Beus geht mit Triple-Sieg ins neue Jahr

Goch..  Als der Kreis Kleve am vergangenen Wochenende von einer weißen Pracht bedeckt wurde, freuten sich in den Städten und Gemeinden zahlreiche Menschen über das verspätete Weihnachtsgeschenk. Nur in einem kleinen Dorf nahe Goch sorgte der viele Schnee für Angst und Schrecken. Die Leichtathletikabteilung der Pfalzdorfer Alemannia, Organisator des Sylvesterlaufes, bangte bis einen Tag vor dem Start der 27. Auflage um die Durchführung der Traditionsveranstaltung. Noch am Dienstag hätte dieser auf der vereisten Strecke kaum ausgetragenen werden können.

Doch der Verein tat alles, was es zu tun gab. Mit Baggern, städtischer Hilfe und 70 Mitgliedern aus der Fußballabteilung schleppten sie Schnee, kratzten Eis und machten die Strecke sicher. Das erfreuliche Ergebnis: Pünktlich um 13.15 Uhr, als beim Start des Fünf-Kilometer-Laufes mehrere Hundert blau-weiße Luftballons in den klaren Silvester-Himmel abhoben, war Tim Verhoeven, Mit-Organisator der Veranstaltung, mächtig erleichtert. Einen Plan B hatten er und sein Team nämlich nicht. „Unser Plan A, B und C war nur die Strecke freizumachen“, sagte Verhoeven. Eine Absage kam nach 2010, als der Lauf wegen schlechten Wetters zum ersten und bislang einzigen Mal abgesagt werden musste, nicht oder zumindest kaum in Frage. Zu viel Arbeit, Investition und Herzblut stecke einfach in dem Spektakel.

Tausende Zuschauer

Die Läufer und Zuschauer an der Strecke dankten es den Organisatoren und tatkräftigen Helfern aus dem gesamten Verein. Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt gingen fast 3 000 Athleten an den Start, – 200 mehr als noch im vergangenen Jahr – fast ebenso viele Zuschauer tummelten sich entlang der Strecke. Zum innerlichen Aufwärmen gab es ja Glühwein und Weihnachtsmützen – natürlich in der für Pfalzdorf typischen blauen Farbe. Hier ist eben alles etwas anders.

Als etwas anders könnte man auch den Start des Fünf-Kilometer-Laufes bezeichnen, bei dem Florian Falkenthal (LV Marathon Kleve) und der Bedburg-Hauer Armin Gero Beus (SV Sonsbeck) sich erwartungsgemäß an der Spitze duellierten. Als Beus’ Minuten vor dem Start jedoch nach links und rechts schaute, dürfte er sich gewundert haben. Von Falkenthal war keine Spur. Erst kurz vor dem Startschuss schaffte er es an die Strecke, da er morgens noch arbeiten musste. Doch als wäre nichts gewesen, rannte er allen erst mal davon. Knapp 500 Meter vor dem Ziel zog Beus noch einmal an – so wie es seiner Art entspricht. Dann gab es kein Halten mehr. In der für ihn so typischen Art knüppelte er die letzten Meter herunter und überholte noch seinen ärgsten Rivalen an diesem Tag, der ihn später für seine Sprintfähigkeiten loben sollte. Dank seines Schlusstempos holte sich der 20-jährige mit vier Sekunden Vorsprung zum dritten Mal in Folge den Sieg.

Eine starke Zeit von 15:48 Minuten standen am Ende auf der Uhr, die selbst Beus kaum fassen konnte. Denn wegen seiner Ausbildung kann der für den SV Sonsbeck startende Athlet nur noch wenig trainieren, wenngleich er sich auf Pfalzdorf noch mal intensiv vorbereitet hatte. Seine Triple-Formel lautete: „2012 war eine Überraschung, 2013 war ich einfach schneller und 2014 widme ich meinen Trainern, die mich trotz der beruflichen Belastung immer wieder motiviert haben, das Training nicht ganz schleifen zu lassen.“ Im nächsten Jahr kann er sich übrigens in die Geschichtsbücher schreiben: Vier Mal in Folge hat noch kein Athlet den Pfalzdorfer Sylvesterlauf gewonnen.

Letztes Mal beim Schülerlauf

Neben Falkenthal und dem drittplatzierten Fabian Rahn (Triathlon Goch) bekommt er dann aber einen weiteren Konkurrenten an der Spitze dazu: seinen ebenfalls für den SV Sonsbeck startenden Luca Fröhling. Der Jungspund durfte am 31. Dezember aus Altersgründen zum letzten Mal am 3000-Meter-Schülerlauf teilnehmen, den er mit einem neuen Streckenrekord von 9:28 Minuten gewann – bemerkenswerte zwölf Sekunden unterhalb der alten Bestmarke. Sein Ziel in dem jetzt begonnenen Jahr: „Ich möchte die fünf Kilometer auch unter 16 Minuten laufen“, sagte Fröhling nach dem Zieleinlauf. Für ihn als ehemaligen Alemmanen und gebürtigen Gocher gehöre der Lauf am Ende jeden Jahres einfach dazu. Logisch, dass er den auch mal in der Hauptklasse gewinnen möchte.

Fröhlings Schwester Sophie, die in ihrer Altersklasse W12 oben auf dem Treppchen stand, musste nach dem Zieleinlauf erst mal zahlreiche Tränen ihrer Vereinskameradin vom SV Sonsbeck, Sina Rodermond (W15), trocknen. Hand-in-Hand liefen beide als Erste ihrer jeweiligen Altersklasse ins Ziel, doch Rodermond hatte vergessen sich ihre Startnummer abzuholen und anzustecken. Ihre Zeit konnte daher nicht gewertet werden. „Das war einfach die Aufregung vor so einem großen Event“, versuchte ihr Trainer Johannes Krasemann zu erklären. Rodermond war hingegen untröstlich. Ihre einzige Konkurrentin, Leonie Kukulies vom TV Elten, die erst knapp vier Minuten später ins Ziel kam, gewann schließlich den Lauf in der Altersklasse W15. Bei der späteren Siegerehrung wurde Rodermond trotzdem mit auf die Bühne geholt und ihr ein kleines Geschenk überreicht. So konnte auch sie einigermaßen fröhlich ins Jahr 2015 starten.

Als am frühen Abend die letzten Urkunden ausgedruckt waren, die Männer von der Zeitnahme ihre Utensilien eingepackt hatten, der letzte Glühwein getrunken war und die die Schornsteinfegerinnen alle Glücksmünzen verteilt hatten, spätestens jetzt dürften Tim Verhoeven und seine Mitstreiter von der Pfalzdorfer Alemannia eine Flasche Sekt aus der Kühlung geholt und sich zugeprostet haben. Die besonders im Vorfeld geleistete Arbeit hat sich gelohnt.