Extrem anhänglich
03.02.2008 | 14:17 Uhr 2008-02-03T14:17:00+0100Gundi Pfohl und Erwin Janßen aus Goch sind die wohl besten und treuesten Fans der Welt. Erwin Janßen und Gundi Pfohl mussten sich vor zwei Wochen in Norwegen auf dem Weg von Oslo nach Bergen mit dem Bus über einen völlig verschneiten Gebirgspass quälen.
Für insgesamt 450 Kilometer brauchten die beiden Gocher und ihre rund 30 Leidensgenossen glatte zehn Stunden. Das war ein Abenteuer, und es war im Urlaub, aber es war nicht als Abenteuer-Urlaub geplant. „Wir mussten nur von einem Spielort der deutschen Mannschaft zum anderen Spielort kommen”, sagt Erwin Janßen, mittlerweile wieder gesund und munter im eigenen Haus in Goch angekommen.
Er und seine Gundi sind die vielleicht besten und treuesten Handball-Fans der Welt, immer da, wo die DHB-Auswahl bei einer EM oder WM gerade an den Start geht. Vor zwei Wochen war das eben in Norwegen. Und da kann es auch schonmal schneien.
Die Affinität zum Sport der Ballwerfer begann für das Paar zu Beginn der achtziger Jahre. „Ich war immer Fußballer gewesen, bei der Viktoria nämlich, und hatte mit Handball nicht viel am Hut”, erinnert sich der 65-jährige Janßen. „Dann sind wir irgendwann einmal nach Gummersbach zum VfL gefahren, weil der damals neben dem TV Großwallstadt die beste Klubmannschaft war.” Damals lernten Gundi und Erwin den „Hexer”, Keeper Andreas Thiel, oder Rückraum-Ikone Erhard Wunderlich kennen. Seitdem sind sie auch mit Trainer Heiner Brand per Du.
Erwin Janßen ist heute Rentner, hat früher bei der Volksbank in Goch gearbeitet. Lebensgefährtin Gundi Pfohl verdient die Brötchen bei der Bausparkasse. Beide kennen sich also mit Zahlen aus. „Deshalb wissen wir auch ganz genau, wieviel wir schon für unsere Handballreisen ausgegeben haben”, sagt die 59-jährige Pfohl mit einem verschmitzten Lächeln. „Das sollte aber lieber nicht in der Zeitung stehen.”
Die Schnee-Anekdote aus Norwegen ist nur eine von unzähligen Geschichten, die das sympathische Paar, das sogar bei Welthandballer Kyung-Shin Yoon während dessen Gummersbacher Zeit zur Hochzeit eingeladen war, von seinen Reisen mitbringt. Mit Gummersbach waren die „Handball-Hopper” schon in Barcelona, aber auch in Freiberg bei Dresden. „Da sind wir am Morgen hin gefahren und abends wieder zurück”, erzählt Janßen. „Ging nicht anders.”Oder die Story vom Supercup in der Dortmunder Rundsporthalle, an dem Mitte der achtziger Jahre noch die DDR teilgenommen hat: Mit Ost-Spieler Hartmut Krüger ließ sich Janßen auf ein besonderes Tauschgeschäft ein. „Ich wollte einen DDR-Wimpel haben, er wollte dafür zwanzig D-Mark, das war für die Jungs von drüben damals viel Geld. Also habe ich bezahlt, und wir waren beide glücklich.”
Seit 1995 reisen nun Gundi und Erwin mit der DHB-Auswahl durch die Welt. „Nach Tunesien und Portugal sind wir geflogen, den Rest haben wir mit dem Bus gemacht”, erzählt Gundi. „Das ist bequem, man setzt sich hin und braucht sich um nichts mehr zu kümmern.”
Nächstes Jahr im Januar steigt die WM in Kroatien. Und natürlich sitzen dort auch die extrem anhänglichen Gocher auf der Tribüne. Was wäre die DHB-Truppe ohne die besten Fans der Welt? „Solange wir gesund sind, können wir das ja machen”, sagt Erwin Janßen.
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