Feierabend als Karrierestart
09.07.2010 | 17:24 Uhr 2010-07-09T17:24:00+0200Kleve. Dave Mölders vom LV Marathon Kleve eilt derzeit am Niederrhein von Sieg zu Sieg. Dabei beeindruckt der 34-Jährige stets durch seine Gelassenheit.
Nach einer durchzechten Nacht hat man nur ein dringendes Bedürfnis: Ab ins Bett. Die Füße schmerzen, der Körper ist müde und das ein oder andere Bier vernebelt einem die Sinne. Für Dave Mölders, den derzeitigen Ausnahmeläufer des Kreises Kleve, war genau ein solcher Feierabend der Karrierestart.
Um fünf Uhr verließ er eine Klever Rock-Disco, direkt danach nahm er am Gocher Steintorlauf teil. „Dann brauchte ich über fünf Kilometer achtzehn Minuten und fünfzehn Sekunden“, erzählt er lachend. Diese Geschichte liegt drei Jahre zurück und derzeit eilt Mölders von Erfolg zu Erfolg. Seit neun Läufen am Niederrhein siegt er mit erstklassigen Zeiten: Über die zehn Kilometer braucht er zirka 32 Minuten. „Doch das ist nicht nur Ehrgeiz, der das möglich macht. Auch Veranlagung spielt mit ein“, sagt er im NRZ-Gespräch. Locker sitzt er in einem Korbstuhl in der physiotherapeutischen Praxis in Rindern, dem Familienbetrieb. Mit dem Kaffeebecher in der Hand erzählt der smarte Mann entspannt von seinem Leben. Ebenso entspannt wie er auch nach den Strapazen eines Rennens rüberkommt.
Am 6. Januar 1976 wurde Dave als erster von drei Söhnen geboren. Seine Sportlichkeit bekam er in die Wiege gelegt. Immerhin ist sein Vater der ehemalige Olympiastarter Gerd Mölders. „Natürlich kam ich so zum Laufsport. Mit vier Jahren habe ich angefangen“, sagt der sympathische Läufer. Mit 16 Jahren feierte er etliche Erfolge. „Mit der Volljährigkeit kamen dann die Mädchen und Partys ins Spiel“, gibt er zu. Und so verschwanden die Sportschuhe erstmal im Schrank.
Erst seit dem besagten Steintorlauf-Erfolg schnürt er wieder die Treter im Dress des LV Marathon Kleve. „Dann dachte ich mir: Wenn du das laufen kannst, dann schaffst du auch den Berlin-Marathon“, erinnert er sich. Nahezu untrainiert und leichtsinnig reihte er sich in der Bundeshauptstadt ins Starterfeld ein. Nach 2:55 Stunden erreichte er das Ziel.
Während seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten lernte der 34-Jährige mit Ohrring und längerem Haar, wie man sich sportlich vorbereitet. „Nach dem Marathon habe ich dann vernünftig trainiert.“ Wöchentlich läuft er um die 120 Kilometer, und das bedeutet auch etwas Stress. „Deshalb trete ich vor dem diesjährigen Marathon in Berlin beruflich ein bisschen zurück. Denn dafür muss ich meinen Wochenschnitt auf hundertsiebzig Kilometer erhöhen“, weiß er. Die Praxis, die er mit seinem Vater und seinen Brüdern schmeißt, muss dann etwas auf ihn verzichten.
„Wie lang ich noch laufe, weiß ich nicht“, gibt er zu. Wahrscheinlich wird er im kommenden Jahr wieder eine Laufpause einlegen, schließlich „muss man sich privat und auch beruflich einschränken. Ich weiß nicht, wie lange ich darauf noch Lust habe“. Sein sportliches Ziel ist dieses Jahr der Berlin-Marathon, den er wesentlich vorbereiteter angehen wird als noch vor drei Jahren. Und dann gönnt sich Mölders nicht eine durchzechte Nacht sondern einen echten Läuferfeierabend.
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