Handicap-Kids mit Freude bei der Sache

Freundschaftliches Abklatschen nach dem sportlichen Duell: die Teams der Alemannia Pfalzdorf und des SV Oppum.
Freundschaftliches Abklatschen nach dem sportlichen Duell: die Teams der Alemannia Pfalzdorf und des SV Oppum.
Foto: Evers, Gottfried

Goch..  Wenn Achim Hahn seine Handicap-Kids strahlen sieht, ist er glücklich. Am vergangenen Samstag hatte er dazu wieder allen Grund, denn seine U16-Handicap-Kids-Mannschaft der Alemannia Pfalzdorf, die Hahn als Trainer betreut, bestritt ihr letztes Saisonturnier der vor einem Jahr neugegründeten Inklusionsliga des Fußballverbandes Niederrhein, auch Handicap-Liga genannt, für Kinder mit und ohne Behinderungen auf dem heimischen Gocher Berg.

Mannschaften unter anderem aus Hamborn, Datteln, Solingen, Mülheim sowie Krefelder aus Uerdingen und Oppum, die einen riesigen Bär als Maskottchen mitbrachten, waren gekommen, um sich zum vorerst letzten Mal zu duellieren. Seit dem Herbst des vergangenen Jahres reisten sieben der acht Teams einmal im Monat zu einer monatlich wechselnden gastgebenden Mannschaft, um im Modus Jeder-gegen-Jeden ein Turnier zu spielen in der Inklusions-Liga. Zum Abschluss war nun die VfB Alemannia Pfalzdorf der gastgebende Verein und kümmerte sich auch kulinarisch um seine Gäste aus teilweise weiter Ferne.

Zum Abschluss der Saison war ebenfalls DFB-Vizepräsident für Spielbetrieb und Fußballentwicklung Peter Frymuth unter den Gästen. Ihm lag das viel diskutierte Thema Inklusion besonders am Herzen. „Es freut mich zu sehen, dass diese Kinder, die sonst vielleicht gar nicht die Möglichkeit hätten, hier Fußballspielen dürfen und dabei Spaß haben“, sagte Frymuth und wünschte sich auch von anderen Vereinen eine solche Initiative, wenngleich er eingestehen musste, dass es im heutigen Leistungsprinzip schwer geworden ist, eine Inklusion im Sport zu etablieren.

Deshalb ist Achim Hahn vor einigen Jahren auf Fußballvereine zugegangen, um eine eigene Fußball-Gruppe für Kinder mit Behinderungen zu gründen. Die Alemannia Pfalzdorf zeigte sich interessiert und Hahn begann vor mittlerweile fast sieben Jahren mit sieben Kindern diese Handicap-Gruppe aufzubauen, die dank des Pfalzdorfer Engagements stetig weiter wächst. „Wir haben mittlerweile 55 Kinder aufgeteilt in U16 und Ü16. Der Bedarf ist da“, erläutert Hahn. Dank der Handicap-Liga können sich seine Schützlinge nun einmal im Monat mit Mannschaften aus anderen Vereinen messen und dabei Spaß haben.

So wurde am Wochenende jedes Tor kräftig bejubelt und Frymuth konnte als Schirmherr der Handicap-Liga in zahlreiche strahlende Kinderaugen schauen und eine weitere Besonderheit beobachten. Denn in den zwölfminütigen Partien gibt es keine Schiedsrichter. Die Kinder regeln im Modus der Fairplay-Liga ihre Entscheidungen über Foul und weiterspielen selbst. „Hier sind sehr faire Mannschaften. In der Regel klappt das also sehr gut“, berichtet Hahn. Wenn es denn mal Probleme gebe, helfen schon mal die Trainer aus. Doch das sei eher eine Seltenheit, so Hahn.

Nach einem viereinhalbstündigen Turnier stand am Samstag der erste Meister der Inklusions-Liga fest: Bayer Uerdingen gewann vor Gastgeber Alemannia Pfalzdorf und Union Mülheim. Auch wenn kräftig gefeiert wurde, so war es doch nur eine Nebensache. Denn die Spielerinnen und Spieler der Inklusions-Liga freuen sich jedes Mal wieder, dass auch sie in einer Mannschaft einfach nur Fußballspielen dürfen – wie jedes andere Kind auch.

Die Ü16-Handicap-Mannschaft der VfB Alemannia Pfalzdorf bestreitet am kommenden Samstag, 20. Juni, ein internationales Handicap-Turnier mit Mannschaften aus Wien, Basel und Werder Bremen auf der Bezirkssportanlage Neuss-Weckhoven.