn fallen seit Jahren Trainingseinheiten und Spiele aus. „Wir müssen unsere Plätze regelmäßig sperren, damit sie nicht noch schlechter werden“, sagt Geschäftsführer Helmut Jaspers. Allein 300 Nachwuchsspieler hat der Verein. 2012 hatten Mitarbeiter der Deutschen Sporthochschule Köln einen Sportentwicklungsplan für die Stadt erarbeitet, der vier Sportzentren vorsah (1. FC Kleve / VfL Merkur Kleve; Unterstadt; Oberstadt, Düffelt). Das Sportzentrum Oberstadt hätte für die Vereine Siegfried Materborn und SSV Reichswalde am Forsthaus (hinter der Straßenmeisterei) entstehen sollen. „Da glaub ich nicht mehr dran und auch bei der Stadt wohl niemand mehr“, sagt Jaspers.

Sabine Bötcher ist Vorsitzende des sportlichen Aushängeschilds der Schwanenstadt. Beim Tischtennisverein WRW Kleve, an Tradition ebenso reich wie an Erfolgen, löst der Zustand der Trainings- und Spielorte keine Begeisterung aus. „Die Halle am Mittelweg ist, Entschuldigung, ein Drecksstall. In der dahinterliegenden Sporthalle reicht die Lichtstärke nicht. Wenn da ein Gegner Protest einlegt, verlieren wir jedes Spiel.“

Bötcher ärgert sich auch, dass man keine Großveranstaltungen nach Kleve holen kann, ohne sich zu blamieren. „Wir haben zuletzt die Bundesrangliste in der Kellener Halle ausgerichtet. Die Lautsprecheranlage funktionierte nicht, es gibt zwei Toiletten für 500 Zuschauer, der Eingangsbereich ist indiskutabel. Da empfängt man keine Gäste aus ganz Deutschland. Für Kleve ist dies keine Werbung.“

Bötcher fordert, dass es zumindest eine Großraumhalle in gutem Zustand geben müsse. Sie sagt: „Wenn ich höre, dass für Merkur wieder nur eine Einfachhalle geplant wird, da komme ich nicht mehr mit.“