Goldige Bedingungen im Golddorf

Was wir bereits wissen
Marathon: 971 Teilnehmer gingen in Winnekendonk bei der zwölften Auflage des Golddorflaufes an den Start. Darunter auch viele Läufer aus dem Nordkreis. Platz vier für Gregor Akkermann vom LV Marathon Kleve

Winnekendonk..  Moderator Ferdi van Heukelum aus Nütterden sprach von „goldigen Bedingungen“ in Winnekendonk. Wie könnte es auch im „Golddorf“ anders sein. Am vergangenen Samstag fand dort der gleichnamige Lauf statt. Angelockt vom guten Wetter gingen 971 Teilnehmer an den Start, davon rund 200 ganz spontan.

Offensichtlich so spontan, dass er in keiner Liste auftauchte, war der Läufer mit der Startnummer 1141. Bis zum Zieleinlauf nach 10 000 Metern blieb der Erstplatzierte ein Phantom, ein Unbekannter. Hinter der Nummer und einer Zeit von 34:58 Minuten verbarg sich Martin Funke, der für den Homberger TV an den Start ging. Der Mann, Jahrgang 1977, gab sich bescheiden. „Ich habe in den Osterferien mal ein bisschen trainiert und wollte die Form testen“, lautete die Antwort auf die Frage, was ihn erstmals nach Winnekendonk zog. „Ja, der war zu schnell“, war die Einschätzung seines Verfolgers und damit Zweitplatzierten Björn Temmler.

Er lief in 36:14 Minuten über die Ziellinie, dicht gefolgt von Franc van der Hagen (36:26). Die beiden Männer beglückwünschten sich gegenseitig. Für Temmler vom AS Neukirchen-Vluyn war es „der beste Lauf seit sieben Monaten“, van der Hagen traute sich angesichts seiner Vorgänger fast nicht sein Alter zu verraten.

Während die beiden ersten Plätze von der Klasse „M 35“ dominiert wurden, fand er sich mit 36 Jahren alt. Dabei lag er statistisch gesehen noch unter dem „Durchschnitt“. Während beim 5000-Meter-Lauf das Durchschnittsalter der Teilnehmer bei 37,6 Jahren lag, ging es beim 10 000-Meter-Lauf bereits auf 45,6 Jahre hinauf. Soweit die Statistik.

Bei den Frauen erreichte ebenfalls eine Nachmelderin als Erste das Ziel. Bei 41:41 Minuten stoppte die Uhr für Andrea Pfister. „Ich habe mich heute morgen erst für einen Start entschieden“, sagte die 33-jährige Weselerin. Mit einem Sieg hatte sie überhaupt nicht gerechnet. „Ich habe schließlich erst vor einem Jahr mit dem Laufen wieder richtig angefangen“, meinte Pfister.

Ähnlich überrascht über ihren Erfolg war Nina Pellens aus Straelen. Mit 43:00 Minuten landete sie auf dem dritten Platz. „Keine Ahnung, ich bin einfach gelaufen“, nennt sie ihr Geheimrezept. Das letzte Mal, dass sie an einer Laufveranstaltung teilgenommen habe, sei in der Kindheit gewesen. Von Hause aus ist sie nämlich Handballerin beim SV Straelen. Daneben jogge sie halt noch ein bisschen. „Jetzt hat mich allerdings das Laufen gepackt“, sagte die Läuferin mit der Nummer 549. Ihr nächstes Ziel: ein Halbmarathon.

Längst in der Läuferszene bekannt ist Erika Schoofs, mit Mädchennamen van Dongen. Und dieser sagt den Laufinteressierten alles. In Abwandlung einer Aussage der tschechischen Langstreckenlegende Emil Zatopek heißt es: Fisch schwimmt, Vogel fliegt, van Dongen läuft.

Und so eben auch Erika „van Dongen“ Schoofs. In Winnekendonk kam sie leicht abgekämpft ins Ziel, mit einer Minute Verlust zum Vorjahr. Die Zeit von 42:10 Minuten reichte im Klassement der Frauen für den zweiten Platz. „Wenig Training und heute ein Geburtstag mit viel Essen“ lautete ihre Begründung für die Zeiteinbuße. „Geburtstage lassen sich nicht verlegen. Ansonsten bin ich zufrieden“, lautete ihr Fazit.

Vor dem Jedermann-Lauf über 5000 Meter spekulierte Moderator van Heukelum über mögliche Favoriten. Nach 16:56 Minuten war die Entscheidung bei den Männern bereits gefallen. Erster wurde Jeroen Koster vom Bunert Running Team Kleve mit einer persönlichen Bestzeit. „Hinten heraus war es ein bisschen windig, aber sonst einfach nur toll“, lautete seine persönliche Bewertung des Laufs. „Ich kann den Veranstalter nur loben, es ist ein sehr schöner Lauf.“ Hinter ihm war es Robin Schäfer, der bei 17:08 Minuten über die Ziellinie lief. Dritter wurde ein weiterer van Dongen mit Vornamen Heinz, jüngster Bruder von Erika, der für den TSV Weeze startet und in 17:20 Minuten im Ziel war.

Bei den Frauen war es Felicitas Vielhaber vom TuSEM Essen, die trotz einer Blessur an der Ferse allen Konkurrentinnen davonlief und die 5000 Meter lange Distanz in schnellen 19:56 Minuten bewältigte. „Als ich Felicitas gesehen habe, dachte ich schon, dass es vorne schnell wird“, sagte die glückliche Zweitplatzierte Annika van Hüüt von der LG Alpen. Ins Ziel kam sie in 20:27 Minuten – ebenfalls trotz einer Fußverletzung. Lena Teutemacher wurde Dritte bei einer Zeit von 22,05 Minuten.

Zu sehen gab es noch manche Kuriosität, eine Läuferin mit Hund, einen männlichen Läufer mit nicht zu übersehendem Schild „Junggeselle“, das Pärchen, das Hand in Hand über den Zielstrich lief. Und nicht zu vergessen sind die Zuschauer, die auf den letzten Metern den Aktiven entscheidenden Auftrieb gaben, mit Zurufen, aber auch selbst gebastelten Schildern und natürlich vollen Getränkebechern am Zieleinlauf.