Leichtathletik
Frostiger Balanceakt
10.01.2010 | 18:36 Uhr 2010-01-10T18:36:00+0100Kevelaer. Die Kälte kommt von unten. Langsam schleicht sie sich den Weg nach oben, von den Füßen bis in die Finger. Dass die Aktiven auf der Bahn damit zu kämpfen haben, das sieht der Zuschauer. Sie schieben die Lasten, die das Schneetief Daisy mitgebracht hat, buchstäblich vor sich her.
Der Schnee, das Eis, es zehrt an den Kräften – und das nicht nur bei den freiwilligen Vereinsmitgliedern, die am Sonntag die Marathonstrecke mit der Schneeschaufel freiräumten. Die Läufer fanden ebenfalls schwierige Bedingungen vor.
In Kevelaers Schravelner Heide stieg die achte Auflage des LLG-Marathons, und die größte Herausforderung für die veranstaltende LLG Laufsport Kevelaer war, dem Wetter zu trotzen. Dass der Schnee die Streckenbedingungen verschlechtern würde, hatte Peter Wasser bereits im Vorfeld gewusst. „Es wird schwierig, mit den zu erwartenden Witterungsbedingungen umzugehen”, hatte der LLG-Vorsitzende gesagt.
Eine Stunde nach dem Startschuss war klar: Wasser und sein Team haben es geschafft. Die Strecke war eisfrei und der Bodenbelag völlig ausreichend. „Es ist wirklich toll, dass wir so viel Hilfe von außerhalb bekamen”, beschrieb Wasser weiter. „Der Bauhof etwa hat toll geholfen, die Strecke freizuräumen.”
Und trotz der mit Sand überschütteten Fläche: Es ist kalt. Die Zuschauer – gewappnet mit Mützen, Handschuhen und Schals – wärmen sich an ihrem Kaffee- oder Glühweinbecher. Die schöne Landschaft lädt einige von ihnen auch zu einem kleinen Spaziergang ein. Bewegung hält schließlich warm.
Für Kaiser ist die Strecke super
Für manche Sportler aber war der Balanceakt zwischen Frieren und Schwitzen zu groß. Einige stiegen aus, darunter auch der lange Zeit führende Ike Radtkowski vom Team belalaSola aus Bocholt. Er konnte die 42,195 Kilometer nicht bewältigen – Magenprobleme machten für ihn ein Weiterlaufen unmöglich.
Ohnehin waren gestern von den Aktiven keine Höchstleistungen zu erwarten. „Für Bestleitungen sind die Bedingungen völlig ungeeignet. Ein paar Minuten mehr werden wohl die meisten brauchen”, sah Moderator Laurenz Thissen die Siegerzeit voraus. Und dass man ein paar Zeigerumdrehungen länger lief, ist am Beispiel des Siegers zu erkennen. Michael Kaiser (Team belalaSola) überschritt bereits im Vorjahr als Erster die Ziellinie. Damals benötigte er 2:51:01Stunden. In diesem Jahr waren es rund acht Minuten mehr: Sein Chip piepte nach 2:57:49 Stunden, als er an der Lichtschranke vorbeilief. Für ihn waren die Streckenverhältnisse trotzdem super. „Auch, wenn es stellenweise etwas glatt war”, gab Kaiser zu. Lange war er als Zweiter auf der Strecke unterwegs, eben bis Radtkowski aufgab. Dann trug er den Sieg locker nach Hause: „Ich habe gesehen, dass der Abstand zu meinem Verfolger immer größer wurde, und so konnte ich das Tempo drosseln.” Nach ihm schafften es Falk Linke (TLV Rangsdorf) und Gerd Kehrbusch (Athletik Waldniel) auf das Siegertreppchen.
Allzu lange ließ auch die erste Frau nicht auf sich warten. Jedoch konnte die Siegerin Kirsten Sonnenschein (Marathon Dinslaken) das Rennen nicht so locker nehmen, wie ihr männliches Pendant. Sie kämpfte mit Sybille Möllensiep um den Sieg. Auf den letzten 195 Metern wurde zum letzten Sprint angesetzt. Sonnenschein siegte nach 3:29:57 Stunden, Möllensiep vom SuS Schalke 96 folgte in 3:30:09 Stunden vor ihrer Vereinskollegin Gertrud-Raifa Geltner auf dem Silberplatz.
0mitdiskutieren