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Leichtathletik

LLG Marathon: Mehr als nur ein Trainingslauf

06.01.2013 | 22:00 Uhr
LLG Marathon: Mehr als nur ein Trainingslauf
Erstmalig wurde der LLG Kevelaer-Marathon am Sportplatz der DJK Twisteden ausgerichtet. Sebastiaan Francke (Startnummer 335 im blauen Shirt) wurde nach 2:49:29 Stunden Zweiter.Foto: Thorsten Lindekamp

Kevelaer.   Trotz vieler Neuheiten wahren die Kevelaerer Athleten das familiäre Flair am Rundkurs.

Es gibt wenige Läufe, die binnen kurzer Zeit so viele Wandel durchlebt haben. Zunächst war da der Verlust des Honigkuchenmannes, quasi des Maskottchens und Namensgebers. Nach zehn Jahren hat sich nun sogar der Austragungsort geändert. Von der Schravelschen Heide in Kevelaer ging’s zum Sportplatz der DJK Twisteden. Und trotz dieser Änderungen bleibt das einzigartige, familiäre Flair erhalten. Die Rede ist vom LLG-Kevelaer Marathon, der gestern seine 11. Auflage feierte.

Zeit für eine Veränderung

„Das Jubiläum im Vorjahr haben wir dazu genutzt, um jetzt den Ausrichtungsort zu wechseln“, so Volker Wasser, Vorsitzender des LLG. Zwar fiel der Abschied von der Jugendherberge an der Schravelschen Heide nicht leicht, doch gab es zu viele Kleinigkeiten, die dort nicht stimmten und nicht verbessert werden konnten. „Es gab zu wenige Parkplätze, Duschen und Umkleiden. So ging es immer etwas chaotisch zu“, gestand Wasser. Dazu kamen die unbefestigten Wege, die je nach Witterung hart gefroren oder matschig waren. Alles in allem war es Zeit für eine Veränderung.

Nun, mit dem Sportplatz der DJK Twisteden und dem Tennisverein TC Eintracht Twisteden hat sich bis auf den Ort allerdings kaum etwas gravierend geändert. Lediglich der Komfort ist gewachsen: Die Damen nutzen die Umkleiden des Tennisclubs, die Herren die, der DJK. „So können wir allen Startern genügend Platz bieten“, so Wasser, der unverkennbar im blauen LLG-Shirt unterwegs war, weiter.

Auch ein großer Vorteil an der neuen Strecke: Die Wege sind asphaltiert und breiter. So sind sie wetterunabhängig passierbar und das Besondere geht nicht verloren: Bei der LLG läuft man sieben Runden á sechs Kilometer und es gibt einen Wendehammer. So kommen sich die Läufer entgegen, können sich grüßen oder auch klagen, „ich schaff dat nich!“ rief jemand verzweifelt. Doch damit die Motivation nicht – im wahrsten Sinne – auf der Strecke bleibt, sorgte Moderator Laurenz Thissen immer wieder für Ansporn. Des Weiteren gibt es durch die neue Strecke kein Teilnehmerlimit mehr, konnten in den Vorjahren lediglich 333 Starter auf den Rundkurs gehen, so waren es gestern 412.

Urgesteine und Nationalstarter

In Sachen Starterfeld musste sich die LLG auch in diesem Jahr nicht verstecken. Lokale Größen wie Karl Graf (Alemannia Pfalzdorf), Manfred Schax (Viktoria Winnekendonk) sowie Erika Schoofs und Werner van Dongen (beide TSV Weeze) fehlten ebenso wenig wie die Urgesteine der Marathon-Szene. Sigrid Eichner (100 Marathon Club) ist die Frau mit den meisten Marathons in den Beinen – stolze 1742 mal nahm sie sich die 42,195 Kilometer vor. Ihr männliches Pendant, Horst Preisler (LAV Hamburg-Nord), war ebenfalls vor Ort. Er lief die Langstrecke alleine im vergangenen Jahr 45 Mal.

In Sachen Tempo waren zwei Starter ziemlich schnell Favoriten: Sebastiaan Francke (Solinger LC) und Beneditk Strätling (Adler Langlauf Bottrop) setzten sich über das Rennen hinweg schnell als Spitzenduo ab. Während der ersten sechs Runden blieben sie beisammen, wechselten sich ab, um sich Windschatten zu spenden. Doch in Runde sieben legte Strätling plötzlich den Turbo ein und bewies, warum er im vergangenen Jahr Deutscher Meister im 100 Kilometerlauf wurde. Mit großen Schritten spurtete der gebürtige Südkoreaner (durch eine Adoption besitzt er die deutsche Staatsbürgerschaft), der in Bocholt aufwuchs, Richtung Sieg. Nach 2:46,16 Minuten überquerte er die Ziellinie, lediglich ein paar Schweißtropfen auf der Stirn, ansonsten top fit. „Die Strecke ist klasse zu laufen, da sie zu hundert Prozent asphaltiert ist. Das macht sie sehr schnell“, so der M45-Mann, der jüngst in die Deutsche Nationalmannschaft berufen wurde, um – jetzt kommt das Paradoxon – bei den Weltmeisterschaften in Südkorea (seiner Heimat) zu starten. Jedoch für Deutschland.

„Das macht mich sehr stolz und ich trainiere sehr hart dafür“, so Strätling. Zwei mal am Tag läuft er, sodass er in der Woche zwischen 100 und 200 Kilometern in den Beinen hat. Sein nächstes Ziel ist der 50 Kilometer Ultramarathon des RTL Rodgau, „dafür war der heutige Marathon eine Trainingseinheit“. Und der LLG Kevelaer kann stolz sein, einem Nationalathleten eine schöne Trainingseinheit geboten zu haben.

Judith Kerkhoff



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