ATV stoppt Siegeszug des Lokalrivalen

Straelen/Aldekerk..  Weit über 300 Zuschauer erlebten Sonntagabend in der Straelener Stadthalle ein Derby in der Handball-Oberliga der Frauen, das sich hüben wie drüben zu einer emotionalen Achterbahnfahrt entwickelte. Schließlich hatten die Gäste des TV Aldekerk mit 22:20 (13:9) die Nase vorn und beendeten damit die lange Siegesserie des SV Straelen. „Das ist dann doch ein bisschen ärgerlich. Wir haben uns so toll ins Spiel zurückgekämpft und es leider verpasst, eine Schleife um das versandfertige Paket zu binden“, sagte SVS-Coach Harry Mohrhoff mit vor Schweiß glänzender Stirn nach einem wahren Handballkrimi.

Tolle Kulisse

Weitaus entspannter wirkte sein Gegenüber Carsten Hilsemer. Aber nur rein äußerlich. „Wir haben in der zweiten Halbzeit viel falsch gemacht, kurz vor Schluss gerade noch die Kurve gekriegt. Es war ein spannendes Spiel vor einer tollen Kulisse“, meinte der Aldekerker Trainer.

Schon eine Viertelstunde vor dem Anwurf war die Tribüne in der Stadthalle rappelvoll. Karrenweise wurden Stühle herangeschafft, um am Spielfeldrand für weitere Sitzmöglichkeiten zu sorgen. Mancher Straelener Zuschauer fühlte sich an alte Regionalligazeiten erinnert. Erst recht, als Elena Fiedler mit dem ersten Angriff der Grün-Gelben zur 1:0-Führung traf.

Und die Gastgeberinnen hätten durchaus nachlegen können. Immer wieder tauchten sie frei vor ATV-Torfrau Denise Giesler auf, ließen sich von dieser jedoch in schöner Regelmäßigkeit den Schneid abkaufen. „Ihre Paraden waren die Basis dafür, dass sich so nach und nach unsere Abwehr stabilisiert hat und wir dem Spiel unseren Stempel aufdrücken konnten“, sah Carsten Hilsemer sein Team nach einer guten Viertelstunde von 6:5 auf 11:5 davonziehen. Die Blumenstädter wirkten hilflos in dieser Phase des Spiels, das bis zum 13:7 eine einseitige Angelegenheit bleiben sollte. Zwei SVS-Treffer kurz vor dem Pausenpfiff gestalteten das Ergebnis zur Halbzeit etwas erträglicher.

Fünf Siebenmeter verworfen

Was auch immer Harry Mohrhoff seinen Mädels in der Kabine gesagt hat: Es waren wohl die richtigen Worte. Trotz des fünften (!) verworfenen Siebenmeters in der 35. Minute waren es nun die Grün-Gelben, die den Ton angaben. „Unsere Abwehr war nicht mehr so gut sortiert, das hat Straelen ausgenutzt“, analysierte Hilsemer treffend. Doch auch im Angriff leistete sich Aldekerk nun einige Schwächen, suchte oft den Kreis, ohne ihn zu finden. Zudem wusste sich Straelens Torhüterin Steffi Pieper enorm zu steigern, kassierte zwischen der 30. und der 53. Minute läppische drei Gegentore. So wendete sich das Blatt zum ersten Mal. Grün-Gelb verküzte auf 13:15, glich zum 16:16 aus und ging keine 60 Sekunden später mit 17:16 in Führung. Die Stadthalle: ein Tollhaus, zumal der SVS noch zweimal nachlegen konnte.

Doch dann war es plötzlich vorbei mit der Straelener Herrlichkeit. Sechsmal in Serie netzten die Gäste ein, gestatteten Straelen hingegen nur noch einen Treffer. Dieser fiel Sekunden vor Schluss. Ergebniskosmetik. Aldekerk gewann mit 22:20.