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Die Queue-Queens aus Kleve

30.11.2009 | 17:44 Uhr

Kleve. Wenn sie sich "Gut Stoß" wünschen, wie man es beim Billard halt tut, bekommen sie oft keine Antwort. Es ist eben noch ungewohnt, wenn Frauen gegen Männer spielen. Und dann noch in der Kneipe. Seit dieser Saison besteht Gut Stoß 4 Kleve allein aus Frauen. Nur der Trainer ist ein Mann.

Es begann ganz harmlos. Zwischen Schlagersongs und Kuchenbuffet beim alljährlichen Kreissiegerfest in Uedem scherzten Männer und Frauen, wie es Männer und Frauen nunmal tun. Billard, das sei nix für das weibliche Geschlecht. Ist es doch! Ist es nicht. Ist es doch! Zum Beweis schnappten sich Ingrid Tenhaft und Co. das Queue und stießen zu – mitten ins Männerherz. Das blutet besonders, wenn ein Billardspieler von einer Konkurrentin besiegt wird. „Das können die Männer nicht vertragen”, bestätigen gleich alle sieben Frauen von Gut Stoß Kleve 4, die im Übrigen ihre letzten beiden Spiele gewannen. Auch gegen Männer.

Rita Berson weiß, wie's damals war. Seit fast 20 Jahren stößt sie die Kugeln übers grüne Filz. Angefangen hat's zuhause am eigenen Tisch – mit ihrem Mann als Gegenspieler. An ihre ersten Auftritte in der Kneipe kann sie sich noch gut erinnern. „Es war merkwürdig. Sobald ich ans Brett gegangen bin, sind alle Gespräche um mich herum verstummt”, sagt Rita Berson. Mit ihren 61 Jahren ist sie nicht nur die Älteste im Team, sondern sie gehört auch zu den Leistungsträgerinnen von Gut Stoß 4. Die Mannschaft, die derzeit auf dem drittletzten Platz der siebten Klasse steht, ist erst seit dieser Saison eine reine Frauenmannschaft, bis vor kurzem spielte noch immer ein Mann mit. Wobei rein relativ ist. Denn da gibt's ja noch den Trainer.

Küsschen bekommt er von den sieben Damen, und gedrückt wird er auch schon mal. Manfred Ricken trainiert Gut Stoß 4 von Beginn an. Also schon neun Jahre lang. „Ich musste so manche Beruhigungsmittel schlucken”, sagt er scherzend. „Das ist schon eine ganze schöne Lärmbelastung.” Dieser Spitze folgt gleich ein gellendes Lachen aus sieben Mündern. „Wir haben eine Menge Spaß”, sagt Ingrid Tenhaft, eine der Gründerinnen des Frauenteams, und man glaubt es ihr aufs Wort.

Selbstbewusstsein getankt

Eigentlich ist auch das genau der Grund, warum die Sieben das Queue schwingen. „Es geht uns um die Gemeinschaft”, sagt Hilde Miefert. Aber auch um mehr. Hilde hat durch den Sport viel mehr Selbstbewusstsein bekommen. „Das kommt mir im alltäglichen Leben, aber auch in meinem Beruf zugute”, sagt sie. So etwas wie damals, das passiert ihr nicht wieder. Vor der Kneipentür hat sie kehrt gemacht, weil sie sich nicht getraut hat, den 15 Männern Paroli zu bieten. Sie holte sich eine Mannschaftskollegin zur Verstärkung, erst dann traute sie sich an den Tisch.

Lippgloss und Queue – das geht auch gut zusammen. Foto: Thorsten Lindekamp

Ihr größter Erfolg liegt gar nicht lang zurück. Anfang November hat sie 2:0 gegen Johann Welbers gewonnen – und damit ihrem Team zum 8:0-Kantersieg gegen BC Goch 35 4 verholfen. „Boah, das hätte ich nicht gedacht. Wir haben alle fertig gemacht”, sagt sie stolz wie Oskar. Auch am vergangenen Freitag siegte Gut Stoß – dieses Mal 5:3 gegen Rot Weiß Kleve 5.

Doch genau so gut können die Frauen auch verlieren. „Wir gewinnen gerne, wir verlieren aber auch gerne”, sagt Ingrid Tenhaft. Und weil die Sieben in dieser Hinsicht so entspannt sind, haben sie auch kein Saisonziel herausgegeben. „Das soll ja kein Stress werden”, sind sie sich einig. Aber Letzter wollen sie nun auch nicht werden.

Denise Ludwig

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