Jana Freund – eine Pferdeversteherin

An der Seite von Jana Freund ist Cassiopaya, die war letztes Jahr mit auf der Weltmeisterschaft. Heute entscheidet sich ob „Bodyguard“ sich für die WM der jungen Dressurpferde qualifiziert.
An der Seite von Jana Freund ist Cassiopaya, die war letztes Jahr mit auf der Weltmeisterschaft. Heute entscheidet sich ob „Bodyguard“ sich für die WM der jungen Dressurpferde qualifiziert.
Foto: Markus van Offern
Was wir bereits wissen
Die 35-Jährige Dressurreiterin ist in Weeze zu Hause, verfügt über viel Erfahrung und strebt erneut in den Bundeskader.

Weeze..  Wer Jana Freund sucht, der wird sie bei den Pferden finden. Die 35-Jährige sitzt fest im Sattel, unter sich einen sehr lebhaften „Lord Nunes“. „Das ist unsere Zukunft“, sagt die Pferdewirtin. Sie weiß genau, wovon sie spricht. Mit dem Vater von „Lord Nunes“, mit „Lord Loxley“, wurde sie 2004 Vize-Weltmeisterin bei den jungen Pferden. Jana Freund ist viel mehr als nur eine gelernte Pferdwirtschaftsmeisterin bei Wilbers in Weeze. Sie ist die erfolgreichste Bundes-Championatsreiterin.

Heute geht es für die Dessurreiterin in den Olympiastützpunkt nach Warendorf. Dort wartet auf sie die zweite Sichtung mit ihrem Pferd „Bodyguard“. Das Ziel ist die Teilnahme an der Weltmeisterschaft der jungen Pferde.

Kein eigenes Pferd

Aber es sind weniger die Schleifen, die sie interessieren. Jana Freund kann sich ein Leben ohne Pferde einfach nicht vorstellen. Die Erfolge, das sind die Früchte ihrer Arbeit. Ein eigenes Pferd hat die ambitionierte Reiterin und Pferdewirtschaftsmeisterin übrigens aktuell nicht. „Erst einmal brauchen wir den Platz für die Kinder“, sagt Freund. Die Kinder, das sind der zweijährige Henry und die fast fünf Monate alte Marie. Angst vor Pferden kennen beide nicht.

Bei Jana Freund selbst ist die Liebe zum Reiten nicht familiär vorgeprägt. Mit zehn Jahren habe sie erst angefangen, sagt sie. Mit ihren Eltern kam sie kurz vor der Maueröffnung aus dem Osten nach Krefeld, in die Nähe von Heiner Schiergen. „Ich habe immer den ganzen Tag an der Bande gestanden. Dann bekam ich meine ersten Pflegepferde.“

Sie erzählt davon, wie stolz sie war, wenn sie ein Pferd trocken reiten durfte. Ab und zu war auch ein S-Pferd darunter, eines, das erfolgreich an Turnieren teilnahm. „Heiner hat gemerkt, dass mehr in mir steckt“, sagt Freund. Und sie wollte den Weg gehen. „Ich wollte immer reiten“, sagt die zweifache Mutter, die für den RV St. Georg Kevelaer startet. Den Schulweg schlug sie konsequent ein, sagte früh, dass nach der zehnten Klasse Schluss sei und sie die Ausbildung zur Pferdewirtschaftsmeisterin machen möchte. Mit 13 Jahren kam sie auf den Hof von „Juppi“ Wilbers nach Weeze. 22 Jahre ist das her, und es ist so etwas wie ihre Familie.

Während sie den temperamentvollen „Lord Nunes“ einreitet, wirft ihr Chef ein Auge auf Henry. Mit ihrer Familie, ihrem Mann Mathias Voss und den beiden Kindern, wohnt sie nur 500 Meter von der Arbeit entfernt. „Ein Glücksfall“, sagt Freund und fügt lachend hinzu: „Heiner frage ich immer noch, wenn einer zu groß für mich ist.“ Es mache bei einigen Pferden schon einen Unterschied, ob sie mit ihren 1,60 Metern im Sattel Platz nehme oder jemand mit längeren Beinen. Dabei wird ihr nachgesagt, dass die schwierigen Pferde genau ihr Ding sind. Die Pferdefachwirtin drückt es so aus: „Man muss den Pferden den Willen lassen. Dann haben sie auch Spaß bei der Arbeit.“ Ihr Rezept, auch temperamentvolle Gemüter dazu zu bewegen, das zu tun, was sie möchte, klingt recht simpel. „Ruhe und Konsequenz, das ist der Schlüssel zur Ausbildung“, sagt sie.

Titel sind ein Aushängeschild

Die Chancen für Bodyguard bei der heutigen Sichtung sieht sie als durchaus gut an. Sie wird ihn der Jury vorführen und dann auf deren Urteil warten müssen. „Je mehr Prüfungserfahrung ein Reiter hat, desto mehr hilft das auch den jungen Pferden“, sagt die 35-Jährige. Wer sie in ihrer ruhigen, aber beharrlichen Art beobachtet, der bekommt ein Gespür dafür, warum sich Pferde bei ihr sicher fühlen.

Für die Pferde seien die Titel wichtig. „Gerade für Jungpferde sind sie ein Aushängeschild“, weiß die erfahrene Reiterin. „Die Pferde, die ins Finale kommen, das sind wirklich Ausnahmepferde. Aber ich behandele sie deswegen nicht anders“, betont Freund. „Das Bundeschampionat ist eine solche Stufe der Ausbildung.“ Und ein bisschen juckt es ihr selbst in den Fingern. „Es wäre schon schön, wieder im Bundeskader zu starten“, sagt Freund, bevor sie sich auf den Weg nach Warendorf macht.

Aber das Wichtigste ist und bleibt die Zeit mit den Pferden.