Der Kälte zum Trotz
03.02.2012 | 18:15 Uhr 2012-02-03T18:15:00+0100Kreis Kleve. Joggen gehen und Fußball spielen bei Minusgraden – ist das eigentlich ratsam? Trainer und Sportwissenschaftler geben Tipps.
Nun hat sie es zurück, die Natur: ihr prächtiges weißes Kleid. Passt ja auch zu den eisigen Temperaturen, dass es gestern wieder geschneit hat. Wohl denen, die sich da nicht im Freien aufhalten und bibbernd auf milderes Wetter warten müssen. Allerdings gibt es auch Menschen, die – okay, sagen wir mal: gezwungenermaßen – freiwillig in die Kälte gehen: die Sportler. Sofern es der Untergrund zulässt, mummeln sich die Jogger ein und gehen trotzdem in den Wald; und sind Rasen oder Asche nicht völlig zugefroren, treten auch die Fußballer gegen den Ball. Aber mal ehrlich: Ist das eigentlich gesund, bei solchen Temperaturen noch Sport zu betreiben?
Dass es zumindest nicht gerade gemütlich ist, haben sich gestern schon die Fußballer des SV Rees gedacht und ihren Test gegen den Kevelaerer SV abgesagt. Der ein oder andere Verein wird wohl im Laufe des Wochenendes noch auf die gleiche Idee kommen.
Ausweichmanöver in die Soccerhalle
Sind die Plätze durch den Frost betonhart und in der Konsequenz logischerweise gesperrt, bleibt den ambitionierten Fußballern häufig nur eine Soccerhalle als alternative Trainingsstätte. Oder eben die Straße für weitere Laufeinheiten. Georg Mewes sieht dies angesichts des Temperatursturzes und drohender Glatteis-Gefahr aber als nicht gerade als optimale Option. „Dabei kann man sich doch nur die Knochen brechen“, sagt der Trainer des SV Hönnepel/Niedermörmter. Im Gegensatz zu Hobbykickern in der Kreisliga C fällt es beim Niederrheinligisten aber schon eher in die Waagschale, wenn das Training für längere Zeit ausfällt.
Was für Mewes’ Kicker kaum infrage kommt, wohl aber für Freizeitläufer eine Ausweichmöglichkeit ist: das Trimm-Rad zu Hause oder ein Besuch im Schwimmbad. Dazu rät jedenfalls Gregor Akkerman denjenigen, die sich nicht mehr in die Kälte wagen. „Man kann aber durchaus bei
Minusgraden Sport an der frischen Luft treiben“, weiß der Sportwissenschaftler. Das sagt er auch den Teilnehmern seiner „Laufschule Niederrhein“. Akkerman: „Wichtig ist bloß, dass man es vorsichtig angehen lässt und eben ein moderates Tempo wählt.“ Auf Ruhe- und Dehnphasen zwischendurch sollte man aber dennoch verzichten: Bei diesen Minusgraden kühlen die Muskeln viel zu schnell aus.
Unbedingt warm anziehen – nach dem Zwiebelprinzip
Ein bisschen Bewegung tut gut, aber wer nicht zu schnell und auch nicht zu lange joggt, kommt auch nicht allzu sehr ins Schwitzen, sagt Gerd Aengenheister. Seit 32 Jahren organisiert er den Lauftreff in Nütterden und würde das Laufen erst „ab minus zehn Grad ganz zurückstellen“. Wer dennoch an die frische Luft möchte, kann auch mal Nordic Walking ausprobieren oder aber ganz normal spazieren gehen.
Wichtig ist auf jeden Fall in diesen bitterkalten Tagen die richtige Kleidung. „Vielschichtig anziehen nach dem Zwiebelprinzip“, rät Aengenheister. Also: mehrere Schichten, damit der scharfe Wind nicht durch die Kleidung zieht. Mütze und Handschuhe sind ein Muss, wer mag, kann auch noch einen Mundschutz dazunehmen. Auch hier hat Aengenheister noch einen Tipp: „Wichtig ist, durch Nase und Mund zu atmen. Normalerweise atmet man beim Laufen nur durch den Mund.“
Ach ja: Eigentlich sind die Temperaturen kein triftiger Grund, die Füße zu Hause im Warmen hochzulegen und das Laufen sausen zu lassen. „Gerade jetzt ist die Luft gesünder als bei diesigem Wetter“, sagt Aengenheister. Mit kleinen Einschränkungen: „Asthmatikern oder Menschen mit Atemwegsbeschwerden würde ich davon abraten, momentan draußen Sport zu treiben“, warnt Akkerman.
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